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Theaterneubau in Schleswig : Zuschlag für den Orchestergraben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Landesregierung stellt zusätzliche 500 000 Euro in Aussicht.

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 06:30 Uhr

Die Planungen für einen Theaterneubau auf der Freiheit konkretisieren sich immer mehr. Jetzt steht fest: Das Land wird sich mit 2,5 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen – also eine halbe Million mehr, als ursprünglich angedacht. Allerdings ist dieser Zuschlag an eine Bedingung geknüpft, wie Oliver Breuer, Sprecher des Kulturministeriums in Kiel, gestern gegenüber den SN bestätigte: Das Extra-Geld soll zum Bau eines Orchestergrabens verwendet werden.

Dieser, da ist man sich beim Land sowie beim Landestheater sicher, ist unabdingbar, wenn Schleswig auch in Zukunft ein sogenanntes Drei-Sparten-Theater anbieten möchte. Und genau dafür hatte sich ja ebenfalls die Ratsversammlung Ende vergangenen Jahres ausgesprochen. „Deswegen bin auch ich der Meinung, dass wir auf keinen Fall auf einen Orchestergraben verzichten dürfen“, sagt Grünen-Ratsfrau Babette Tewes, Vorsitzende des Kulturausschusses.

In dessen jüngster Sitzung stand das Thema Theaterneubau erneut auf der Tagesordnung. Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs stellte dabei weitere Details des ambitionierten Projektes vor. Tenor: Dass bei einem kalkulierten Gesamtpreis von 9,6 Millionen Euro (darin sind die 500  000 Euro für den Orchestergraben schon mit eingerechnet) keine großen Extras und Schnörkeleien drin sind, damit muss jeder rechnen. So werde sich der Neubau auf einen großen Saal mit bis zu 450 Plätzen sowie ein gläsernes Foyer zur Schlei hin und nur wenigen Extraräumen beschränken. Einen großen Backstage-Bereich, ein Lager oder einen Keller werde es nicht geben. „Schleswig wird nur noch Abstecher- und nicht mehr Produktionsstandort des Landestheaters sein. Da brauchen wir all das nicht“, sagte Schoofs. Und was die Gastronomie, Sanitäranlagen oder die Garderobe betrifft, werde man – wenn auch in renovierter Form – auf den Bestand in der „Heimat“ zurückgreifen.

Ende 2015 hatten die Stadtwerke das ehemalige Bundeswehr-Mannschaftsheim auf der Freiheit im Auftrag der Stadt für eine Million Euro gekauft. Seitdem arbeiten Schoofs und sein Team an der Planung für dessen Umbau sowie für das neue Theater, das direkt östlich an das alte Gebäude angebaut werden soll. Inzwischen hat man dafür das Schleswiger Architekturbüro Hochbau-Planung Paustian (HPP) beauftragt, das bereits in den Umbau des Hallenbades involviert war. „Wenn wir schon so viel Geld für das Projekt ausgeben, dann sollte möglichst viel davon in Schleswig bleiben“, begründete Schoofs die Wahl. Lutz Herrmann von den Grünen war jedoch anderer Meinung. Er frage sich, ob bei einem Projekt dieser Dimension nicht eher eine europaweite Ausschreibung nötig sei – an der sich Fachplaner, die auf den Bau von Theatern spezialisiert sind, beteiligen. Das sieht auf Nachfrage auch Babette Tewes so. „Hier geht es um öffentliche Gelder, und da gibt es klare Regeln, was das Thema Ausschreibung betrifft.“ Der jetzt vorliegende Architektenentwurf diene aus ihrer Sicht deshalb nur einer „ersten Visualisierung“.

Schoofs hingegen hatte in der Ausschusssitzung betont, dass man bereits bei Fachplanern angefragt hätte. Deren erste Entwürfe seien aber allesamt von Kosten von über zehn Millionen Euro ausgegangen. Also habe man „alles auf Null“ gesetzt, das Büro HPP beauftragt und zudem den Münchner Theaterbau-Fachmann Reinhold Daberto als Berater engagiert. „So glauben wir auf eine realistische Einschätzung zu kommen, wie das neue Kulturhaus aussehen könnte und was es kosten wird“, sagte Schoofs und fügte an: „Ich bin mir sicher, dass wir es zu dem Preis von 9,6 Millionen Euro hinbekommen werden.“ Gleichzeitig betonte er noch einmal, wie wichtig das Theater-Projekt für Schleswig als Mittelzentrum sei. Deswegen müsse auch das Land weiter alles dafür tun, damit der Bau tatsächlich – und zeitnah – realisiert werden kann. „Denn hier geht es auch um den Erhalt des Landestheaters.“ Fraglich ist allerdings weiterhin, ob die kommunalen Spitzenverbände, so wie man in der Stadt und beim Land hofft, tatsächlich zwei Millionen Euro aus ihrem Investitionsfonds für den Neubau locker machen.

Nicht weniger spannend ist die Frage, wie das neue Kulturhaus künftig betrieben wird. Eine steuerbefreite gemeinnützige GmbH, wie man sie einst zur Landesgartenschau aus der Taufe hob, wird es dafür nicht geben. Das steht, anders als gehofft, bereits fest. Nun also laufe es auf eine „Kulturhaus GmbH“ hinaus, erklärte Schoofs. Die brauche unter anderem einen Geschäftsführer, eine eigene Buchführung und einen Aufsichtsrat. Und sollte sie ein Minus einfahren, müsse das allein die Stadt ausgleichen. „Wie das alles gelöst werden soll, gebe ich Ihnen als Hausaufgabe mit“, sagte er mit Blick auf die Politiker, die bei diesem Thema auffällig schweigsam waren.

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