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Deutsche Bahn : Zweifel an der Statik: Behörden sperren Schleswiger Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Streit mit dem Gebäude-Eigentümer geht in die nächste Runde. Wie lange der Bahnhof gesperrt bleibt, ist offen.

von
erstellt am 15.Apr.2017 | 11:21 Uhr

Schleswig | Viele Reisende auf dem Weg in den Osterurlaub rätselten, als sie in Schleswig am Gründonnerstag plötzlich vor verschlossenen Bahnhofstüren standen. Sie rüttelten an den Griffen, probierten es links wie rechts, mit Drücken und Ziehen. Es war nichts zu machen. Alles war fest verriegelt. An dieser Situation dürfte sich auch über die Feiertage nichts ändern.

Wer vor Ort einen Hinweis darauf sucht, was los ist, muss lange suchen – und wurde mit etwas Glück in einem Außenfenster des Reisecenters der Deutschen Bahn fündig: „Aus baulichen Gründen bleibt das Reisecenter leider bis auf weiteres geschlossen“, steht dort auf einem kleinen Aushang. Die Schließung des Bahnhofsgebäudes ist ein neuer Höhepunkt im Streit zwischen dem Eigentümer der Immobilie und den Baubehörden.

Hintergrund: Der Schleswiger Bahnhof

Die Bahn AG hatte den Schleswiger Bahnhof vor vier Jahren für 182.000 Euro an einen  Unternehmensberater aus Baden-Württemberg verkauft. Der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, will aus dem Gebäude einen „Event-Bahnhof“ mit Gastronomie machen. Zur Eröffnung am 2. Dezember soll Showstar Micaela Schäfer auftreten. Ob der Termin zu halten ist, ist offen. Seit Monaten streitet sich der Investor mit dem Schleswiger Bauamt, das ihm bisher keine Baugenehmigung erteilt hat und weitere Unterlagen, unter anderem zur Statik des Gebäudes, verlangt. Auch der Denkmalschutz hat Bedenken. Im vergangenen Jahr begann der Eigentümer auch ohne Genehmigung mit seinen Arbeiten. Er argumentiert, dies sei zulässig, weil die Stadt seinen Genehmigungsantrag viel zu lange nicht beantwortet habe. Die Stadt und das Eisenbahnbundesamt sehen das anders. Seit Oktober gilt ein Baustopp. Im Februar wurden bereits Teile des Gebäudes versiegelt.

Nach Angaben der Bahn AG hat das Eisenbahnbundesamt die Maßnahme am Donnerstag gegen 11.30 Uhr verfügt. Eine offizielle Bestätigung der in Bonn ansässigen Behörde gab es dafür nicht mehr, bevor die dortigen Beamten in die Osterpause gingen. Antje Wendt, die Sprecherin der Schleswiger Stadtverwaltung, berichtete auf sh:z-Nachfrage, dass sich die städtische Bauaufsicht bereits Anfang April an das Eisenbahnbundesamt gewandt und „eine Schließung des Gebäudes nahegelegt“ habe. Am Donnerstag habe dann eine Mitarbeiterin der Bauaufsicht in Polizeibegleitung einen Kontrollbesuch auf der Bahnhofsbaustelle unternommen. Dabei sei man zufällig auf zwei Mitarbeiter der Bahn gestoßen, die das Gebäude verschlossen. Allerdings wurde nicht die komplette Immobilie abgeriegelt. Der Kiosk und die Bahnhofsmission, die jeweils über Nebeneingänge zu erreichen sind, bleiben geöffnet.

Nach Angaben der Stadtverwaltung befinden sich entkernte Kellerräume direkt unterhalb der Gebäudeteile, die bisher von der Bahn genutzt worden sind. Zudem streiten sich Bauamt und Gebäude-Eigentümer nach wie vor um die Statik.

Wie lange der Bahnhof gesperrt bleiben wird, ist offen. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis konnte am Donnerstag noch nicht sagen, wann es wieder möglich sein wird, am Schalter Bahntickets zu kaufen und ob die Bahn eine provisorische Verkaufsstelle einrichten wird. Auch einer der beiden Fahrkartenautomaten ist nicht mehr zugänglich. Er befindet sich in der Wartehalle. Derzeit ist nur noch der Automat in Betrieb, der direkt an der Straße außen am Gebäude angebracht ist.

Die Bahn empfiehlt ihren Kunden die Reisecenter in den Bahnhöfen von Flensburg, Eckernförde, Rendsburg und Husum sowie ihr Angebot im Internet. Außerdem könne man Fahrkarten auch direkt im Zug erwerben, so Meyer-Lovis. Er verweist auf eine ähnliche Situation vor anderthalb Jahren im Bahnhof von Preetz (Kreis Plön). Dort war derselbe Investor ebenfalls mit den Baubehörden in Konflikt geraten. Auch in Preetz wurde der Bahnhof deshalb gesperrt. Das Reisecenter der Bahn AG musste für mehrere Wochen geschlossen bleiben.

Der Bahnhofs-Eigentümer hat unterdessen auf Facebook angekündigt, dass sich nun eine spezialisierte Anwaltskanzlei aus Hamburg und Berlin mit „Blockadehaltung und Schikanen der Schleswiger Baubehörde“ befassen werde.

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