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Pilz-Kenner SönKe Lettau : Zutatensuche für die Pilz-Pfanne

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pfifferling, Hallimasch und Violetter Lacktrichterling: Ein Spaziergang mit dem Experten Sönke Lettau durch den Schleswiger Tiergarten.

von
erstellt am 11.Okt.2015 | 14:22 Uhr

Schon als er aus dem Auto steigt, ist klar, dass Sönke Lettau ein ganz besonderes Hobby pflegt. Er trägt derbe Schuhe, die auch für unwegsames Gelände geeignet sind, eine Wetterjacke und hält in der Hand einen maximal handballgroßen Weidenkorb. „Der Notkorb für besondere Funde“, sagt der Busdorfer, als er vom Parkplatz ab der Stampfmühle den Wald betritt. Sönke Lettau ist Mykologe – Pilzspezialist.

Auf der Suche nach den ersten Pilzen richtet sich sein Blick nicht auf den Boden, sondern zunächst nach oben. „Ein gutes Umfeld, urteilt er, „viele verschiedene Laubbaum-Arten, Licht, Totholz und Feuchtigkeit. Hier gibt es Pilze.“ Davon sieht der Laie zunächst gar nichts. Nur Bäume, Laub, herumliegende Äste. Sönke Lettau dagegen hat den Expertenblick. „Ah, ein Lärchenröhrling“, sagt er und hält schon wieder Ausschau: „Dann muss hier irgendwo auch eine Lärche stehen.“ Er entdeckt sie nicht weit entfernt. Viele Pilze gehen Lebensgemeinschaften mit Bäumen ein und leben über ihrem Wurzelgeflecht.

Bei jedem weitere Schritt entdeckt Sönke Lettau etwas Neues. Hallimasch („Roh giftig, gut durchgebraten sehr lecker“), Stockschwämmchen („Vorsicht, hat einen giftigen Doppelgänger“), Bluthelmling („sehr ästhetisch“), Violetter Lacktrichterling und Buchen-Spei-Täubling finden sich in lockerer Folge. Es ist verwirrend. Nach den ersten Funden geht es beim Laien munter durcheinander: Welcher war nun giftig, welcher essbar? Gibt es da nicht eine einfache Regel, die jeder versteht, der auf Nummer sicher gehen will? Da muss auch der Experte passen. „Die gibt es leider nicht. Manchmal unterscheiden sich giftige und essbare Pilze nur in Details. Und wer die nicht kennt, sollte die Finger davon lassen.“ Auch Bücher und Apps hält der Experte nur bedingt für tauglich, weil die Farben täuschen können und die Beschreibungen häufig subjektiv geprägt sind. Und es gibt in unseren Breiten bis zu 7000 Pilzarten. Sein Tipp: Man sollte mit jemandem losziehen, der sich wirklich auskennt und lernen. Auch wenn es dauert.

Champignons kennt jeder. Wo sind die eigentlich? „Die wachsen meist auf Wiesen, aber es gibt sie kaum noch. Das liegt an der Belastung des Bodens“, sagt Lettau. Der Salzwiesen-Champignon, bei uns sonst nicht heimisch, taucht in letzter Zeit jedoch häufiger entlang von Autobahnen auf. Weil dort im Winter mit Salz gestreut wird.

Mit dem Pfifferling ist ein anderer guter Bekannter jedoch auf dem Vormarsch. Und Lettau entdeckt sogar einige Exemplare. Sogar optimale, wie er sagt. Dabei sehen sie gar nicht so optimal aus – aber das liegt nur daran, dass sich schon einige Schnecken bedient haben. Aber auch die sehr helle Farbe wirkt für den Laien ungewohnt. Auf dem Markt oder auf dem Teller kennt er sie wesentlich dunkler. „Das liegt daran, dass dieser hier absolut frisch ist“, sagt Lettau mit einem Lächeln und verstaut die Pilze in seinem kleinen Korb. In Supermärkten, sagt er, finde man häufig Ware, die schon fast eine Woche alt sei. Das könne der Kunde nur erkennen, wenn er weiß, wie die frischen Pilze aussehen.

Das Interesse an Pilzen ist groß. „Ich könnte jeden Tag eine Lehrwanderung anbieten – und die wäre in der Saison immer ausgebucht.“ Doch es fehlt das Wissen, welche Pilze giftig sind. Das merkt Lettau auch in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Mitarbeiter der Gift-Notruf-Zentrale. Er hat die Aufgabe, im Notfall zu ermitteln, welcher Pilz im Spiel war, wenn es zu Problemen kommt. Seine Erkenntnisse sind Grundlage für die Behandlung. Neun Fälle waren es in diesem Jahr bereits. Meist hatten Kinder Pilze in den Mund genommen, die im heimischen Garten oder auf dem Gelände des Kindergartens wuchsen. Deshalb rät er den Eltern ihre Kinder aufzuklären. „Es muss niemand Angst haben, aber man sollte auch nichts essen, was man nicht kennt.“

Am Ende des Spaziergangs hat sich der kleine Weidenkorb gefüllt. Genügend feine Sachen für eine Mischpilz-Pfanne mit Speck, Zwiebeln und viel Petersilie. Lecker, gesund, frisch und garantiert essbar. Dafür muss man allerdings schon ein Experte sein.

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