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Schleswig-Friedrichsberg : Zwei Krippen im Nachbarschaftsstreit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Dänische Schulverein baut Mauer an der Grenze zum Kinderspielzentrum der Winkler-Stiftung. Dessen Vorstand Rainer Winkler spricht von einer „auf Übelste diskreditierten Nachbarschaft“.

Iris Ranft fühlte sich überrumpelt: Anfang des Monats, an einem Donnerstagmorgen, klingelten bei der Leiterin des Kinderspielzentrums in der Erikstraße Arbeiter von der benachbarten Baustelle an der Tür. Sie müssten jetzt den Zaun abreißen, sagten sie. So erfuhr Iris Ranft von einer neun Meter langen Mauer, die unmittelbar an der Grundstücksgrenze zum Kinderspielzentrum hochgezogen werden soll – als Rückseite eines Geräteschuppens auf dem Gelände der neuen dänischen Kinderkrippe.

Ranfts Antwort war eindeutig: „Unser Zaun bleibt stehen!“ Alles andere, erklärt sie, wäre auch gar nicht möglich. Schließlich gehört auch zum Kinderspielzentrum seit 2008 eine Krippe für Kinder zwischen drei Monaten und drei Jahren. Der Zaun schützt sie davor, auf die Straße zu laufen, wenn sie draußen spielen.

Iris Ranft und Rainer Winkler, Vorstand der Jugendstiftung Winkler, die das Kinderspielzentrum seit 18 Jahren betreibt, konnten ihren Zaun zwar retten. Die Mauer an der Grundstücksgrenze werden sie aber wohl nicht verhindern können. Der Dänische Schulverein, Betreiber der neuen Krippe, hat bereits Fakten geschaffen. Das Fundament für den geplanten Schuppen ist inzwischen gegossen. Auf den Vorschlag, den Schuppen anderthalb Meter von der Grundstücksgrenze weg zu verschieben, bekam das Kinderspielzentrum keine Antwort.

So ist zwischen den beiden Krippenbetreibern ein handfester Nachbarschaftsstreit entbrannt. „Bis zu der Sache mit dem Zaun hatten wir von unseren neuen Nachbarn noch überhaupt nichts gehört“, sagt Winkler. Eigentlich habe er sich über die neue Krippe gefreut. Man hätte kooperieren können. Wenn Eltern kurzfristig einen Krippenplatz suchen, aber bei der Winkler-Stiftung nichts mehr frei ist, hätte das Kind vorübergehend in der dänischen Krippe unterkommen können – oder umgekehrt. Dass Konkurrenzdenken hinter dem Streit stehen könnte, weist Winkler weit von sich: „Wir haben bei uns überhaupt keine dänischen Kinder. Da wildert keiner im Revier des anderen.“ Was als gute Nachbarschaft hätte beginnen können, das sein nun „aufs Übelste kompromittiert“.

Beim Schulverein in Flensburg wollte man sich zu der Angelegenheit auf SN-Nachfrage nicht äußern. Lediglich die ausführende Baufirma entschuldigte sich bei Winkler dafür, dass er nicht früher informiert wurde: „Da gab es leider ein Missverständnis zwischen uns und dem Bauherrn.“

Juristisch ist der Dänische Schulverein auf der sicheren Seite. Das bestätigte Rathaus-Sprecherin Antje Wendt gestern: „Eine Baugenehmigung ist für das betreffende Bauwerk nicht erforderlich. Auch eine Grenzbebauung ist aufgrund der Beschaffenheit des Bauvorhabens möglich. Ein Einverständnis des Nachbarn muss nicht eingeholt werden.“

Winkler hat daher von seinem ersten Impuls abgesehen, vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Mauer zu erwirken. „Es wäre aussichtslos, und ich würde damit Spendengelder verschwenden, die wir dringend für den Betrieb des Kinderspielzentrums benötigen.“ Er sendet jetzt ein „Friedensangebot“: Eine Versöhnung sei möglich, wenn der Schulverein die Mauer mit einem Spalier mit Rankgewächsen versehe. Die Antwort aus Flensburg: Man werde prüfen, ob die Kosten dies zuließen.

 

 

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erstellt am 25.Sep.2014 | 17:00 Uhr

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