200 Jahre Schleswiger Nachrichten : Zeiten ändern sich - die Zeitung bleibt

Maschinenführer Mario Weichert (35) begutachtet im sh:z-Druckzentrum in Büdelsdorf ein druckfrisches Exemplar der Schleswiger Nachrichten. Foto: Dewanger
Maschinenführer Mario Weichert (35) begutachtet im sh:z-Druckzentrum in Büdelsdorf ein druckfrisches Exemplar der Schleswiger Nachrichten. Foto: Dewanger

Aus dem "Intelligenzblatt" mit Lizenz des dänischen Königs wurden die Schleswiger Nachrichten. Seit 1867 sind sie am Stadtweg 54 zu finden.

shz.de von
13. Januar 2012, 09:06 Uhr

Schleswig | "Wir Friedrich der 6te thun kund hiermit, daß Wir auf geschehenes allerunterthänigstes Ansuchen allergnädigst bewilligt haben, daß der Verlagsbuchhändler Cai Frantz Christiani in Unserer Stadt Schleswig ein Intelligenz- und Adreßblatt daselbst herausgeben möge."
Mit diesen gesetzten Worten hatte der dänische König Ende November 1811 dem Buchhändler und Verleger Cai Franz Christiani, der aus einer Kieler Gelehrtenfamilie stammte, das Privileg zur Herausgabe einer Zeitung verliehen.
Das Blatt wurde ab 1. Januar 1812 einmal wöchentlich, und zwar mittwochs, im kleinen Gesangbuchformat publiziert und enthielt vor allem die sogenannten "Intelligenznachrichten": Amtliche Mitteilungen und Familiennachrichten, gelegentlich auch mal recht deftige Hymnen auf das Königshaus. 1841 wurde der Titel ergänzt um den Ortsnamen und lautete nun "Königlich privilegiertes Schleswiger Intelligenzblatt".
Entscheidend erweitert wurde das Redaktionsprogramm, nachdem der Advokat und spätere Justizrat Joseph Johannsen 1864 die Zeitung übernommen und als zunächst dreimal wöchentlich erscheinende Schleswiger Nachrichten fortgeführt hatte. Das Blatt kam am 1. Juli 1864 erstmals im Folioformat heraus und rückte nun auch politische und wirtschaftliche Themen stärker in den Vordergrund. Das Redaktionsbüro war identisch mit der Kanzlei des Juristen Johannsen am Kornmarkt. 1867 zog Johannsen samt Kanzlei, Redaktion und Expedition um in das Haus Stadtweg 54. Noch heute haben hier, mitten in der Stadt, Verlag und Redaktion ihren Sitz.
Nach Johannsens Tod 1882 führte dessen Witwe Marie Johannsen vier Jahrzehnte lang den Zeitungsbetrieb fort. Ihr folgte als zweiter weiblicher Firmenchef 1923 ihre Tochter Wilhelmine, allgemein "Tante Minchen" genannt. Sie steuerte 23 Jahre lang das Unternehmen durch schwierige Zeiten und ließ die Redaktion gewähren - auch, als die "Schriftleitung" frühzeitig völkischen und nationalsozialistischen Pamphleten Raum gab.
Keine Lizenz in den Nachkriegsjahren
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mussten die Schleswiger Nachrichten ihr Erscheinen auf Anweisung der britischen Militärregierung einstellen. Verhandlungen über eine neue Zeitungslizenz verliefen zunächst ergebnislos. Erst am 1. Dezember 1949, nachdem die Briten die Lizenzpflicht aufgegeben hatten, war ein Neuanfang der Zeitung in Kooperation mit dem Flensburger Tageblatt möglich, das die überregionale Berichterstattung auch für die Schleswiger Nachrichten sicherstellte. Nach dem Tode seiner Mutter trat Michael von Hamm das Erbe an. Mit dem Urenkel des Justizrats Johannsen übernahm die vierte Generation den Familienbetrieb. Die Zusammenarbeit mit dem Flensburger Tageblatt führte 1969 zur völligen Integration der SN in den damaligen Flensburger Zeitungsverlag, den heutigen sh:z Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag.
Ein neues Kapitel in der Geschichte der Schleswiger Nachrichten wurde aufgeschlagen, als der Verlag 1971 das alte, heimelige SN-Haus im Stadtweg durch einen Neubau ersetzen ließ. Als Symbol der örtlichen Zeitungshistorie wurde die schwere eichene Haustür von einst in das neue Gebäude übernommen. Sie erinnert Mitarbeiter und Besucher nach wie vor daran, dass die Schleswiger Nachrichten von heute auf einer langen Tradition fußen.
Übrigens: Die kunstvolle Jubiläumstorte, die heute die Titelseite der Schleswiger Nachrichten ziert, wurde in der Traditionskonditorei Heldt, Eckernförde, hergestellt.

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