zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 01:40 Uhr

Reinfeld : 104 Jahre: Ein stolzes Leben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Na, komm doch mal her zu mir“, ruft Hildegard Zander die Bernhardiner-Hündin Heidi zu sich. Beide sind gute Freunde. Und so darf Heidi auch beim 104. Geburtstag! mit an der bunten Kaffeetafel sitzen.

Hildegard Zander wurde 1912 in Berlin-Schöneberg geboren. Zwei Weltkriege, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit, die Gründung der Bundesrepublik hat sie miterlebt. „Ich kann mich noch an sehr vieles erinnern, mein Gedächtnis funktioniert gut“, sagt die rüstige Dame, die gerade ihren 104. Geburtstag feierte und damit zu den geschätzten 13  500 Über-100-Jährigen in Deutschland gehört. Sie könne es selbst kaum glauben, dass sie „so alt“ geworden sei. Sie fühle sich recht gut, nur mit dem Hören sei es schwieriger geworden.

Zu ihrem 104. Geburtstag hat das Senioren-und Pflegecentrum Reinfeld, in dem Hildegard Zander seit zehn Jahren im betreuten Wohnen lebt, eine bunte Kaffeetafel gedeckt, zu der auch ihre ehemalige Nachbarin Ilse Stephan von der Lübecker Chaussee eingeladen ist. „Wir sind damals zusammen ins Seniorenheim gekommen“, erzählt die Nachbarin, in deren Bäckerei die Jubilarin früher gern einkaufte. „Es ist schön, noch jemanden aus alten Zeiten zu kennen“, sagt Hildegard Zander.

Sie blickt auf ein ereignis- und arbeitsreiches Leben zurück. Ihr Vater fiel bereits im Ersten Weltkrieg. Da war Hildegard Zander erst zwei Jahre alt. „Aber ich kann mich noch erinnern, wie wir zusammen spazieren gegangen sind“, erzählt die Seniorin. Die Mutter musste ihre Schwester und sie allein durchbringen. Viel Zeit verbrachte die Jubilarin auf dem Bauernhof ihrer Großeltern. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie aus Berlin flüchten, die kleine Hildegard mit dem Baby der Schwester unter dem Arm.

Die Flüchtlinge fanden erst in Barnitz Unterschlupf, später baute das Frauen-Trio ein Häuschen an der Lübecker Chaussee. „Wir wollten doch wieder was eigenes haben“, erinnert sie sich. Gern blickt die Jubilarin auf diese Zeit zurück: „Wir haben es ja zusammen nicht schlecht gehabt.“ Als „Mädchen für alles“ arbeitete sie im ehemaligen Kreisaltersheim Bolande, zog die sechs Kinder ihrer Schwester groß. Als sie 65 Jahre alt wurde und eigentlich in Rente gehen sollte, half sie trotzdem noch hier und da aus. „Ich habe immer gearbeitet. Meine Rente ist zwar klein, aber es reicht“, sagt sie. Zwei Mal sei sie verlobt gewesen, aber: „Das war dann doch nicht der Richtige.“

Stolz ist Hildegard Zander darauf, dass sie mit ihren 104 Jahren so schnell nichts vergesse und sich auch immer noch selbst zurechtmachen könne. „Ich kann alles noch alleine, bis auf die Haare“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Die habe ihr die Friseurin für ihren großen Ehrentag extra frisiert. „Sonst sind meine Harre eher lockig, aber heute nach dem Waschen liegen sie glatt um meinen Kopf“, kommt sie ins Plaudern und deutet auf ihre Bernsteinkette, die sie sich zur Feier des Tages umgelegt hat. Sie sehe zu, das es ihr nicht langweilig werde, könne sogar noch ohne Brille lesen und verfolge besonders gerne politische Sendungen im Fernsehen.Hildegard Zanders Lebensmotto: Immer nach vorne schauen, nie den Mut verlieren – und das mit einer guten Prise Humor: „Ich bin immer lustig gewesen.“

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mär.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen