zur Navigation springen

Moot Court in Schleswig : Zur Probe im Gerichtssaal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gespielte Verhandlung – echter Fall: Kieler Jura-Studenten versuchten sich im Verwaltungsgericht als Anwälte.

Die Gemeinde Haithabu hat ein Grundstück im Gewerbegebiet an einen ortsansässigen Unternehmer verkauft. Ein anderer Unternehmer aus dem Ort, ein Bootsbauer, hätte dasselbe Grundstück auch gern gekauft – und zieht deshalb gegen die Gemeinde vor Gericht.

Die Gemeinde Haithabu ist fiktiv. Aber in einem anderen Ort irgendwo in Schleswig-Holstein ist dieser Fall real. Demnächst wird das Verwaltungsgericht entscheiden, wer Recht hat. Jura-Studenten von der Kieler Universität haben sich schon jetzt damit beschäftigt. Gestern tauschten sie im Saal A des Schleswiger Verwaltungsgerichts ihre Argumente aus. Auf der Richterbank saß Gerichtspräsident Hartwig Martensen und weitere echte Richter. Zum dritten Mal richtete das Gericht einen Moot-Court aus, einen simulierten Rechtsstreit, an dem Studenten ihre juristischen Fertigkeiten unter Beweis stellen können.

Ein Urteil sprachen Martensen und seine Kollegen nicht. Wem die Gemeinde ihr Grundstück verkaufen darf, das werden sie später entscheiden. Gewinner gab es trotzdem: Die Studenten Jennifer Mohr und Kjell Drögemüller hatten ihre Argumente nach Auffassung des Gerichts am besten vorgetragen. Als Preisgeld gab es 350 Euro vom Deutschen Anwaltverein, der den Moot-Court gemeinsam mit dem Verwaltungsgericht ausrichtete. Das zweitplatzierte Team, Henrik Buschko und Daniel Richter, durfte sich über 200 Euro freuen. Insgesamt hatten sich zwölf Studenten an dem Wettbewerb beteiligt. Ein ganzes Semester über hatten sie Schriftsätze ausgetauscht. So war bereits eine dicke Akte entstanden, als sie sich gestern im Gerichtssaal zur Verhandlung trafen – am Vormittag zur Vorrunde, anschließend zum Finale.

„Das war eine großartige Erfahrung“, sagte Kjell Drögemüller. „Im Praktikum kann man im Gericht nur zuschauen, hier konnten wir uns selber mit einem realen Fall beschäftigen.“ Gerichtspräsident Martensen zeigte sich beeindruckt von den Fähigkeiten der Studenten. Bei der Wahl der Sieger sei es dabei weniger auf die rechtliche Bewertung angekommen als auf die Art der Präsentation und das Vermögen, spontan auf unerwartete Situationen zu reagieren.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Jul.2017 | 08:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen