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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 18:06 Uhr

Jubiläum : 100 Jahre Königin-Luise-Schule

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Am 16. Oktober 1913 wurde in Bad Oldesloe die Königin-Luise-Schule als „Höhere Mädchenschule“ eingeweiht

„Ich habe immer gehofft, dass ich dieses Schuljubiläum noch erleben werde“, sagt Klaus Petzinna. Der Oldesloer war der letzte Schulleiter der Königin-Luise-Mittelschule in der Olivet-Allee. Mit nunmehr 91 Jahren ist er nur neun Jahre jünger, als „seine“ Schule, die 1913 als „höhere Mädchenschule“ feierlich eingeweiht wurde. Das „höhere“ bezog sich dabei nicht unbedingt auf die Qualität des Unterrichts, sondern auf die „höheren Stände“, aus deren Familien die Mädchen an die Schule kamen.

Benannt wurde der neue, prächtige Schulbau in der Grabauer Straße (jetzt Olivet-Allee) nach Luise Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, Königin von Preußen (1776 bis 1810). Das Datum der Einweihungsfeier am 16. Oktober 1913 wurde ganz bewusst gewählt, nämlich genau an dem Tag, an dem vor 100 Jahren auf der Leipziger Ebene die Völkerschlacht begann. Dies mag auch ein Hinweis auf den für Oldesloe ungewöhnlichen preußischen Namen sein. Sie war die erste Schule in Bad Oldesloe, die nach einer Frau benannt wurde, was auch auf die Bestimmung als Mädchenschule hinweist. 40 Schülerinnen konnten in drei Klassen in die neue Königin-Luise-Schule einziehen. Bereits ein Jahr später besuchten 178 Mädchen in neun Klassen die Schule. Sie wurden von zehn Lehrkräften, wie z.B. Oberlehrer Lämpe und Dr. Best, unterrichtet. Bad Oldesloe hatte damals gerade mal 6000 Einwohner.

Die Erbauer der KLS versprachen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem „modernen“ Haus ein angenehmes Lernklima und damit für die Schülerinnen Lust am Lernen. Dennoch gab es zunächst Proteste von Seiten der Bürger, die Schule an der „staubigsten Straße Oldesloes“ zu errichten. Allerdings lag sie damit glücklicherweise in unmittelbarer Nachbarschaft der Oberrealschule für Jungen, das 1909 seiner Bestimmung übergeben wurde. Aber erst in den 20er Jahren durften dort auch einige Mädchen der KLS die Oberstufe der Oberrealschule besuchen, um dort ihr Abitur zu machen. „Damals mussten alle Schüler noch Schulgeld bezahlen. Die Lehrer wurden von der Stadt bezahlt“, erinnert sich Walter Busch, der damals als Pennäler die Oberrealschule (heutige TMS) besuchte und von 1964 bis 1981 an der Königin-Luise-Schule unterrichtete.

In der „Festgabe zur Einweihung der Königin-Luise-Schule am 16. Oktober 1913“ ist - in der damals üblichen, etwas schwülstigen Schreibweise - zu lesen:

„Man darf gewiss mit Recht sagen, dass der Bau die gesunde Mitte hält zwischen einem Prunkwerk und einem schablonenmäßigen Schulbau. Wohnlich, licht und freundlich zeigen sich die breiten, hellen Gänge, die schönen Räume; ihre ordnungsmäßige Ausstattung gewährt die Möglichkeit eines anschaulichen Unterrichts. Die ruhige, verkehrsferne Lage des Baus, der umweht ist von stärkendem Wind, umflutet von einer Fülle von Licht; der ausgedehnte Spielplatz, der zum erfrischenden Tummeln einladet; alles dies wird dazu beitragen, die Gesundheit unserer Jugend zu fördern. Der schöne Schulsaal wird das Gemüt andächtiger stimmen, die Behaglichkeit der Räume wird den Sinn heiterer, das Herz fröhlicher machen; die Arbeit wird leichter sein, und der Jugend werden sich die Tage verschönen, dass die Erinnerung an die goldene Schulzeit wie ein Schatz gepflegt werden kann, dem man Stärke, Frische und Freudigkeit entnimmt.“

Die höhere Bildung der Mädchen in Bad Oldesloe ging auf eine Privatinitiative zurück, nachdem Stadtschul-Rektor (seit 1802) Dr. Rode den Kantor Reimers zu einem Privatkursus für Mädchen angeregt hatte. Dieser Kursus für Mädchen war der erste Versuch, Oldesloer Mädchen eine Bildung zu vermitteln, die über den gewöhnlichen Rahmen hinaus ging. Denn höhere Mädchenbildung war anfangs keine staatliche Aufgabe. Allerdings hat sich der Staat der Bildung von Jungen schon sehr viel früher angenommen. „Die Mädchen lernten an der höheren Töchterschule ein bisschen Französisch und sehr viel Handarbeit, denn sie sollten ja also zukünftige fleißige Ehefrauen den Haushalt führen und ihren Mann gut unterhalten können. Als Berufe kamen höchstens Klavier- und Gesangslehrerin oder Gouvernante in Frage“, erzählt Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander.

Nach dem Tod von Kantor Reimers siedelten sich Anfang der 40er Jahre zwei Schwestern in Oldesloe an, Töchter eines Hamburger Kaufmanns, der in den Wirren der Franzosenzeit sein Vermögen verloren hatte. Die Schwestern eröffneten an der Hude (im Rodeck’schen Haus) eine Privatschule. Es kamen dort bis zu 40 Mädchen zusammen, die in drei Klassen unterrichtet wurden, u.a. von einer Handarbeitslehrerin und einem Lehrer der Stadtschule für Religion und Rechnen. Später wurden auch einige Knaben zur Vorbereitung angenommen. Diese Sievertsche Schule wurde Ende der 1860er Jahre an Fräulein Eckhardt verkauft und erhielt Konkurrenz, als der frühere Pastor Leue seiner Privatknabenschule auch eine höhere Mädchenschule angliederte.
Dieser Wettbewerb der Privatschulen endete schließlich mit der dauernden Trennung der Jungen und Mädchen.

1867 wurden schließlich beide Privatschulen von Lehrer Winter vereinigt, die Schule (Winter’sche Schule) blieb bis 1905 in Privatbesitz seiner Ehefrau in einem Haus in der Königstraße. Die Schule hatte drei Klassen mit bis zu 50 Schülerinnen und beschäftigte vier Lehrkräfte, zeitweilig auch Hilfskräfte. 1906 beschloss der Magistrat das alte Schulgebäude zu kaufen und eröffnete drei Jahre später dort eine städtische höhere Mädchenschule, die von 84 Schülerinnen besucht wurde. Als Leiterin wurde Fräulein Gutzeit aus Heidelberg berufen, der vier Lehrerinnen zur Seite standen.

Die große pädagogische Reformbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte zusammen mit dem Wunsch, an der neuen literarischen Bildung teilzuhaben, eine größere Anzahl von Mädchenschulen mit höherem Bildungsziel überall im Land hervorgerufen. Auch wenn sie fremdsprachlichen Unterricht aufnahmen, so blieben sie doch in Mathematik und Naturwissenschaften weit hinter den höheren Bürgerschulen für Knaben zurück. Doch schon bald musste wegen „Unzulänglichkeiten des Schulhauses in jeder Beziehung“ ein Neubau ins Auge gefasst werden. Im April 1911 wurde vom Schulvorstand beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, den Kollegien eine Bauvorlage zu unterbreiten. Nachdem noch 1911 die städtischen Kollegien den Bau im Prinzip beschlossen hatten, fand 1912 ein Bauplan die Genehmigung der Königlichen Regierung, der dann auch umgesetzt wurde.

Bis 1942 blieb sie reine Mädchenschule, auch wenn sie 1930 aus Kostengründen mit der Oberrealschule für Jungen verbunden wurde, denn aufgeschlossene Bürger strebten für ihre Töchter ein Bildung an, die der ihrer Söhne gleichwertig sein sollte. Im Jahr 1942 wurden erstmals elf Jungen an der KLS aufgenommen. Das allerdings bedurfte erst der Zustimmung der Stadtverwaltung und der Genehmigung durch den Regierungspräsidenten in Kiel. Am 13.1.1946 wurde der Unterricht nach dem Krieg in der nunmehr gemischten Mittelschule wieder aufgenommen. Bald schon wurden wegen der sprunghaft gestiegenen Schülerzahlen wieder Bauforderungen an die Stadt gestellt. Um dem Schichtunterricht ein Ende zu bereiten, musste der Bau 1954 um vier Klassenräume erweitert werden. 1965 kam Klaus Petzinna von Dithmarschen nach Bad Oldesloe und wurde Schulleiter der KLS. Der gebürtige Ostpreuße, der eigentlich nie Lehrer, sondern Ingenieur werden wollte, hatte es dort nicht immer leicht. „Anfangs war es sehr schwer und ich war oft kurz davor, alles hinzuschmeißen“, erinnert sich der 91-Jährige.Irgendwann platzte die Schule aus allen Nähten, so dass neu gebaut werden musste. 1971 wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Grabauer Straße ein Neubau der Realschule mit 24 Klassen (heutige Ida-Ehre-Schule) eingeweiht. „Wir sind damals mit 25 Klassen eingezogen, der neue Bau war also schon von Anfang an zu klein“, erzählt Klaus Petzinna, der die Realschule, die erst nach zehn Jahre „Dietrich-Buxtehude-Schule“ getauft wurde, bis 1987 leitete. Das alte Gebäude der Königin-Luise-Schule wurde zurückgelassen, ebenso der Name. Das kurze Zeit leerstehende Gebäude kam zur Theodor-Mommsen-Schule, die ihre Raumnot deshalb mal nicht durch einen Neubau lösen musste. Die Königin-Luise-Schule bestand also nur 58 Jahre lang als eigenständige Schule. „Diese Schule hat alles überstanden und sieht auch noch fast genauso aus, wie vor 100 Jahren“, so Klaus Petzinna.



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erstellt am 12.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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