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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 06:40 Uhr

Zoff in Selk um marode Spielgeräte

vom

Kinder müssen seit zwei Jahren auf viele Geräte verzichten / Eltern fordern schnelle Lösung / Kirche und Gemeinde können sich nicht einigen

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Selk | Den Eltern der Kinder, die die Selker Kita besuchen, reicht es - ihre Geduld ist am Ende: Seit mehr als zwei Jahren bemängeln sie den desolaten Zustand der Spielgeräte im Außenbereich des 17 Jahre alten Kindergartens in der ehemaligen Dörfergemeinschaftsschule. Bisher ohne Erfolg.

Seitdem mehrere marode Spielgeräte abgebaut werden mussten, liegen Kommune und Kirche als Träger im Clinch, wer für die Anschaffung und Unterhaltung neuer Geräte zuständig ist. Die Gemeindevertretung um Bürgermeister Arne Reimer fordert eine Anpassung des bestehenden Trägerschaftsvertrages mit der Kirche, in dem neben Mietzins-Forderungen, Personal- und Verwaltungskosten auch die Zuständigkeiten für die Spielgeräte festgeschrieben werden soll. Unterschiedliche Entwürfe wurden gefertigt, Gegenvorschläge entwickelt, eine Einigung jedoch nicht erzielt.

"Die Dinge werden zu Lasten der Kinder hin und her geschoben", klagt Elternsprecherin Kirsten Mielke. "Das Schneckentempo gefällt uns gar nicht." Nun stehe der dritte Sommer ohne Spielgeräte bevor. "Wir hatten am Anfang ja noch Geduld, aber die ist nun endgültig vorbei. Es besteht dringender Handlungsbedarf - und zwar jetzt", so Mielke.

Auch Eigeninitiative brachte die Eltern nicht weiter: Rund 5000 Euro wurden gesammelt, um auf eigene Faust Abhilfe zu schaffen. Vergebens - ein Kostenvoranschlag für Spielturm und Hängerutsche liegt der Gemeinde seit Längerem zur Genehmigung vor. Um die Wartezeit bis zur Entscheidung zu überbrücken, legten die Eltern in Eigenleistung einen Weidentipi, einen Tunnel, einen Barfußgang und eine Sandkiste an - unentgeltlich versteht sich.

Als nun auch noch die einzige Schaukel abmontiert werden musste- die Rutsche darf aus Sicherheitsgründen nur noch bedingt genutzt werden - gingen die Eltern auf die Barrikaden: 37 Eltern fordern in einer Unterschriftenlisten Gemeinde und Kirche auf, sich im Sinne der Kinder zu einigen und schnell zu handeln. "Wie kann es sein, dass ein Kindergarten, der sich damit rühmt, eine weitere Gruppe ab Sommer eröffnen zu wollen, noch nicht einmal eine Schaukel für die Kinder hat?", fragt Elternvertreterin Silvia Jogwick.

"Wir als Gemeinde werden immer an den Pranger gestellt", entgegnete Bürgermeister Arne Reimer gegenüber der aufgebrachten Elterngruppe. "Es wird alles auf uns geschoben, von der Kirche kommt nichts." Er verstehe den Ärger, sagt er und verprach eine Lösung zu finden, "soweit es mir als Bürgermeister möglich ist". Aber die Kirche müsse sich auch ein bisschen bewegen, forderte er. Kurzerhand beauftragte Reimer den Techniker der Haddebyer Amtsverwaltung, einen Kostenvoranschlag für das kurzfristige Anbringen einer Schaukel zu erstellen.

Auch der Sprecher des Kirchengemeinderates, Haddebys Pastor Dr. Kai Hansen, selber Vater dreier Kinder, versteht die Eltern: "Ihre Unmutsäußerungen spricht uns und auch dem Kindergarten-Team ganz aus der Seele. Auch wir sehen seit Jahren dringenden Handlungsbedarf und warten darauf, endlich neue Außenspielgeräte anschaffen und aufstellen zu können." Gelder und Angebote lägen längst vor. Das Problem: Laut Gesetz gingen alle von der Kirche angeschafften, im Boden verschraubten Dinge in das Eigentum des Grundstückeigentümers, also die Gemeinde, über, erläutert Hansen. Außerdem habe sich die Gemeinde bisher nicht zur Übernahme der Kosten für die Instandhaltung bereit erklärt. "Seit wir bereits im Herbst eigene Vertragsentwürfe vorgelegt haben, warten wir auf eine Reaktion", hält Hansen der Gemeinde vor.

In anderen Gemeinden, etwa Busdorf und Fahrdorf, läuft das Zusammenspiel von Gemeinde und Kirchenträger offensichtlich besser - warum nicht in Selk? "In den Gemeinden kommt uns ein deutlicher Vertrauensvorschuss entgegen, das Grundgefühl, es gehe uns gemeinsam um das Wohl der Kinder und Familien, und auch die Einsicht in die jeweiligen Aufgaben und Zuständigkeiten."

Indes lobt der Kirchenmann das Engagement der Eltern. "Wir freuen uns, dass wir in ihnen so engagierte Kindergarten-Eltern haben. Nicht zuletzt die Gartenaktionen zeigen, wie wichtig ihnen ein gutes Betreuungs-, Spiel- und Lernumfeld für ihre Kinder ist. So ein Engagement ist wirklich nicht selbstverständlich und aller Ehren wert."

Mit der kurzfristigen Lösung einer Schaukel-Montage gibt sich Elternvertreterin Mielke zunächst zufrieden. "Ja es wäre wirklich schön, wenn vielleicht zumindest ein Gerät zeitnah aufgebaut werden würde, um schon mal einmal guten Willen zu zeigen." Für die langfristige Perspektive des Kindergartens sei jedoch ein gemeinsames Konzept mit konstruktiver Kommunikation, insbesondere im Sinne der Kinder, wünschenswert

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