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Forensische Psychiatrie : Zwangseingewiesen - und was dann?

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Der Fall Gustl Mollath wirft Fragen auf. Auf der Suche nach Antworten besuchten wir die Forensische Klinik in Schleswig. Dort sind 90 Prozent der Patienten freiwillig.

Schleswig | Das Gelände liegt mitten in der Stadt, aber doch abseits der Blicke der meisten Schleswiger: die forensische Psychiatrie der Helios-Fachklinik am Neufelder Weg nördlich vom Stadtfeld. Gustl Mollath verbrachte die letzten sieben Jahre in Einrichtungen wie dieser. Dass das Schicksal des 56-jährigen Bayern in den vergangenen Tagen und Monaten die ganze Republik bewegte, liegt wohl auch daran, dass es eine Horrorvorstellung für viele Menschen ist: eingesperrt in die Psychiatrie und keine Chance, je wieder zu entkommen.
Aber wie wird man eigentlich eingewiesen in die Fachklinik? Und wie kommt man wieder heraus? Als wir das am Mittwoch den Ärztlichen Direktor Dr. Arndt Michael Oschinsky fragten, nahm er sich sofort den halben Nachmittag Zeit. Es sei ihm ein großes Anliegen, Ängste abzubauen und vor allem zu verdeutlichen, dass fast 90 Prozent der Patienten aus freien Stücken in sein Krankenhaus kommen und jederzeit gehen können. Und dass der Maßregelvollzug für verurteilte Straftäter hinter dem Stacheldrahtzaun etwas ganz anderes ist als das, was im eigentlichen Krankenhaus geschieht.

Geschlossene Abteilungen ohne Gitter

Auch hier gibt es geschlossene Abteilungen, aber ohne Gitter und mit Patienten, die meist nach wenigen Wochen wieder entlassen werden. Hier geht es um Menschen, die eine Gefahr für sich oder andere darstellen. Das reicht von Besoffenen, die um sich schlagen, bis zu verwirrten Senioren. Hier ordnet das Kreisgesundheitsamt die Einweisung an. Ein Amtsrichter muss die Entscheidung innerhalb von 24 Stunden bestätigen. Bei Senioren kommt es oft vor, dass sie einfach dehydriert sind und schnell wieder bei Sinnen. "Dann können sie sofort gehen", versichert Oschinsky. Jedenfalls nachdem das Krankenhaus beim Gesundheitsamt einen Antrag auf Aufhebung der Einweisung gestellt hat.
Wer dauerhaft psychisch krank ist und zwangsuntergebracht wird, bleibt nicht in der Fachklinik. Für diese Menschen gibt es Einrichtungen beim Diakoniewerk Kropp.

Eine Therapie dauert meistens zwei Jahre

Wer in der Fachklinik dauerhaft eingesperrt ist, sitzt im Maßregelvollzug. "Das sind verurteilte Straftäter", erklärt Oschinsky. In Schleswig sind dies überwiegend Suchtkranke, die therapiert und meistens nach zwei Jahren entlassen werden. Der reguläre Maßregelvollzug für Männer befindet sich in Neustadt/Holstein. Wäre Gustl Mollath in Schleswig-Holstein verurteilt worden, wäre er dort untergebracht gewesen.
In Schleswig sind neben 88 Suchtkranken beiderlei Geschlechts auch 17 Frauen im Maßregelvollzug eingesperrt. Die meisten von ihnen wurden gewalttätig, weil sie unter einer Psychose litten. Klinik-Sprecherin Inke Asmussen berichtet zum Beispiel von einer 40-jährigen Mutter, die ihren Mann umgebracht hat, weil sie in dem Wahn lebte, er würde ihren Kindern etwas Schlimmes antun.

"Der Fall Mollath hat die Welt auf den Kopf gestellt"

Wie lange ein Maßregelvollzug dauert, ist nach dem Gerichtsurteil völlig offen. "Die Frauen bleiben durchschnittlich acht Jahre", sagt Oschinsky. Externe Gutachter überprüfen alle zwei Jahre, ob die Voraussetzungen für die Einweisung noch vorliegen. Dies ist in einem Landesgesetz geregelt. In Bayern, wo Mollath einsaß, sind externe Gutachter bisher erst nach fünf Jahren vorgesehen.
Die Gutachter, betont Oschinsky, haben eine hohe Verantwortung. Zuletzt standen sie meist dann in der Kritik, wenn sie jemanden freigelassen hatten, der später wieder gewalttätig wurde. "Insofern hat der Fall Mollath die Welt auf den Kopf gestellt, was der Forensik vermutlich gut tut."

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erstellt am 12.Aug.2013 | 07:44 Uhr

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