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Rader Hochbrücke : Schutzengel in Polizei-Uniform

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hauptkommissar Jörg Schmidt rettete einem Kollegen das Leben, der im Einsatz an der Rader Hochbrücke einen Herzinfarkt erlitt.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 10:13 Uhr

Der Ruf kommt um 20.54 Uhr: „Notfall an der Rader Hochbrücke.“ Am 3. November dieses Jahres ist Jörg Schmidt auf Nachtstreife. Der 51-jährige Hauptkommissar von der Dienststelle in Schacht-Audorf befindet sich mit einem Osterrönfelder Kollegen auf der B202 auf Höhe der Eisenbahnbrücke. Eineinhalb Minuten später sind die beiden Polizisten vor Ort – und werden einem Kollegen das Leben retten. „Wir hatten Glück, dass wir gerade in der Nähe waren“, sagt Jörg Schmidt rückblickend: „Jeder andere Kollege hätte dasselbe getan.“

Am Abend des 3. November ist ein Beamter aus Eutin, Jahrgang 1958, gemeinsam mit einer Kollegin aus Neumünster und einem Eutiner Polizisten an der A7 Fahrtrichtung Norden an der Rader Hochbrücke im Dienst und kontrolliert Lkw. Dann erleidet er plötzlich einen Herzinfarkt. Als Schmidt mit seinem Kollegen vor Ort eintrifft, haben Wenke Schmüser und Jan Siemund die Reanimation bereits eingeleitet. Schmidt löst die Neumünsteranerin bei der Mund-zu-Mund-Beatmung ab – erst direkt, dann per Beatmungsmaske, vier bis fünf Minuten lang. „Es war kein schönes Gefühl. So eine Situation ist enorm anstrengend, aber man entwickelt auch Kräfte, die man sonst nicht hat“, sagt Schmidt. Die vier Polizisten kämpfen nur wenige Meter von der stark befahrenen Autobahn entfernt um das Leben ihres Kollegen, dann treffen die Rettungssanitäter ein, übernehmen die Versorgung und bringen den Mann ins Rendsburger Kreiskrankenhaus.

Jörg Schmidt fährt anschließend erst auf die Rendsburger Dienststelle, später auch ins Krankenhaus. Dort erfährt er, dass sein Einsatz nicht vergebens war. „Der Notarzt sagte, dass unser Kollege ohne unsere Maßnahmen wohl verstorben wäre“, erzählt Schmidt. Der Notfall-Patient wird ins künstliche Koma versetzt. Die Nacht zum 4. November geht mit einem Gefühl der Ungewissheit zu Ende. Die Nachtstreife geht für Schmidt und seinen Osterrönfelder Kollegen, der namentlich nicht genannt werden möchte, noch bis 4 Uhr weiter, erst dann fährt er nach Hause. „Meiner Frau habe ich am nächsten Morgen davon erzählt, meinen beiden Söhnen erst, als klar war, dass der Mann durchkommen wird“, berichtet Schmidt. Denn Tage später kommt die Nachricht, dass der Eutiner auf dem Weg der Besserung ist. Hausieren geht Schmidt mit der erfolgreichen Lebensrettung nicht. Seinen Eltern erzählt er sogar erst vor wenigen Tagen davon – als er erfährt, dass er und die drei anderen Beamten offiziell belobigt werden.

Gesehen haben sich der Gerettete und die Lebensretter seit dem Vorfall nicht. Derzeit befindet sich der Eutiner Kollege in der Reha. „Direkt geplant ist ein Treffen noch nicht, aber es könnte sein, dass wir da Anfang des neuen Jahres etwas in die Wege leiten “, sagt Schmidt. Der gebürtige Ascheffeler hofft, dass auch andere Leute sich in einer ähnlichen Situation trauen, Erste Hilfe zu leisten, die über Leben oder Tod entscheiden kann. „Es ist wichtig, mutig zu sein. Denn nicht zu helfen, schadet in jedem Fall“, betont der Hauptkommissar, der erst seit Anfang September in der Schacht-Audorfer Dienststelle arbeitet. Und wer sich überfordert fühle, der könne zumindest weitere Helfer herbeiholen.

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