Andreas Olbertz. von
06. Juni 2014, 17:48 Uhr

Augen auf

So ein Blindenstreifen ist ja eine feine Sache. Durch die Riffelung oder Noppen fühlt der Sehbehinderte: Hier ist was. In Grabau ist so beispielsweise die neue Bushaltestelle kenntlich gemacht. Als Sehender kann man sich nur wundern, dass mitten in diesen Bodenindikator das Haltestellenschild mit Fahrplan gebaut wurde. Vorher stand der etwas außerhalb. „Hier bist du auf der richtigen Spur“, denkt der Blinde eben noch und autsch … ist er gegen den Mast gelaufen. Das ist doch gewissermaßen vorhersehbar. „Nein, nein“, kommt von Amtswegen Widerspruch. Kein Schildbürgerstreich, keine böse Falle, sondern Vorschrift. Und wie bei quasi allen Vorschriften, die einem besonders blödsinnig vorkommen, wird noch hinzugefügt: EU-Vorschrift! Wenn der Blinde erst mal gegen den Fahrplanmast gelaufen ist, weiß er, dass irgendwo die Eingangstür vom Bus sein müsste. Kann ja kein Laie wirklich prüfen. Wer den Krümmungsgrad von Gurken per Gesetz regeln will, dem traut man auch zu, Hinweisschilder mitten in Aufmerksamkeitsstreifen zu setzen. Aber angeblich soll die Gurkenvorschrift ja eine moderne Legende und nicht echt sein. Vielleicht verhält es sich mit der Regelung für die barrierefreie Gestaltung von Bushaltestellen genau so. Das würde erklären, warum andernorts mit so genannten Einstiegsfeldern der Bereich der vorderen Bustür kenntlich gemacht wird. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich dazu mit spitzer Feder auch so seine Gedanken gemacht.

Drückt ein Auge zu

Es ist gar nicht hoch genug zu bewerten, was die Feuerwehren bei ihren brandheißen Einsätzen tagein, tagaus leisten. Alles ehrenamtlich für das Gemeinwohl: Hut, besser, Helm ab! Da kann eine Abkühlung nicht schaden. Da ist die Cold Water Challenge – die Kalt-Wasser-Herausforderung untereinander – eine willkommene Abwechslung. Aber sofort schrillen beim Landesfeuerwehrverband die Alarmglocken und Hardliner fordern: „Komplett verbieten!!“ Rückendeckung erhalten diese „Spaßbremsen“ zu allem Überfluss von der Hanseatischen Feuerwehrunfallkasse, die den Wettstreit der Wehren ebenso anprangert und als reine Spaßveranstaltung abkanzelt: „Klamauk ist nicht versichert.“ Nur beim Einsatz und beim Übungsdienst seien Feuerwehrleute versichert. Das ist richtig. Richtig ist auch, dass einige Wehren bei ihren Wasserspielen übers Ziel hinausgeschossen sind. Aber zu behaupten, die Challenge verursache einen Imageschaden, wo genau das Gegenteil der Fall ist: Mann-o-Mann … Noch nie hatten die Feuerwehren so viel Aufmerksamkeit wie heute. Das beweisen die Klickzahlen der You-Tube-Videos im Internet. Von einem Imageschaden kann also keine Rede sein. Klar muss die Gefahr beim Wettstreit auf ein Minimum reduziert sein. Aber ihn deshalb gänzlich zu verteufeln, ist mit Sicherheit das falsche Signal. Da lobe ich mir Stormarns Kreisbrandmeister Gerd Riemann, der mit Augenmaß argumentiert: „Ein Verbot von mir an die Wehrführer entbehrt jeder Grundlage. Für die Wehren ist der jeweilige Wehrführer verantwortlich. Allerdings darf man niemanden in Gefahr bringen.“ Leuchtet ein. Wenn der jeweilige Wehrführer darauf ein Auge hat, sollte es zum Spaß weiter heißen: Wasser marsch!
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