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Gemeinde Stangheck : Zerstörter Seeadlerhorst: Staatsanwaltschaft ermittelt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wegen Vergehen gegen das Bundesnaturschutzgesetz: Die Flensburger Staatsanwaltschaft sucht die Unbekannten, die einen Adlerhorst zerstörten.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 12:15 Uhr

Stangheck | Im Fall des zerstörten Seeadlerhorstes in Stangheck im Kreis Schleswig-Flensburg ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft Flensburg. Es gehe um ein Vergehen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, sagte Oberstaatsanwalt Otto Gosch am Mittwoch. Verfolgt werde etwa, wer ein wild lebendes Tier erheblich stört sowie eine Ruhe- oder Fortpflanzungsstätte beschädigt oder zerstört.

Der Vorfall sei ein sehr seltener Straftatbestand, sagte Gosch. Im Februar war der durch die Fällung einer Eiche zerstörte Horst entdeckt worden.  Unbekannte hatten mitten in einem Laubwald eine rund 140 Jahre alte und etwa 30 Meter hohe Eiche abgesägt und damit den im Geäst dieses Baumes befindlichen Seeadlerhorst (1,20 Meter Durchmesser) vernichtet. Dieser Vorfall in Verbindung mit der Zerstörung einer Fortpflanzungs- und Ruhestätte ist ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Für Bernd Marquardsen vom Polizeirevier Kappeln und Nils Kobarg von der Integrierten Station in Falshöft steht fest, dass der oder die Unbekannten ganz gezielt ans Werk gingen. Zwar ist bekannt, dass in der Gemeinde Stangheck ein Seeadler-Paar seinen Horst hat – aber wo, das weiß kaum jemand. Selbst Stanghecks Bürgermeister Björn With wusste es bis zu diesem Zwischenfall nicht.

Es war eine Anwohnerin, die bei einem Spaziergang im Wald die gefällte Eiche samt dem zerstörten Seeadler-Horst bemerkte, 80 Zentimeter über dem Waldboden abgesägt. Sie verständigte den Leiter des Hegerings Ostangeln, Bernd Marquardsen, in Rabenholz. Er ist Ansprechpartner für die landesweite Projektgruppe Seeadlerschutz. Da er zugleich auch Kommissar bei der Kappelner Polizei ist, erstattete er Anzeige gegen Unbekannt.

Seit 2007 hat Marquardsen den Seeadler-Horst von Stangheck beobachtend und betreuend im Blick und nennt als Tatzeit für das Geschehen die Tage zwischen dem 17. und 21. Februar morgens gegen 9 Uhr. Das Stanghecker Seeadler-Paar habe, so berichtet er, pro Jahr ein bis zwei Junge aufgezogen.

Nils Kobarg weist zudem darauf hin, dass das in diesem Jahr keineswegs der erste Fall einer Horst-Zerstörung ist – einen ähnlichen Vorfall gab es bereits in der Nähe von Schönberg im Kreis Plön. Insgesamt gibt es im nördlichsten Bundesland 70 Seeadlerhorste – drei davon im nördlichen Angeln.

Was die Seeadler von Stangheck betrifft, fügt Kobarg hinzu, dass diese ihr Jagdgebiet auf der Geltinger Birk haben. Durch die Vernässung habe sich dort das Nahrungsangebot für die Seeadler vergrößert. Das habe bei ihm die Hoffnung genährt, „dass es bald mehr Seeadler bei uns gibt“, sagt er. Inwieweit die Zerstörung des Horstes in Stangheck sich auswirken wird, bleibe abzuwarten. Tiere wurden nicht direkt verletzt.

Der Vorfall stimmt Bürgermeister Björn With und seine Stellvertreterin Waldtraud Lukoschus sehr nachdenklich. Das sei erschreckend und traurig. Sollte das Fällen der Eiche und damit die Vernichtung des Seeadler-Horstes im Zusammenhang mit der in der Gemeinde hochgekochten Windkraft-Diskussion – keine Anlagen in den Hauptflugrouten der Vögel – stehen, wäre das alles noch erschreckender und trauriger.

Wer etwas beobachtet hat und bei der Aufklärung mit sachdienlichen Hinweisen helfen kann, wird gebeten, sich beim Kappelner Polizeirevier unter der Telefonnummer 04642/  96  55  901 zu melden.

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