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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 14:50 Uhr

Zwischen Image und Realität

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 14.Aug.2015 | 17:50 Uhr

Manchmal ist die Realität gar nicht so wichtig , auf das richtige Image kommt es an. Warum sonst wohl reisen noch so viele Menschen im Sommer nach Paris. Klar, sie wollen die Stadt der Liebe genießen, das Flair und die großen Sehenswürdigkeiten. Was sie bekommen, sind kilometerlange Warteschlangen vor den Kassen, hunderte von Kurzgesprächen mit Straßenhändlern und klaustrophobische Erfahrungen in der Metro. Die Menschen kommen trotzdem aus aller Welt. Wer Spaß an Widersprüchen zwischen Ruf und Realität hat, muss jedoch nicht nach Frankreich reisen – die gibt es hierzulande ausreichend.

Beispiel Süderbrarup: Der Heiligen Quelle werden in alten Schriften wundersame Heilkräfte zugeschrieben. Dass inzwischen nur noch Regenwasser heraustropft, stört die vielen Pilger nicht, die sich das kostbare Nass entweder literweise abfüllen oder mit verklärten Gesichtern und in wallenden Gewändern um die Pfütze tanzen. Natürlich wäre es sinnvoll, dort ein Schild aufzustellen, das die Realität beschreibt. Aber sollte man diese Menschen nicht doch lieber tanzen lassen? Vielleicht macht es sie glücklich, obwohl kein Radium im Wasser ist.

Beispiel Lindaunis: Ob die Brücke jetzt gerade funktioniert oder den Seglern den Weg versperrt, lässt sich nie so genau sagen. Und deshalb änderte sich ihr Ruf gerade – weg vom pittoresken aber verlässlichen Kuriosum, hin zum Ärgernis. Das Problem – sie ist unverlässlich. Und anders als in Paris können die Segler auf der Schlei sich nicht in eine beschauliche Seitenstraße verdrücken. Wenn zu ist, ist zu. Und weil sie nicht wissen, woran sie sind, meiden immer mehr Skipper die Schlei. Auch wenn die Brücke funktioniert – so ist das mit dem schlechten Ruf.

Beispiel Jübek: Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Diese Lebensweisheit aus dem reichhaltigen Fundus der Fußball-Philosophie gilt auch für das Jübek Open Air. Weil die Geschäfte ohnehin nicht mehr so prima liefen, verzichtete man im vergangenen Jahr auf eine kostspielige Ausfallversicherung. Dann folgten in der zeitlichen Reihenfolge des Geschehens: Regen, Sturm, Abbruch der Veranstaltung und Insolvenz.

Der Ruf der Veranstalter war plötzlich hin. Jetzt starten sie einen Neuanfang auf eigene Faust. Sponsoren, eigentlich unerlässlich für Veranstaltungen dieser Art, fanden sich nicht. Es scheint, als fürchteten die Geldgeber, das Pech der Veranstalter sei ansteckend. Das nennt man dann wohl einen schlechten Ruf.

Beispiel Maasholm: Angeblich meiden Segler den schönen Hafen, weil es dort keinen Geldautomaten mehr gibt – und sie nicht Bares abheben können, um Brötchen und gekühlte Getränke zu kaufen. Wie wäre es nun damit, sich nicht dem Schicksal zu ergeben, sondern etwas zu tun? Man könnte beispielsweise den Bäcker dabei unterstützen, ein Gerät zur Kartenzahlung anzuschaffen. Manchmal ist es ganz einfach, sein schlechtes Image aufzupolieren.

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