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Nach Besuch von den RTL2-„Kochprofis“ : Wirtin Christine Handl: „Vielleicht war ich einfach zu naiv“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Fernsehteam von RTL2 war zu Gast in der „Alten Schule“ in Mohrkirch. Wirtin Christine Handl ist geschockt von dem, was dann geschah.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2017 | 11:43 Uhr

Mohrkirch | Bereits vor einer Woche wurde der Besuch der RTL 2-Kochprofis in der „Alten Schule“ in Mohrkirch im Fernsehen ausgestrahlt. Doch auch noch heute steht Christine Handl die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Ich bin geschockt, wie ich dargestellt wurde. Das entspricht einfach nicht der Wahrheit“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Das zwölfköpfige Dreh-Team und die drei „Kochprofis“ Meta Hiltebrand, Ole Plogstedt und Nils Egtermeyer waren Ende Januar drei Tage im Dorf unterwegs, um Christine Handl zu helfen – das dachte sie zumindest.

Doch dann sei alles ganz anders gekommen. Schon beim ersten Vorgesprächen mit der Autorin der Sendung hätten sie Zweifel beschlichen, ob dieser Weg der richtige ist. „Ich war zu diesem Zeitpunkt schwanger, und sie wollte das zu einem Hauptthema machen. Doch darum ging es ja überhaupt nicht“, sagt die 30-Jährige.

Als die Dreharbeiten Ende Januar begannen, sei es schnell zur Konfrontation gekommen. „Ich dachte, die Profis wären gekommen, um wirklich zu helfen“, sagt sie. Stattdessen sei versucht worden, ihr von Anfang an ein vorgefasstes Konzept aufzudrücken. Meta Hiltebrand, Ole Plogstedt und Nils Egtermeyer waren sich vor der Kamera schnell einig, dass das Büfett-Konzept der „Alten Schule“ und die eingeschränkten Öffnungszeiten nur am Wochenende für die mangelnden Einnahmen verantwortlich sind.

Sie schlugen Christine Handl vor, abends eine Menüauswahl anzubieten. „Und ich habe im Vorgespräch gesagt, dass ich genau das nicht möchte“, sagt sie. Sie habe vor dem Besuch der Kochprofis schon zweimal versucht, eine Abendkarte zu installieren. „Das ist kräftig in die Hose gegangen.“ Zum einen aufgrund fehlender Laufkundschaft in Mohrkirch, zum anderen, weil die „Alte Schule“ gerade abends oft für geschlossene Veranstaltungen gebucht ist. Daher stamme auch der hohe Wareneinsatz, der in der Sendung bemängelt wurde. „Außerdem wollte ich das nicht, weil ich keinen Gast, der einen Restaurantbetrieb erwartet, wieder hungrig nach Hause schicken will.“

Diese Argumentation wollten die Kochprofis vor der Kamera nicht hören. Hinter der Kamera sei ihr jedoch Recht gegeben worden. „Meta und Nils haben mir zu anderen Konzepten geraten“, sagt Handl. Vor der Kamera sei jedoch das Konzept der Autorin umgesetzt worden. „Im Endeffekt sind die Kochprofis auch nur bezahlte Schauspieler“, meint Handl. Dazu sagt eine RTL2-Sprecherin: "Alle Köche der RTL2-Kochprofis sind ausgebildete Gastronomie-Fachkräfte und seit Jahren sehr erfolgreich in ihrem Beruf."

Nicht nur diese Diskrepanz, sondern auch die Art des Teams habe dazu beigetragen, dass Handl nicht mehr „mitspielen“ wollte. Vieles sei nicht so dargestellt worden, wie es war. „Mir wurde so oft die gleiche Frage gestellt, bis ich die richtige Antwort gegeben habe“, erinnert sie sich. Auch das Personal sei gegeneinander aufgehetzt worden. „Ich hatte den Eindruck, dass das Team ganz genau wusste, wie es negative Emotionen schürt.“

Dazu gehörte auch ein Besuch bei Bürgermeister und Vermieter Karl-Jürgen Peters und eine Umfrage unter den Dorfbewohnern. Beides fiel in der Fernsehsendung durchweg negativ aus. „Das hat mich menschlich so enttäuscht, dass ich gleich am nächsten Tag das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht habe.“ Er habe ihr versichert, dass er nicht nur negativ über sie geredet habe. Auf Nachfrage wollte er sich nicht mehr zu dem Thema äußern.

Auch die negative Haltung des Dorfes, die in der RTL2-Produktion wiedergegeben wurde, entspreche nicht der Wahrheit. „Nach den Dreharbeiten sind viele Einwohner zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie sich positiv geäußert haben, nur gezeigt wurde das nicht. Es sind sogar Kunden vorbeigekommen, die geweint haben.“

Seit der Ausstrahlung der Folge hagelt es bei Christine Handl jetzt Absagen. Darunter auch große Veranstaltungen wie eine Geburtstagsfeier. „Die Begründung lautete, dass man bei einer so unsympathischen Person nicht feiern möchte.“ Schnell sei so ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden. „Das kann ich nicht mehr auffangen, daher ziehe ich die Reißleine und werde die „Alte Schule“ im Juli schließen“, sagt die 30-Jährige mit Tränen in den Augen.

Bis es soweit ist, freut sie sich noch auf die verbleibende Zeit. „Ich habe so viel Herzblut in die „Alte Schule“ gesteckt und wollte nie jemanden vor den Kopf stoßen. Vielleicht war ich zu naiv und hätte einfach mitspielen sollen, aber das konnte ich nicht.“

Von einer falschen Darstellung will RTL2 auf Nachfrage nichts wissen. „Es tut uns sehr leid, wenn Frau Handl sich falsch dargestellt fühlt. Zu so einer Produktion gehören immer zwei Seiten und sie hat sich aktiv dafür entschieden, mitzumachen“, erklärt eine Sendersprecherin.

 

 

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