Mit Kommentar : See-Umfeld: SPD Tornesch rudert zurück

Visualisierung: So könnte der See aussehen.
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Visualisierung: So könnte der See aussehen.

Tornescher Sozialdemokraten wollen den Verkehr nun doch über den geplanten Platzbereich führen. Posse um Einladung für Architektin.

shz.de von
17. Januar 2018, 16:00 Uhr

Tornesch | Während der jüngsten Bauausschusssitzung ist der Beschluss zum Rahmenkonzept samt Baufeldübersicht für „Tornesch am See“ erneut vertagt worden. Grund war unter anderem ein Sinneswandel der SPD, die nun doch Pkw-Verkehr auf dem am westlichen Seeufer geplanten Platzbereich zulassen möchte. In der Dezembersitzung hatten sich die Fraktionen noch auf eine Umfahrung über Baumschulenweg und Schäferweg verständigt.

Bevor am Montag überhaupt der Tagesordnungspunkt zu „Tornesch am See“ erreicht war, stand ein leerer Platz an den Tischen von Politik und Verwaltung im Mittelpunkt der Diskussion. Diesen hätte laut SPD eigentlich Landschaftsarchitektin Ursula Zumholz (kleines Foto) einnehmen sollen. Doch Ausschussvorsitzender Henry Stümer (CDU) hatte Zumholz nicht offiziell eingeladen. SPD-Vertreter Manfred Mörker sprach von einem „Skandal“. Seine Fraktion habe in der vergangenen Sitzung deutlich gemacht, dass das Büro Zumholz mit der Planung des Seeumfelds beauftragt werden solle. Doch die Landschaftsarchitektin habe nicht nur keine Einladung sondern auch keine Unterlagen bekommen. „Ich bin ziemlich verärgert“, sagte Mörker.

Stümer betonte hingegen, dass es keinen Beschluss für einen Auftrag an das Büro Zumholz gegeben habe. Zudem basiere das im Vorwege der aktuellen Sitzung von der Verwaltung erarbeitete Konzept auf den Ausarbeitungen der Landschaftsarchitektin. Des Rätsels Lösung wurde schließlich gefunden, nachdem SPD-Fraktionschefin Verena Fischer-Neumann, die Gast der Sitzung war, berichtete, dass sie Bürgermeister Roland Krügel (CDU) darum gebeten habe, Zumholz zu der Sitzung einzuladen und Stümer eine entsprechende Mitteilung zukommen zu lassen. Krügel gestand ein, dies vergessen zu haben. „Das ist irgendwo hängen geblieben“, entschuldigte sich der Rathauschef. Kurios: Während der gesamten Diskussion saß Zumholz im Publikum. Mit den Stimmen der SPD wurde sie schließlich offiziell in den Ausschuss eingeladen und durfte sich nach vorne setzen.

Architektin möchte den Knick erhalten

Die Landschaftsarchitektin hatte so die Gelegenheit, ihre Pläne, die maßgeblich für den Sinneswandel der SPD verantwortlich waren, selbst vorzustellen. Zumholz betonte, der Schäferweg sei für eine Umfahrung deutlich zu eng. Sie warnte zudem eindringlich davor, den dort befindlichen Knick zu entfernen. Er diene nicht nur als natürliche Trennung zu den nördlich gelegenen Geschäften, sondern biete dank zahlreicher Pflanzen und Kleinstlebewesen auch ein hohes Maß an Genpotenzial. „Für mich ist es zwingend, dass man diese Struktur erhält“, sagte Zumholz. Für sie kommt deswegen eine wie von der CDU vorgeschlagene Umfahrung über Baumschulenweg und Schäferweg nicht in Frage. Stattdessen plädierte die Landschaftsarchitektin dafür, den Ohlenhoff für den Verkehr zu beruhigen aber grundsätzlich für Pkw und Lkw offen zu halten. Dieser Meinung schlossen sich die Sozialdemokraten an, die damit von ihrer im Dezember erteilten Zustimmung für eine Umfahrung abrückten. „Ich sehe mit den 1600 Fahrzeugen pro Tag keine Probleme“, betonte SPD-Vertreter Artur Rieck. Die Zahl hatte eine Verkehrsuntersuchung für den Bereich Ohlenhoff prognostiziert. Für die CDU-Fraktion machte Stümer deutlich: „Eine Überfahrung des Platzbereichs ist für uns nicht zustimmungsfähig.“

Die Tornescher SPD hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Kontakt zu Zumholz. Am vergangenen Freitag gab es zudem ein Treffen von Zumholz, Krügel und Henning Tams vom Bau- und Planungsamt. Am Montagnachmittag lag schließlich der von der Landschaftsarchitektin überarbeitete Entwurf vor. Die CDU-Vertreter fühlten sich am Montagabend von den neuen Plänen sichtlich überrumpelt. „Ich finde es ein Unding, die SPD hat sich über diesen Plan mit Frau Zumholz schon beraten. Das ist keine Gleichbehandlung“, sagte Heide-Marie Plambeck. Nach einer 15-minütigen Sitzungsunterbrechung beantragte die CDU-Politikerin eine Vertagung auf die Bauausschusssitzung am 5. Februar. Dem stimmten die übrigen Ausschussmitglieder zu.

Eine Nummer zu groß?

Ein Kommentar von Philipp Dickersbach

„Das ist ja mal ein Mammutprojekt für eine Stadt wie Tornesch.“ Diesen Gedanken hatte ich als erstes, als ich mich vor gut einem Jahr erstmals intensiv mit Tornesch am See beschäftigt habe. Keine Frage, die Vorstellung eines idyllischen Gewässers samt Naherholungsgebiet, Gastronomie und Platzbereich klingt verlockend.  Doch nach wie vor herrscht in vielen Punkten Unklarheit.

Und nach der jüngsten Sitzung scheint man einer Lösung für zentrale Fragen wie die Verkehrsführung oder die genaue Seegestaltung nicht näher. Und dann sind da ja noch die Kosten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Rechnung am Ende teurer wird  als gedacht − zumal unklar erscheint, welche Folgekosten ein so großes künstliches Gewässer verursacht. Vielleicht ist das Projekt doch eine Nummer zu groß für eine 13000-Einwohner-Stadt? Gern lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen.

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