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Schleswig : Wohnraum für Flüchtlinge wird knapp

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Allein in der kommenden Woche werden 26 Neuankömmlinge erwartet. Die Verwaltung rechnet mit weiterer Personalaufstockung.

von
erstellt am 19.Nov.2015 | 19:30 Uhr

Der Zuzug von Flüchtlingen stellt auch die Stadt Schleswig vor immer größere Herausforderungen. Das wurde gestern während der Sitzung des Sozialausschusses im Rathaus deutlich. 217 Menschen wurden im laufenden Jahr bislang in Schleswig aufgenommen. Allein in der kommenden Woche sollen – Stand gestern – 26 hinzukommen. „Wenn es ab jetzt wöchentlich 30 Leute mehr werden, dann bekommen wir sicherlich Probleme mit der Unterbringung“, erklärte Julia Pfannkuch vom Fachbereich Bürgerservice mit Blick auf den freien Wohnraum innerhalb des Stadtgebietes. Denn aktuell rechne man damit, dass man noch Platz für 120 Flüchtlinge hat.

„Das ist aber eine Momentaufnahme, weil der Wohnungsbestand parallel auch auf dem freien Markt angeboten wird“, so Pfannkuch, die einen Bericht vorstellte, der Fragen der Ausschussmitglieder aus der vorherigen Sitzung im Oktober beantwortete. Demnach wolle man weiter eng mit den Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeiten. Dabei würde die Stadt jedoch nicht nur als Vermittlerin auftreten, sondern auch als Mieterin mit dem damit verbundenen Verwaltungsaufwand. Die Stadt werde dann an die Asylbewerber untervermieten. Die entsprechenden Miethöchstsätze würden sich laut Asylbewerberleistungsgesetz nach der Anzahl der unterzubringenden Personen richten: zum Beispiel 363 Euro Kaltmiete inklusive Betriebskosten, 442 Euro für zwei Personen.

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Kreises, die Mietobergrenzen für Hartz-IV-Empfänger (ab Drei-Personen-Haushalten) „drastisch“ zu kürzen. Insbesondere Eckard Haeger (SPD) und Susanne Ross (CDU) sahen in der Entscheidung, die am 1. November in Kraft getreten ist, ein Konfliktpotenzial, da die Sätze für Asylbewerber zum Teil darüber liegen könnten – und Vermieter demnach entsprechend mehr Miete einstreichen und Flüchtlinge bevorzugen könnten. Auch Bürgermeister Arthur Christiansen sprach deshalb von einem „sehr unglücklichen Beschluss“.

Entlastung bei der Koordination der Flüchtlingshilfe gibt es derweil, wie Christiansen betonte, durch die Eröffnung des neuen Büros am ZOB, das unter anderem von den ehrenamtlichen Lotsen als neue Zentrale genutzt wird (wir berichteten). Dennoch wird die Stadt im kommenden Jahr weiteres Personal einstellen müssen, um den stetig wachsenden Aufgaben in der Flüchtlingsarbeit gerecht werden zu können. Erst kürzlich war dafür eine zweite Stelle im Ordnungsamt geschaffen worden. 2016, so hofft die Verwaltung, soll nun eine dritte hinzukommen. „Es geht hier um die Unterbringung von Asylbewerbern, aber auch darum, die Willkommenskultur der Stadt weiter vorzuleben“, betonte Julia Pfannkuch, die deshalb auf ein positives Votum der Ratsversammlung hofft.

Eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ist in Schleswig derweil offenbar aktuell nicht geplant.

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