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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 11:38 Uhr

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für mehr Zurückhaltung



Zu: Gastkommentar von Dr. Gerold Rahmann

Professor Rahmann kennt sich doch mit der Landwirtschaft aus. Dann weiß er auch, dass die Bauern nicht durch Steuergelder „reich gemacht“ werden. Der Strukturwandel spricht da eine ganz andere, eine brutale Sprache, die er offenbar nicht versteht. Auch könnte Herr Rahmann wissen, dass der Knickschutz mit der Neuregelung eindeutig schärfer gefasst wurde und den Bauern ohne Gegenleistung erhebliche Flächen entzieht. Das kann man wollen. Aber dann soll man nicht klagen, dass kleinere Strukturen wieder einmal besonders belastet werden. Denn Knicks umranden vornehmlich kleinere Flächen. Dort, wo also bereits Artenvielfalt gepflegt wird, verschärft man die Anforderungen.

Herr Rahmann klagt zugleich, dass besonders große Strukturen mit EU-Geldern gepäppelt würden. Da steht die Alltagslogik der Parteipolitik eindeutig im Wege. Aber was für einen Wert hat schon die Wahrheit, wenn es darum geht, den von Umfrageergebnissen gebeutelten Parteigenossen zu helfen? Etwas mehr Anstand und Ehrlichkeit, vielleicht auch etwas mehr politische Zurückhaltung als Beamter, das wäre doch ein Versuch, Herr Rahmann!


Institut ohne Ergebnis



Herr Rahmann leitet das Institut für Ökologischen Landbau, leider bisher ohne jedes Ergebnis für die Schleswig-Holsteinische Landwirtschaft. Er verdient sein sehr hohes Professorengehalt mit dem Versuch die Welt etwas ökologischer zu machen. Vom hohen und sicheren Sessel des Institutsleiters lässt es sich offensichtlich trefflich moralisieren. Wer ist Herr Rahmann, dass er dem Bauernverband vorwirft, dieser verlasse „die gute Sitte einer sachlichen Auseinandersetzung“? Einen Absatz zuvor fragt Professor Rahmann selbst, warum die Bauern gegen seine Partei protestieren. Er nennt die Begriffe „Drogenhandel im Stall“, „Qualzucht“ und „Massentierhaltung“ - damit hat er den Boden jeder sachlichen Diskussion verlassen. Erst kürzlich hatte ein anderer Professor den Bauern im Auftrag der Grünen Qualzucht vorgeworfen und handelte sich damit den Spott seiner Professorenkollegen ein. Die Studie verdiente ihren Namen nicht, glich vielmehr einem Gefälligkeitsgutachten. Herr Rahmann, warum dieser überhebliche Stil gegenüber unserem Bauernverband, der praktisch alle Landwirte im Lande vertritt?


Weltbild auf den Kopf gestellt



Sehr geehrter Herr Rahmann,

>die mit Steuergeldern reich gemachten Bauern
> unsachliche und aggressive Aktionen der Bauern
>permanent gepredigtes Hungertuch der Bauernschaft:

Sie stellen mein ethisches und moralisches Weltbild völlig auf den Kopf. In der Schule hat unsere hervorragende Deutschlehrerin uns Schülern vehement vermittelt, dass nicht verallgemeinert wird, dass es nicht heißt: die Lehrer, die Ärzte, die Beamten...

Meine Eltern haben in ihrer Erziehung großen Wert auf Toleranz, Respekt, Offenheit, und Dialogbereitschaft gelegt. Wichtige Tugenden. Es gibt viele verschiedene Meinungen, Lebensformen, Einstellungen. Alles miteinander formt eine Gesellschaft. Und nun bei Ihnen schlichte Einteilung in Gut und Böse einer ganzen Berufsgruppe. Keine Bereitschaft zum Miteinander, sondern ein „Abstempeln“.
Einen verantwortungsvollen Institutsleiter stelle ich mir anders vor.

Ins Abseits gestellt



Als Schweinehalter bin ich jetzt Drogendealer, Qualzüchter, Massentierhalter, Knickvernichter. All dies in einem Satz genannt ist das, was ich empfinde, wenn ich die Äußerungen von Gerold Rahmann im Stormarner Tageblatt lese.

Meine Familie und ich werden ins gesellschaftliche Abseits gestellt. Man unterstellt mir, dass ich Gesetze nicht einhalten würde, Tiere quäle und mit Millionensummen von der EU alimentiert werde. Auf meinem Betrieb, den ich zusammen mit meinem Sohn und einem weiteren Mitarbeiter führe, haben wir im vergangenen Jahr 6000 Euro Ausgleichszahlungen erhalten. Man kann also nicht durch EU-Subventionen reich werden. Außerdem werden bei uns einzelne kranke Tiere nach Recht und Gesetz und den Vorgaben unseres Tierarztes behandelt, damit sie gesunden und Schmerzen vermieden werden.

Gerade ein Wissenschaftler und Institutsleiter im öffentlichen Dienst sollte hier, auch oder gerade im Wahlkampf, sachlich bleiben, anstatt längst zugeworfene Gräben zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft wieder zu öffnen und tiefer zu graben.

Aber dies alles scheint den Professor nicht zu interessieren. Er hält es für gute Sitte, die Landwirte zum politischen Gegner zu erklären und persönlich zu diffamieren. Anstatt Forschungsergebnisse zu präsentieren, ergeht sich dieser Professor in einer Selbstdarstellung. Man denke nur an den Auftritt im Eisbärenkostüm im Kreistag.

Aber nicht solche albernen Auftritte treiben mich auf die Palme, sondern pauschale Angriffe gegenüber uns Landwirten, wir seien Gesetzesbrecher und würden die zuständigen Sachbearbeiter auf unsachliche und aggressive Art angreifen. Es ist erstaunlich, wenn Herr Rahmann behauptet, dass es seit 2007 keinen Knickschutzerlass mehr gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Der vorher gültige Erlass schützte den Knick sehr gut, gab den Behörden die Möglichkeit, bei Verstößen zu handeln, und ließ den Landwirten Spielraum zu einer flexiblen und ordnungsgemäßen Pflege. Welch demokratisches Verständnis steckt dahinter, wenn hier kritisiert wird, dass Landwirte den Spitzenkandidaten der Grünen auf Wahlkampfveranstaltungen auspfeifen? Ist dies nicht gutes Recht für alle im Rahmen der politischen Auseinandersetzung, oder steht die nur den Grünen zu? Die versuchen sich ja als Bevormundungs- und Verbotspartei zu profilieren. Ich kann nur hoffen, Herr Rahmann, dass Sie mit Ihrer Politik keinen Erfolg haben.

Gerd-Wilhelm Nuppenau,


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