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Schleswig : Zweieinhalb Jahre Haft für Panzerknacker

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Brandstiftung und Diebstahl: Das Landgericht verurteilt einen 36-jährigen Ex-Schleswiger, der versucht hatte, den Sparkassen-Automaten im Friedrichsberg zu sprengen.

Schleswig | Licht und Schatten lagen dicht beeinander für den 36-jährigen Ex-Schleswiger, der im vergangenen Dezember versucht hatte, den Nospa-Geldautomaten im Friedrichsberg zu sprengen. Erst vor einer Woche wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Gestern nun sprach das Flensburger Landgericht das Urteil: Er muss erneut ins Gefängnis – wenn auch nicht sofort. Die Erste Große Strafkammer verurteilte ihn zu einer Freiheitsstraße von zweieinhalb Jahren wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Brandstiftung, Urkundenfälschung und Vortäuschen einer Straftat. Das Gericht entlastete ihn aber vom schwerwiegendsten Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft formuliert hatte: den versuchten Mord.

Die Ermittler waren davon ausgegangen, dass der Angeklagte das Leben der Menschen gefährdete, die über der Nospa-Filiale in der Bahnhofstraße schliefen, als er versuchte, den Geldautomaten zu sprengen. Deshalb hatte Staatsanwalt Lars Truknus vier Jahre und zehn Monate Haft gefordert.

Das Gericht hielt dem Angeklagten jedoch zu Gute, dass er den Versuch abbrach, bevor es zur Sprengung kam. Es ließ sich nicht klären, ob er sich aus eigenen Stücken dazu entschloss, ob es daran lag, dass der Sprengsatz nicht wie erhofft funktionierte oder ob er sich ertappt fühlte.

Der Vorsitzende Richter Michael Lembke sagte ihm: „Sie haben großes Glück gehabt, dass Sie Millimeter vor schlimmen Folgen die Kurve bekommen haben.“ Diesen Satz griff Strafverteidiger Andreas Mroß nach der Verhandlung auf: „Wenn man freiwillig vom Versuch einer Straftat zurücktritt, ist das kein Glück, sondern Einsicht.“ Deshalb kündigte er an, Revision gegen das Urteil einzulegen. Sein Ziel: eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. Die wäre möglich gewesen, wenn das Gericht statt auf zweieinhalb Jahre nur auf zwei Jahre Haft entschieden hätte.

Der Angeklagte war bisher nicht vorbestraft. Allerdings hatte er drei Wochen nach dem abgebrochenen Versuch im Friedrichsberg noch einmal versucht, einen Geldautomaten zu knacken, diesmal bei der Postbank in Husum. Dort ertappte die Polizei ihn auf frischer Tat. Er war den Beamten aufgefallen, weil er auf dem Weg zur Bank in einem gestohlenen VW Golf in der falschen Richtung durch eine Einbahnstraße fuhr. Der Versuch im Friedrichsberg verlief wesentlich spektakulärer: Hier löste er einen Großeinsatz der Polizei aus, nachdem er sein Fluchtfahrzeug in Brand gesetzt und die Flucht im geliehenen Opel seiner Mutter fortgesetzt hatte.

Er soll gehofft haben, bis zu 100.000 Euro zu erbeuten. Der studierte Biologe war in Geldnot, nachdem er mit dem Versuch gescheitert war, sich eine Existenz als Importeur von indonesischem Kaffee aufzubauen. Bevor er auf die Idee kam, Bankautomaten zu sprengen, hatte er bereits die Lübecker AfD um 7000 Euro erleichtert: Von einem Vorstandskollegen der örtlichen Partei erschwindelte er sich die nötige Unterschrift, um zwei Mal 3500 Euro vom AfD-Konto abzuheben. Danach behauptete er, das Geld sei ihm bei einem Überfall geraubt worden.

 

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erstellt am 14.Nov.2014 | 07:45 Uhr

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