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Schleswig : Woche der Entscheidung für das Theater

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Wo soll das neue Theater gebaut werden? Und wird überhaupt ein Neubau errichtet? Heute beraten Bau-, Finanz- und Kulturausschauss gemeinsam zu diesem Thema. Auf dem Spiel steht die Zukunft einer wichtigen Spielstätte des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 11:39 Uhr

Schleswig | Auf zwei Sondersitzungen wollen die Stadtpolitiker über einen Neubau in der Kreisstadt abstimmen, der an die Stelle der alten einsturzgefährdeten Spielstätte treten soll. Am Montagnachmittag sollen der Bau- und Umweltausschuss, der Finanzausschuss und der Kultur-, Sport- und Tourismusausschuss zu einer Vorentscheidung kommen. Am Donnerstagabend entscheidet die Ratsversammlung über einen Neubau.

Unterdessen verhärten sich die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern eines Neubaus auf dem Hesterberg: Die Fraktionen von CDU und Grüne schließen den Hesterberg als Standort einer neuen Spielstätte aus, heißt es in einer Presseerklärung. Mit einem entsprechenden Antrag wollen sie in die Sitzungen heute und am Donnerstag gehen. Darin soll die Expertise des Statikers Günther Harenberg dem Rat zugeleitet und von einem unabhängigen Prüfstatiker verifiziert werden. Sollte sich damit bestätigen, dass das alte Theaterhaus am Lollfuß zu sanieren wäre, fordern beide Fraktionen, den Betrieb dort  schnellstmöglich wieder aufzunehmen.

Der Beschluss zum Neubau einer Spielstätte am bisherigen Standort Lollfuß sei zunächst als „Vorratsbeschluss“ aufzufassen, solle aber weiter betrieben werden, falls das alte Gebäude doch unsanierbar sei. Zudem wollen CDU und Grüne gesichert wissen, dass der Bürgermeister beim Theaterneubau den Kostenrahmen von fünf Millionen Euro nicht überschreitet. Andernfalls seien strafrechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen, heißt es.

Auf den angekündigten Antrag von CDU und Grünen haben die Ratsfraktionen von SPD und SSW ebenfalls in einer Presseerklärung reagiert. „CDU und Grüne gefährden mit diesem Beschluss den Theaterstandort Schleswig und den Bestand des Landestheaters insgesamt“, heißt es darin. SPD und SSW bezweifeln zudem „die Behauptung des Statikers Harenberg, dass die Standsicherheit des alten Theatergebäudes für etwa 200.000 Euro wieder herzustellen ist.“

Befürwortet wird von beiden Fraktionen hingegen der Vorschlag von Bürgermeister Christiansen, die Aussagen von Harenberg zunächst im Bauausschuss unter Beteiligung eines „Sachverständigen des Landes“ zu bewerten. Würde sich die Ratsversammlung am Donnerstag gegen  den Standort Hesterberg entscheiden, werde das Land oder die Stiftung der Landesmuseen auf diesem Areal das Magazin für die Volkskundlichen Sammlungen selbst nutzen, meinen SPD und SSW. Vor diesem Hintergrund riskierten CDU und Grüne mit ihrem Antrag die Zukunft der Landestheater GmbH.

Das Stadttheater von 1892 ist einer von zwei Hauptstandorten der Schleswig-Holsteinischen Landestheater GmbH. Vergangene Woche hatte das Kieler Kabinett eine Million Euro für den Neubau bewilligt.

In welchem Zustand ist das alte Theater?

Das etwa 130 Jahre alte Gebäude im Stadtteil Lollfuß gilt als einsturzgefährdet. Seit Juni 2011 darf es nicht mehr betreten werden. Seitdem wird an der Schlei über einen Neubau nachgedacht.

Wo soll das neue Theater gebaut werden?

Die Stadtverwaltung empfiehlt in ihrer Beschlussvorlage, das neue Theater auf dem Hesterberg zu bauen, dem Standort des ehemaligen Volkskunde-Museums. Für diesen Standort wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. CDU und Grüne wollen aber den traditionsreichen Standort im Lollfuß erhalten – und wissen mit dieser Haltung viele Schleswiger hinter sich. Bürgermeister Arthur Christiansen sagt, dass ein Neubau im Lollfuß „aus zeitlichen und finanziellen Gründen“ nicht mehr zu realisieren sei. Er sei zu dieser Erkenntnis gelangt, nachdem er sich mit Fachleuten ein Bild über die problematischen Bodenverhältnisse an diesem Standort gemacht habe. „Die Rahmenbedingungen für eine Sanierung des Baugrundes sowie für deren Finanzierung sind äußerst schlecht“, sagte er. Der Statiker bestätigte, dass der Baugrund erst in einer Tiefe von 25 Metern stabile Verhältnisse aufzeige.

Was kostet ein Neubau?

Das neue Theater auf dem Hesterberg soll 14,1 Millionen Euro kosten, der Anteil der Stadt Schleswig soll dabei aber nicht über fünf Millionen hinausgehen. Der größte Teilbetrag (6,3 Millionen Euro) kommt aus dem kommunalen Investitionsfonds. Das Land stellt das Hesterberg-Gelände zur Verfügung, das den Landesmuseen gehört und wo bislang das Volkskunde-Museum beheimatet ist. Zudem hat Kiel zugesagt, weitere 1,6 Millionen Euro bereitzustellen, sollte die Stadt bei dem Bauvorhaben nicht von der Mehrwertsteuer befreit werden. Die Unsicherheit in der Finanzierungsfrage hatte bei der ersten Abstimmung über den Standort Hesterberg im Dezember zu einem Patt (13:13) in der Ratsversammlung geführt.

Könnte nicht das alte Theater wieder saniert werden?

Es mehren sich die Stimmen, die das alte Theater erhalten möchten. Unterstützung finden sie bei Bau-Experten. Der Statiker Günther Harenberg durfte das Bühnenhaus jetzt inspizieren und ist überzeugt: „Für einen Kostenaufwand von bis zu 200 000 Euro ließe sich das statistische Problem beheben.“ Die Schleswiger CDU fordert, dass ein unabhängiger Prüfstatiker das Theater unter die Lupe nimmt.

Wann soll das alte Theater abgerissen werden?

Am 15. August  sollen nach bisheriger Planung die Bagger anrücken  und  zunächst mit dem  Abtragen des Daches beginnen. Die Stadt rechnet damit, dass die Abbrucharbeiten bis Ende September dauern werden. Bereits im Juni  will man mit den Vorbereitungen beginnen, damit der Abrissunternehmer klare Kante hat. Der Abriss wird im Frühjahr 2014 ausgeschrieben. Nach einer früheren Schätzung des Bauamtes werden die Kosten auf etwa 700 000 Euro beziffert.

 

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