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Wortgefecht nach Public Viewing bei der Fußball-EM hatte Nachspiel vor dem Strafrichter

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erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Es war ein friedliches Fußballfest mit hunderten Fans beim Public Viewing auf den Königswiesen. Aber nach dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal (1:0) im Juni des vergangenen Jahres kam es zu einem Vorfall, der jetzt das Amtsgericht beschäftigte. Zwei junge Männer im Alter von 23 und 25 Jahren - beide keine Unbekannten für Polizei und Staatsanwaltschaft - waren wegen Beleidigung angeklagt. Der Vorwurf: Sie sollen den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der nachts auf den Königswiesen für Ordnung sorgte, wüst beschimpft haben. Als der Beleidigte - ein korpulenter 38-jähriger Riese mit wilden braunen Locken - jetzt vor Gericht in den Zeugenstand trat, konnte er sich allerdings nicht mehr daran erinnern, ob es wirklich genau diese Wörter waren und wer von den beiden Angeklagten ihm welchen Kraftausdruck entgegengeschleudert hatte. Er gab jedoch an, dass ihn der größere der beiden mit einem Messer bedroht habe. Allerdings fand die Polizei, die schnell am Tatort eintraf, bei ihm lediglich einen Schraubenschlüssel.

Auch sonst ließ sich der Ablauf der Ereignisse nicht mehr exakt rekonstruieren. Die Tatzeit soll gegen 22.30 Uhr gewesen sein, also kurz nach Abpfiff des EM-Spiels, das Deutschland dank eines Treffers von Mario Gomez glücklich mit 1:0 gewonnen hatte. Bei dem Mann mit dem Schraubenschlüssel stellte die Polizei rund ein Promille Atemalkohol fest. Die beiden Angeklagten sagten, der Sicherheitsdienst-Mitarbeiter habe sie, als sie am Schleiufer saßen, völlig grundlos aufgefordert abzuhauen. Dabei sei es auch "lauter geworden". Aber welche Wörter genau gefallen waren und wer was gesagt hat, das blieb offen. Vielleicht "Penner", vielleicht "Wichser", vielleicht "Arschloch". Unstrittig war nur ein einziger Satz, den der Zeuge gehört hatte: "Der Kleine mit der Brille", der habe zu ihm gesagt: "Du bist doch gar kein Sicherheitsdienst." Dies aber, sagte der Richter, erfülle nicht den Straftatbestand der Beleidigung. Er appellierte an die beiden Angeklagten, sich per Handschlag für den Vorfall zu entschuldigen.

Das taten sie, und das Verfahren wurde ohne Urteil eingestellt.

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