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Neue SN-Serie: So kocht die Welt : Zwischen Sauerkraut und Chicken-Curry

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Joyce Bartens-Hartrich wurde auf Mauritius geboren, wuchs in London auf und ist in Schleswig zu Hause – das alles spiegelt sich in ihrer Küche wider.

Menschen aus allen Ecken der Welt bereichern seit vielen Jahren das Leben in Schleswig und der Region. Wie sie hierher gekommen sind und welche Geschichten hinter ihnen stehen, bleibt jedoch oft im Verborgenen. Deshalb stellen die SN in einer neuen Serie Frauen, Männer oder auch ganze Familien vor, die ihre Wurzeln in anderen Ländern und Kulturkreisen haben und inzwischen hier eine neue Heimat gefunden haben. Wie kann das besser funktionieren als bei einem guten – und jeweils landestypischen – Essen? Den Anfang macht Joyce Bartens-Hartrich, die auf Mauritius geboren ist.

 

Ihr Lieblingsessen? Ganz klar: Königsberger Klopse! „Aber Sauerkraut oder Rinderbraten mit Klößen sind auch nicht schlecht“, sagt Joyce Bartens-Hartrich, während im Hintergrund eine CD ihres Lieblingssängers läuft: Udo Lindenberg. Den findet sie super, denn er erinnere sie an ihre Lieblingsstadt – Hamburg. Das sei ihre Heimat. Allerdings nur eine von vielen. Denn neben der Hansestadt an der Elbe trifft das auch auf London, Schleswig und – mehr als alles andere – die Insel Mauritius zu. Dort nämlich wurde sie vor 60 Jahren geboren. „Es ist das Paradies auf Erden. Nirgendwo ist das Meer so blau.“

Und nirgendwo anders habe sie bislang eine Esskultur erlebt, die eine so zentrale Rolle im Leben der Menschen spielt. „Das ist dort das A und O. Am besten zweimal am Tag warm – und zwar draußen mit der ganzen Familie.“ Ende September, am Herd der Einbauküche in ihrem Haus im Friedrichsberg klingt das alles sehr weit weg. Erst recht, wenn im Hintergrund der „Sonderzug nach Pankow“ läuft. Beim Blick in die brodelnden Kochtöpfe und Pfannen allerdings bekommt man durchaus eine Ahnung davon, wie sehr die Mauritianer, und insbesondere auch Joyce, ihr Essen lieben. Ungewöhnlich bunt sieht es da aus – und genau so riecht es auch. Frische Zutaten und Einflüsse sowohl von chinesischen als auch indischen Einwanderern zeichneten die landestypische Küche aus, erzählt sie, während sie ganz behutsam die Samosas, kleine gefüllte Teigtaschen, in das heiße Öl legt. Daneben köchelt eine scharfe Rote-Linsen-Suppe vor sich hin. Beides steht am Ende neben Kichererbsen-Bällchen, Fladenbrot (Paratha), Reis und Chicken-Curry auf dem Tisch. Der vertraut wirkende Gurken-Möhren-Salat daneben passt fast nicht ins Bild. Dafür aber umso mehr die Papayas in Streifen, die als Nachtisch gedacht sind. „Aber bei uns isst man nicht so streng nach der Reihenfolge: Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise. Man kann alles durcheinander essen, wie man es mag.“

Mindestens genau so abwechslungsreich und gut gewürzt, wie das Essen schließlich schmeckt, ist dann auch Joyce’ Geschichte. Als Sechsjährige, so erzählt sie, verließ sie mit ihrer Familie die Heimat und siedelte nach London um. Nachdem sie dort 1972 das College beendet hatte, nahm sie das Angebot an, in einem Hamburger Krankenhaus ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Allerdings wurde aus der nach einem Jahr geplanten Rückreise nichts. „Wie das Leben so spielt. Ein junges Mädchen trifft einen jungen Mann, der Rest bleibt der Fantasie überlassen.“ Später heiratete sie zwar einen anderen, Deutschland allerdings blieb ihr Zuhause. Erst recht, nachdem sie 1994 bei einem Kuraufenthalt im Taunus ihren jetzigen, zweiten Ehemann kennengelernt hat: Otto aus Schleswig. Hier sind die beiden längst zusammen sesshaft und glücklich geworden. So sehr sogar, dass Joyce zwei Wahlperioden lang für die CDU in der Ratsversammlung saß. „Als erste Ausländerin überhaupt“, wie sie betont.

Nur ihre Familie vermisst sie. Die wiederum ist – wie üblich bei den Menschen, die aus dem im Indischen Ozean gelegenen Inselstaat stammen – groß: Sie hat fünf Geschwister, die in Frankreich und – wie ihre Mutter – in England wohnen. Zwei Halbschwestern leben auf Mauritius, ebenso wie 30 Cousins und Cousinen. Ihr Sohn Yannik (26) ist in Hamburg. „Die würde ich alle gerne öfter sehen.“ Dieser Hang zur Geselligkeit sei übrigens typisch mauritianisch, sagt Joyce. „Ich habe gerne Besuch. Und dann koche ich in der Regel auch. Das ist meine Leidenschaft.“ Diese wiederum wissen inzwischen auch mehrere junge syrische Männer zu schätzen. Denn Joyce und Otto engagieren sich aktiv als Lotsen in der Flüchtlingshilfe. Anfangs hatten sie drei Schützlinge unter ihren Fittichen, heute sind es schon acht. „Einige von ihnen haben schon für uns syrisches Essen gemacht. Echt lecker!“ erzählt Joyce, die auch beruflich kocht. Allerdings läuft ihr befristeter Vertrag in der Jugendherberge bald aus. „Leider“, wie sie betont. „Denn ich möchte unbedingt weiter arbeiten.“

 

 

 

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erstellt am 26.Sep.2015 | 07:25 Uhr

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