Schleswig : Wo die Freiheit gedeiht

Die ersten Praxen  ziehen ab kommenden August ins Medi-Centrum ein.
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Die ersten Praxen ziehen ab kommenden August ins Medi-Centrum ein.

Beim „Liebertee“-Kulturabend berichten die Investoren von Hotel und Ärztehaus von ihren Vorhaben.

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25. Januar 2018, 07:00 Uhr

Fast schon waren sie dem Verfall preisgegeben: Der „Flieger“ und das Offizierskasino. Doch nun prägen diese beiden Gebäude auch den neuen Stadtteil auf der Freiheit, denn mutige Bauherren sahen in ihnen mehr als nur Relikte aus der Soldatenzeit. Wie gerade aus dem „Flieger“ das neue „Medi-Centrum“ erwächst, in das ab August mehrere Arztpraxen einziehen werden, und wie aus dem Kasino das Restaurant und Hotel „Strandleben“ entstanden ist – das stand im Mittelpunkt der „Liebertee“-Veranstaltung am Dienstagabend in den Räumen der Stadtwerke am Ilensee.

Mehr als 100 Besucher waren gekommen, einige nahmen sogar mit einem Stehplatz vorlieb. Und da es sich bei „Liebertee“ um einen lockeren Treff von Kulturfreunden handelt, gab es neben den Infos auch eine wohldosierte Portion Kultur. So bot Wulf Schady mit seiner Musikgruppe „Join the Music“ orientalische Klänge, für die insbesondere sein kurdischer Mitspieler Issa Than sorgte.

Joscha Hofeldt, Geschäftsführer des im Oktober eröffneten Restaurants „Strandleben“, offerierte den Zuhörern eine Art Bautagebuch. Beeindruckend dabei, wie trostlos ein jahrelang verlassenes Gebäude vor der Renovierung aussehen kann. „Würden Sie das Ganze noch einmal in Angriff nehmen, wenn Sie gewusst hätten, was da auf Sie zukommt?“, wurde Hofeldt von einem Zuhörer gefragt. „Gerade weil ich als Manager keine Erfahrung mit Renovieren hatte, habe ich wahrscheinlich nie den Mut verloren“, meinte er lachend. So sei ein architektonisches Schmuckstück entstanden.

Mit der Resonanz auf den Gastronomiebetrieb sei man sehr zufrieden, sagte Hofeldt. „In vier Monaten sind über 12 000 Gäste zu uns gekommen.“ Auch die 16 Doppelzimmer seien stets gut belegt. Ziel sei es, noch einmal 16 Doppelzimmer, also weitere 32 Betten, zu bekommen – und zwar in einem separaten Gästehaus auf dem angrenzenden Grundstück – dort, wo früher das Regatta-Gebäude stand, das mittlerweile abgerissen wurde. Hofeldt: „Wir hoffen, in etwa zwei Jahren dieses Projekt realisieren zu können.“

In den „Flieger“ (der Name rührt daher, dass das Gebäude aus der Luft die Gestalt eines Flugzeugs hat) werden ab August mehrere Arztpraxen einziehen, kündigte Dr. Felix Zöllner an. Er fungiert gemeinsam mit Hanno Lüttmer als Bauherr und Investor des Projekts.

Als erstes wird das Ärztepaar Dr. Barbara Volger-Deimling und Dr. Andreas Deimling mit seiner Lungenpraxis ins Obergeschoss ziehen. Am Ende wird das Medi-Centrum über die Bereiche Orthopädie, ambulante Chirurgie, Unfallchirurgie, Gelenkzentrum sowie internistische und allgemeinmedizinische Praxen verfügen. Auch eine Apotheke sowie ein Sanitätshaus kommen dazu. „Über weitere medizinische Fachrichtungen sind wir mit Ärzten im Gespräch“, sagte Zöllner. Er betreibt mit seinem Kollegen Dr. Gerd Broockmann die Außenstelle des Gelenkzentrums Schleswig-Holstein am Rathausmarkt. „Dort platzt unsere Praxis aber aus allen Nähten“. Auf der Freiheit werden etwa 100 Parkplätze rund um das Ärztehaus zur Verfügung stehen.

Erstaunt reagierte Zöllner auf eine Zuhörerfrage, ob im Medi-Centrum nur Privatpatienten behandelt würden. „Auf keinen Fall, jeder Patient ist bei uns willkommen. Seine Krankenversicherung spielt keine Rolle.“ Man wolle „als Facharzt-Zentrum wie ein Leuchtturm dastehen“.

Bürgermeister Arthur Christiansen ließ anschließend die Entwicklung auf der Freiheit Revue passieren und sagte, dass das Theater wohl nicht vor 2021/22 stehen werde. Ob denn der Wohnmobil-Stellplatz nicht besser auf die Freiheit verlegt werden könnte, fragte Zuhörer Hauke Huusmann: „Der Stellplatz gehört nämlich nicht an den Stadthafen, finde ich.“ Christiansen führte an, dass der Platz 150 000 Euro Überschuss jährlich erbringe, auch steckten öffentliche Gelder darin. Jedoch: „Ob die Wohnmobile dauerhaft am Hafen bleiben, muss man sehen – wir sind da im Prozess.“

Der nächste „Liebertee“-Abend findet am 13. März statt zum Thema „Archäologischer Denkmalschutz“.

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