Starker Eisgang und Frost auf der Elbe : Schleuse Geesthacht für Schiffsverkehr gesperrt – Eisbrecher verlegt

Die Geesthachter Schleuse an der Elbe ist voll gesperrt. Zahlreiche Binnenschiffe stauen sich bereits.

Die Geesthachter Schleuse an der Elbe ist voll gesperrt. Zahlreiche Binnenschiffe stauen sich bereits.

Die Schleuse ist vereist und daher nicht im Einsatz. Acht Eisbrecher gehen in Hamburg in Bereitstellung.

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02. März 2018, 15:39 Uhr

Geesthacht | Nichts geht mehr für die Schifffahrt auf der Oberelbe: Aufgrund des überraschend starken Eisgangs und strengen Frosts muss die Schleuse bei Geesthacht ihren Betrieb einstellen. Das teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) am Freitag mit. Hintergrund: An den Schleusentoren lagert sich Treibeis ab, das beim Schleusenvorgang herunter fallen und die Besatzungsmitglieder treffen könnte. „Bisher haben wir von einem Eisbrecher aus diese Eisbrocken immer mit Wasser aus einem Schlauch abgespült, damit die Schiffe sicher in die Schleuse einfahren oder sie verlassen konnten, aber das geht jetzt bei diesen Temperaturen nicht mehr“, erklärte Andreas Schultz, der Leiter der Eisbrecherflotte des WSA.

Auf beiden Seiten der Schleuse stauen sich bereits zahlreiche Binnenschiffe, die das Bauwerk nicht passieren können und deshalb eine Zwangspause einlegen müssen. Jeder Tag Stillstand kostet die Schiffer etwa 1000 Euro Ausfall.

Das WSA hatte die Schleuse in den vergangenen Jahren umfassend sanieren lassen. Im Zuge der Arbeiten wurden auch neue Schleusentore eingebaut. Deren Konstruktion ist jetzt – anders als bei den alten Toren – so, dass sich das Eis auf der Außenhülle absetzt. Von dort könnte es abstürzen, es besteht Lebensgefahr. Bisher gibt es keine technische Lösung, dieses Problem zu beheben.

Eisbrecher gehen in Stellung

Das WSA hat am Freitagnachmittag acht Eisbrecher nach Hamburg verlegt. Dort sollen die Spezialschiffe in Bereitstellung gehen, um notfalls Eisbarrieren aufbrechen zu können, die sich aufgrund des starken Treibeisanteils bilden können. Zwei Eisbrecher bleiben oberhalb des Geesthachter Stauwehres liegen.

„Wir müssen die Schiffe vorsorglich verlegen, weil wir einen möglichen Eisaufbruch nur gegen den Strom starten können, damit das gebrochene Eis hinter uns abfließen kann“, erklärte Andreas Schultz, der Einsatzleiter der in Geesthacht stationierten Eisbrecherflotte. Theoretisch würden sich die Spezialschiffe bis Magdeburg durcharbeiten müssen, sollte die Elbe zufrieren, wenn das Treibeis zum Stillstand kommt. Das war zuletzt 1996 der Fall. Damals konnte man den Fluss zu Fuß überqueren. Würde man die Spezialschiffe jetzt nicht verlegen, kämen sie bei einer Eisblockade nicht an ihren Einsatzort.

Ein Teil der Geesthachter Eisbrecherflotte in der eigentlich gesperrten Schleuse: Die Spezialschiffe liefen Freitagnachmittag aus, um von Hamburg aus gegebenenfalls einen Eiaufbruch starten zu können.
Timo Jann
Ein Teil der Geesthachter Eisbrecherflotte in der eigentlich gesperrten Schleuse: Die Spezialschiffe liefen Freitagnachmittag aus, um von Hamburg aus gegebenenfalls einen Eisaufbruch starten zu können.
 

„Von der Heftigkeit, mit der sich auf der Elbe jetzt Eis gebildet hat, wurden wir überrascht“, räumt Andreas Dohms, der amtierende Leiter des WSA in Lauenburg, ein. Die WSA-Experten waren Anfang der Woche noch davon ausgegangen, dass die Wassertemperatur nicht kalt genug zur Bildung von Grundeis wäre, weil die Sonne tagsüber schon recht hoch steht. Das Grundeis bildet sich bei strengem Frost, steigt dann auf und treibt an der Wasseroberfläche als Schollen flussabwärts. Vier Nächte haben dafür ausgereicht, dass der Fluss zum Großteil mit Schollen bedeckt ist.

Ob die Eisbrecher auf der Elbe zum Einsatz kommen, ist noch unklar. Wenn sich in der kommenden Woche das Wetter milder zeigt, soll jedenfalls – sobald die Lage an der Elbe entspannt ist – der Eisaufbruch im Elbe-Lübeck-Kanal beginnen. „Solange bleibt uns nur abzuwarten und die Lage zu beobachten“, sagt Schultz. 2012 musste er mit seinen Kollegen erstmals in der Historie des Eisaufbruchs selbst nachts ran, was als besonders gefährlich gilt. Damals hatte sich eine massive Eisbarriere gebildet, die den Wasserablaufs gen Nordsee stark behinderte.

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