Schleswig : Woher kommt der Baby-Boom?

Sechs Kinder – alle sind in den letzten beiden Tagen im Helios-Klinikum auf die Welt gekommen. Ein siebtes Baby war schon wieder zu Hause, als der Fotograf erschien.
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Sechs Kinder – alle sind in den letzten beiden Tagen im Helios-Klinikum auf die Welt gekommen. Ein siebtes Baby war schon wieder zu Hause, als der Fotograf erschien.

Im ganzen Jahr 2016 kamen in Schleswig 518 Kinder auf die Welt – in diesem Jahr sind es schon jetzt 422.

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25. August 2017, 10:47 Uhr

Wenn es so weitergeht, dann werden 2017 in Schleswig bis Ende des Jahres rund 650 Babys das Licht der Welt erblickt haben. Ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr. Die Geburtsstation im Helios-Klinikum erlebt derzeit einen regelrechten Babyboom. Allein in den letzten beiden Tagen meldete Chef-Hebamme Karin Lorenzen sieben Geburten.

Zwar werden in ganz Deutschland wieder mehr Kinder geboren. So massiv wie im Schleswiger Krankenhaus ist der Anstieg andernorts aber nicht. Karin Lorenzen und Prof. Dirk Günter Kieback, seit gut einem Jahr Chefarzt der Gynäkologie und der Geburtshilfe im Helios-Klinikum, haben deshalb andere Erklärungen dafür, warum sie und ihr Team plötzlich so viel zu tun haben. Nach dem Umzug in den Neubau sind die Geburtenzahlen kontinuierlich angestiegen. Immer mehr Mütter aus dem Flensburger Raum und aus Nordfriesland entscheiden sich für eine Geburt in Schleswig. Weniger Schleswigerinnen fahren, wenn die Wehen einsetzen, in andere Kliniken. „Die Geburt ist eine der wenigen Fälle, in denen man das Krankenhaus frei wählen kann“, sagt Lorenzen. Der Trend geht dahin, dass werdende Eltern sich genau informieren. Einmal im Monat finden in Schleswig Kreißsaal-Führungen statt – das nächste Mal am Dienstag, 12. September, um 19 Uhr. Die Nachfrage ist so groß, dass Lorenzen darüber nachdenkt, künftig einen zweiten Termin im Monat zu schaffen.

Dass diese Führungen mehr Eltern überzeugen, als es im alten Krankenhaus der Fall war, das ist keine Überraschung, meint die Chef-Hebamme. „Im alten Kreißsaal hatten wir Milchglasfenster, in den neuen Kreißsälen blickt man durchs Fenster in die Natur.“

Auf der Geburtsstation gibt es drei Kreißsäle. Bislang reicht das aus, um den Andrang zu bewältigen. Auch Familienzimmer, in denen die Väter der Neugeborenen sich einquartieren können, stehen nach wie vor zur Verfügung. Allerdings können sich die Eltern darauf nicht verlassen. Gestern zum Beispiel waren alle Wöchnerinnenbetten belegt. Hätte noch eine werdende Mutter mehr vor der Tür gestanden, dann hätte ein Familienzimmer geräumt werden müssen. „Für so etwas haben die Väter aber Verständnis“, sagt Lorenzen.

Chefarzt Kieback hat unterdessen schon darüber nachgedacht, wie er reagiert, wenn die Geburtenzahlen weiter nach oben gehen. „Wir wollen die Philosophie der individuellen Betreuung beibehalten und nicht zum Massenbetrieb werden“, betont er. Denn neben den ansprechenden Räumen im neuen Krankenhaus sei es gerade die persönliche Atmosphäre auf der Station, die die werdenden Eltern besonders überzeuge, meint er. Daran soll sich nichts ändern, falls demnächst weitere Mitarbeiter eingestellt und ein weiterer Kreißsaal eingerichtet werden sollte.

Tage, an denen die Mitarbeiter der Geburtshilfe-Station ans Limit gehen müssen, werde es aber immer geben, sagt er. „Das ist überall so. Egal wie groß oder klein eine Station ist.“ Wie viele Babys an einem bestimmten Tag zur Welt kommen, das lässt sich eben nicht vorausberechnen. Auch wenn die Kurve in Schleswig eindeutig nach oben zeigt, gibt es nach wie vor Phasen, in denen es auf der Geburtsstation etwas ruhiger zugeht. Der Mai war mit 47 Geburten ein solcher Monat. Im Juni kamen dann 70 Kinder auf die Welt, im Juli 58, und im August waren es bis gestern Nachmittag schon 50.

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