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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 14:34 Uhr

Norderbrarup : Ziegel erinnern an 1864

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Relikte des deutsch-dänischen Krieges hängen noch heute in der früheren Norderbraruper Ziegelei. Auf ihnen verewigte sich der Kanonier Joseph Garbeke in altdeutscher Schrift.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2014 | 17:30 Uhr

Wenn man an Kriegsdenkmäler denkt, hat man heroische Standbilder oder große Tafeln mit den Namen von Gefallenen vor Augen. Dass es auch eine Nummer kleiner geht, beweisen zwei Dachziegel, die bei Andreas und Gesche Thiesen in der ehemaligen Ziegelei von Norderbrarup hängen. Auf diesen hat sich Kanonier Joseph Garbeke aus der Brigade Nummer sieben des westfälischen Bataillons im Juni des Jahres 1864 verewigt.

Thiesens Großvater Adolf Georg Lorenzen hatte die Tafeln entdeckt und vor allen Aufräumaktionen geschützt. „Mir war es wichtig, so ein Dokument aufzubewahren, das zeigt, dass der deutsch-dänische Krieg von 1864 nicht nur im Westen stattgefunden hat“, verrät der heutige Besitzer der Ziegelei, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr produziert.

Genauere Informationen über die damalige Situation hat Thiesen nicht. Doch er erfuhr aus Erzählungen, dass nahe der Ziegelei auf der anderen Seite der Oxbek einst ein tiefer Graben gewesen sei, in dem Soldaten gelagert hatten und sogar Fuhrwerke einfahren konnten. Auch sei der Hügel, auf dem die Ziegelei steht, gerne als Ausguck benutzt worden, da er der höchste Punkt im Gelände ist.

Leonard Möller, das lebende Geschichtsbuch Süderbrarups, weiß von keiner Aufzeichnung aus dieser Zeit. Auch er hat nur in Erzählungen gehört, dass in jedem Krieg Truppen durch Süderbrarup zogen und dass man die „Bachstraße“ damals „Kanonenstraße“ nannte. Einen Lagerort an der Oxbek hält er für möglich, da es dort, wo heute die Landesstraße verläuft, eine Furt über das vermutlich damals etwas breitere Flüsschen gab.

Und so bleibt wahrscheinlich als einzige schriftliche Erinnerung an den deutsch-dänischen Krieg in Süderbrarup der Satz von Joseph Garbeke, den dieser in altdeutschen Buchstaben vor dem Brennen in den feuchten Lehm ritzte und der sich anhört wie der Text auf einer Urlaubspostkarte: „Zum Gedenken vom Kriege 1864.“





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