Wo Tempo 100 im Dorf erlaubt ist

Gemeinde Kropp darf ihr Ortsschild nicht versetzen: Autofahrer können trotz Bushaltestelle Gas geben

23-57516820_23-66042403_1417184830.JPG von
26. Juni 2015, 18:28 Uhr

Wer mit über 90 Stundenkilometern innerhalb einer geschlossenen Ortschaft unterwegs ist, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Bis zu 200 Euro Bußgeld und zwei Punkte in Flensburg müssen schon eingeplant werden, wenn man erwischt wird. In Kropp aber gibt es eine Ausnahme, die den Verantwortlichen schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Im Rheider Weg gibt es eine Strecke von gut hundert Metern, in denen 100 km/h legal sind – und das, obwohl die Strecke auf Kropper Gebiet an einem Baugebiet liegt, mit Bushaltestelle und reichlich Schülerverkehr.

Der Rheider Weg, die Landesstraße 39, führt von Norden her in den Ort. Kurz vor Kropp, der Ort ist schon erkennbar, läuft noch alles normal. Ein Straßenschild regelt den Verkehr auf 70 km/h herunter, weil an der Strecke ein kleines Einkaufszentrum mit zwei Discountern gebaut wurde. Ein sinnvolles Tempolimit, denn kurz danach folgt ein Kreisverkehr. Die erste Ausfahrt geht zwischen zwei großen Baugebieten hindurch in Richtung Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne. Wenige Meter hinter dem Kreisverkehr steht das Kropper Ortsschild. Auch die dritte Ausfahrt führt in ein Wohngebiet. Hier wird der Autofahrer darauf hingewiesen, dass er sich nun in Kropp befindet – mit allen damit verbundenen Verpflichtungen.

Autofahrer allerdings, die die zweite Ausfahrt im Kreisverkehr nehmen, sehen zunächst einmal den Hinweis, dass Kropp noch einen Kilometer weit entfernt ist, eine Bushaltestelle und eine fröhliche Begrüßungstafel mit dem Wappen der Gemeinde. Das Ortsschild steht rund 100 Meter weiter hinten.

„Und genau darin besteht das Problem“, erläutert Jürgen Thomsen, der in der Verwaltung für die Abteilung Sicherheit und Ordnung zuständig ist. Das Tempolimit von 70 km/h hebt sich hinter dem Kreisverkehr auf und wird in zwei Ausfahrten durch das Ortsschild ersetzt. Ab dort, das ist Basiswissen für jeden Fahrschüler, geht es mit maximal 50 weiter. In Richtung Kropper Ortsmitte aber gibt es keine Beschränkung. Das bedeutet, dass dort rein rechtlich mit bis zu 100 Stundenkilometern gefahren werden darf. Und das ist auch auf dieser kurzen Strecke durchaus möglich, wenn ein Autofahrer den Schwung aus dem Kreisel mitnimmt und richtig Gas gibt. Es habe schon mehrere Versuche gegeben, die Situation zu entschärfen, sagt Thomsen, die Verkehrsbehörde des Kreises habe es jedoch abgelehnt, das Ortsschild vor den Kreisverkehr versetzen zu lassen. Begründung: Am Standort des Ortsschildes müsse eine geschlossene Bebauung erkennbar sein. Dass diese geschlossene Bebauung vorhanden ist, kann auch der Kreis nicht abstreiten. Aber sie ist nicht erkennbar, weil ein zurzeit stark begrünter Lärmschutzwall die Landesstraße vom Baugebiet trennt.

„Das ist doch kurios“, sagt Kropps Bürgermeister Stefan Ploog. „Da wiehert der Amtsschimmel. Einerseits müssen wir unsere Bürger mit einem Lärmschutzwall schützen – und dann gefährden wir sie wiederum, weil wegen des Lärmschutzes bis zu Tempo 100 erlaubt ist.“ Demnächst hat Ploog ein Gespräch mit dem Landrat. Dabei soll es um die Ausweisung von 55 weiteren Bauplätzen in der Nähe des kleinen Einkaufszentrums gehen. „Bei dieser Gelegenheit werde ich das Thema Ortsschild noch einmal ansprechen“, sagt der Kropper Bürgermeister.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen