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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 12:52 Uhr

Bad Oldesloe : 100 Tage Kub – ein Ausblick

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei wem die Kunst- und Bildungsschmiede ein Leuchtturm ist , die Chefin abends die Tickets kontrolliert und wer hier das große Los gezogen hat

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erstellt am 28.Dez.2016 | 11:05 Uhr

Lange geplant, lange gebaut und seit nunmehr 100 Tagen ist es in Betrieb: das Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum (Kub). Das Projekt, das wohl 13 Millionen Euro verschlingen wird (noch ist nicht alles fertig und abgerechnet) und welches – wenn nicht für die Ewigkeit, so doch für einen sehr langen Zeitraum schaffen –, ist auch optische ein Hingucker. Die erste Zeit der Nutzung ist mit Spannung erwartet worden. Ist die Rechnung der Initiatoren aufgegangen?

 Langsam kriege ich eine Idee davon, dass die Arbeit zu schaffen ist“, lautet das Fazit von Kub-Chefin Inken Kautter nach den ersten Monaten. Inzwischen sind alle Stellen im Kub besetzt. „Das merkt man“, verrät die Kulturmanagerin mit einem Lächeln. Abends steht die Chefin noch selbst am Eingang und kontrolliert die Tickets. Das soll auch so bleiben. „Das ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Künstler“, erklärt sie: „Und auch fürs Publikum. Sonst kann ich kein Verbesserungspotenzial erkennen.“

 Die ersten Veranstaltungen haben bereits ein Stimmungsbild ergeben. „Maritime Angebote – das ist ein Pfad, den ich nicht weiter verfolgen muss. Offensichtlich wollen die Oldesloer nichts vom Meer hören“, lautet die erste „negative“ Erfahrung. Szenische Lesungen hingegen liefen überproportional gut. Die ersten 55 Veranstaltungen wurden von rund 6000 Zuschauern besucht – mehr als erwartet. Auch wenn es schon gelungen sei, treue Kulturkonsumenten von erfolgreichen Bühnen ins Kub zu ziehen, sieht Inken Kautter, dass sie noch reichlich Pionierarbeit zu leisten hat.

  „Viele trauen sich hier nicht rein. Unter Schülern ist das Kub noch gar kein Begriff“, musste sie feststellen. Für das junge Publikum gibt es deshalb zum Kennenlernen und Reinschnuppern ein besonderes Angebot: Für 40 Euro Jahresbeitrag können Schüler, Studenten und Azubis bis 23 Jahre alle Einzelveranstaltungen von Kulturbereich, VHS, Musikschule und Klangstadt besuchen.
 Inken Kautter hatte gleich nach Dienstantritt und noch deutlich vor der Kub-Eröffnung angekündigt, Kooperationspartner zu suchen. Bei der Musikhochschule Lübeck lief sie mit ihrer Anfrage offene Türen ein. „Die haben da total viel Lust drauf“, sagt sie: „Wir wollen zukünftig zwei Mal im Jahr eine Oper zusammen produzieren.“ Am 13. Januar wird mit „Mad Lovers“ die erste Premiere gefeiert. Die Bühne wird mitten im Saal stehen. Inken Kautter verspricht: „Man wird maximal zwei bis drei Reihen weit weg sitzen. Das hat man nirgendwo sonst.“
 Die aus dem historischen Rathaus bekannte Jazz-Reihe wird natürlich fortgesetzt. Dafür gebe es ein eingefleischtes Publikum. Für Sprechtheater-Aufführungen wird das Kub aber eher keine Bühne bieten. Die seien mit rund 4000 Euro pro Abend einfach viel zu teuer.
Im Saal wurde bereits schmerzlich die dringend notwendige technische Ausstattung vermisst. Kautter: „Die Miete frisst in ein paar Monaten mehr Geld als die Neuanschaffung kosten würde. Das muss politisch noch mal diskutiert werden.“
 Zu den großen Gewinnern der Kub-Hauptnutzer gehören Alireza Zaré und die Musikschule. Statt fünf hat er jetzt zehn Unterrichtsräume, 90 Prozent des Unterrichts findet zentral im Kub statt und nicht mehr verteilt über die ganze Stadt. „Wir fühlen uns hier wohl“, schwärmt der Musikschulleiter: „Das Gebäude macht neugierig, es lädt ein.“ Jeden Monat veranstaltet die Musikschule einen Instrumentenworkshop.  „Ich musste dafür immer einen Raum suchen. Das war schon sehr mühsam“, verrät er: „Das ist jetzt viel einfacher und selbstverständlicher. Nun kann ich diese Kraft anders verwenden.“  Alireza Zaré ist überzeugt: „Das Kub ist ein Leuchtturm. Wir müssen ihn zum Leuchten bringen.“ Das will er zum Beispiel mit einem Tanzworkshop machen. „Wir tanzen die Architektur des Gebäudes, wir werden alle Räume benutzen“, kündigt der Musik-Pädagoge an.
 Die Mitglieder der Oldesloer Bühne sind überzeugt, das große Los gezogen zu haben. „Wir haben endlich alles unter einem Dach. Das ist einfach genial“, freut sich Peter Stoll, stellvertretender Vorsitzender. Innerhalb des Vereins führe das zu ganz neuen Verbindungen. „Wir haben jetzt Jugendliche in der Technik-Gruppe“, schwärmt Vorsitzende Heike Gräpel: „Die haben sich ja vorher nie gesehen, wurden gar nicht wahrgenommen.“ Es fehlte die gemeinsame Basis. Die einen probten im „Keller“ an der Olivet-Allee, die anderen in der Kita am Rümpeler Weg, Maske, Bühnenbau, Lager ... alles verstreut. „Das gibt einen stärkeren Verbund“, ist Ralf Denert überzeugt.

  Und dann die Außenwirkung des Probengebäudes mit der großen Glasfront hinter dem ehemaligen Gericht. Heike Gräpel: „Wir arbeiten jetzt quasi öffentlich. Hier ist eigentlich immer jemand von uns. Die Leute sehen uns, die gucken durch die Scheibe, kommen auf einen Kaffee rein.“ Aber mit dem Kub kamen auch Veränderungen. In der Festhalle spielten die Darsteller im Idealfall vor 440 Zuschauern. Jetzt im neuen Saal sind es maximal 140. Die Laienschauspieler stehen also viel öfter auf der Bühne. Das sei aber kein Stress. Jetzt sei der Kontakt zum Publikum viel enger, der technische Aufwand geringer, alle können gut sehen und hören.
 Viele Jahre hat Ralf Denert für die Oldesloer Bühne für ein eigenes Probengebäude gekämpft. Jetzt ist es Wirklichkeit. Für ihn kein Grund, sich entspannt zurück zu lehnen. Auf die Bühne zieht es ihn nicht mehr, aber er macht sich für neue Projekte stark. „Jahresversammlung, Premierenfeier, Spieleressen – das machen wir alles hier. Aber warum nicht auch eine Silvesterfeier oder einen monatlichen Jazz-Frühschoppen?“, spinnt er die nächsten Visionen. Bislang lässt der Brandschutz das nicht zu, doch das hält ihn nicht ab: „Kommt Zeit, kommt Rat“, zeigt er sich zuversichtlich.
 Klangstadt, beziehungsweise der „Verein Klngstdt“, sind die Punks, die Rocker, die Anarchos unter den Hauptnutzern im Kub. „Der Saal hat es dringend nötig, dass da mal was Anarchisches passiert. Der hat doch die Ausstrahlung eines Blatts Papier. Das wahnsinnig Nüchterne muss gebrochen werden“, befindet Christian „Bernd“ Bernardy.

  Natürlich soll nicht wirklich was kaputt gemacht werden. Es wird mit Deko gearbeitet, mit Klamauk, Spontaneität und Brüchen. Mehr als 30 Termine hat sich Klangstadt für das kommende Jahr reserviert. An 14 Veranstaltungen waren sie bislang beteiligt. „Davon waren fünf, sechs echt große Erfolge“, zählt Patrick Niemeier auf: „Zwei waren echte Flops – aber alles gut besetzt. Es sieht ja manchmal so aus, als würden wir hier hauptamtlich arbeiten. Wir machen das alles ehrenamtlich und buttern auch noch zu.“ Der kleine, junge Verein finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge. Große Sprünge sind damit nicht möglich. „Die finanzielle Lage ist angespannt“, sagt Patrick Niemeier.

 Im Innern des Kub wird viel genetzwerkt, es entstehen neue Projekte, wenn man sich auf den Fluren begegnet. Aber es knirscht auch. Christian Bernardy: „Wir mussten erst mal klar machen, dass wir keinen brauchen, der bei uns den Boden saugt. Das gab richtig Streit. Die Strenge hier – damit habe ich nicht gerechnet.“ Sein Vereinskollege Niemeier ergänzt: „Der gegenseitige Besuch von Veranstaltungen könnte durchaus größer sein.“
 Karin Linnemann ist seit 1999 Leiterin der Volkshochschule. „Die Königstraße war mein Haus“, sagt sie: „Da hat man dann nicht mehr so den offenen Blick für das, was besser sein könnte.“ Die Lage an der Königstraße sei schon zentral gewesen. „Trotzdem fühlt es sich jetzt so an, als seien wir vom Rand in der Mitte angekommen“, schildert sie ihre Empfindungen.
1800 Kursteilnehmer kommen jede Woche in die VHS. Rund 150 Dozenten bieten ihre Kurse an. „Es läuft. Es ist überall Betrieb drin“, sagt die VHS-Leiterin. Das Zusammenspiel der Hauptnutzer sei eine Bereicherung.
 Als Karin Linnemann nach der Eröffnung ihren ersten regulären Arbeitstag im Kub hatte, kam sie über den Marktplatz auf das Gebäude zu. Sie erzählt: „Ich hatte Gänsehaut von oben bis unten. Das Gebäude hat Größe, es hat Weite und ein sehr schönes Entré. Da ist ein großer Wurf gelungen.“



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