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Redlefsen in Satrup : Wurstfabrik: Anwohner klagen über stinkende Luft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Erweiterung des Satruper Fleischwarenwerks Redlefsen stößt auf Kritik - weitgehend hinter verschlossenen Türen. Die Gemeinde stimmt Investitionsplänen zu.

Redlefsen gehört zu Satrup wie der Dom zu Köln. Historisch gesehen sind das Fleischwarenwerk Redlefsen und die Gemeinde Satrup ein Stück wirtschaftlicher und sozialer Einheit. In den vergangenen Jahren hat das Werk einige Besitzerwechsel erlebt und ist nun ein Produktionsstandort der „zur Mühlen Gruppe“, die wiederum seit 2011 zum Fleisch-Riesen Tönnies gehört.

Für den Standort Satrup hat der letzte Besitzerwechsel erhebliche betriebliche Investitionen gebracht. Im Zuge der betrieblichen Konzentration will das Unternehmen die Rauchanlage deutlich erweitern. So soll die derzeitige Kapazität von knapp 50 Tonnen Räucherwaren auf 200 Tonnen pro Tag erhöht werden. Im Rahmen der Erweiterung werden die Be- und Entlüftungsanlagen sowie Kondensatoren erweitert und erneuert. Im Mittelpunkt stehen Klimareif-Anlagen, deren rauchbelastete Luft über neue Filteranlagen zur Abluftreinigung geführt wird.

Bereits jetzt klagen Anwohner über Geruchs- und Lärmbelästigungen. Allerdings dringen diese Klagen kaum nach außen, sondern wurden intern mit der Betriebsleitung besprochen, weil die aus der Historie herrührende Verbindung zu Satrup nicht getrübt werden soll, um insbesondere die Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Diesem Spagat sieht sich auch die Gemeindevertretung ausgesetzt.

Auf einer Sitzung der Gemeindevertretung lag den Vertretern die Beschlussvorlage für ein gemeindliches Einvernehmen vor. Wobei die Gemeinde nicht über die Art und Durchführung der Baumaßnahme zu beschließen hat, sondern lediglich zu bauplanrechtlichen und erschließungsrechtlichen Aspekten Stellung bezieht.

Bevor die Vertretung diesen Beschluss fassen konnte, wiesen die Anwohner Claudia und Dr. Hans Peter Weinschenck auf die Probleme für die unmittelbar in Werksnähe lebenden Menschen hin. So wird prophezeit, dass in Zukunft viel mehr Menschen durch die Erweiterung betroffen sein werden, wenn es beim Lüften des Schlafzimmerfensters stark nach Räucherwurst riechen werde. Peter Weinschenck schilderte den Vertretern, dass es in der Vergangenheit immer wieder unzulässige Belästigungen durch Rauch und Lärm gegeben habe, ließ aber nicht unerwähnt, dass man sich von betrieblicher Seite bemüht habe, Abhilfe zu schaffen.

Trotzdem vermisst Weinschenck ein höheres Verantwortungsgefühl der Werksleitung für die Anwohner und fordert im Rahmen der Betriebserweiterung eine deutlich geringere Schall- und Geruchsbelästigung, als sie jetzt geplant sei.

Bürgermeister Bernd Karde sagte zu, dass man in Gesprächen mit der Werkleitung nach akzeptablen Lösungen für beide Seiten suchen werde. Michael Heilmann relativierte den Hinweis auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen. Lediglich ein Drittel der Arbeitnehmer käme aus der Region, der überwiegende Teil seien ausländische Zeitarbeiter. Manfred Madsen rückte den Blick auch auf die Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde. Das gemeindliche Einvernehmen wurde bei einer Stimmenthaltung hergestellt.

 

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