Schleswig : Wird der Domturm neu gemauert?

Einsatz in luftiger Höhe: Architekt, Materialprüfer und Statiker gestern Mittag bei der gemeinsamen Arbeit an der Fassade des Schleswiger Domturms.
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Einsatz in luftiger Höhe: Architekt, Materialprüfer und Statiker gestern Mittag bei der gemeinsamen Arbeit an der Fassade des Schleswiger Domturms.

Experten untersuchten gestern erneut Schleswigs 112 Meter hohes Wahrzeichen. Sanierungskonzept nimmt Form an.

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29. Mai 2015, 07:58 Uhr

Dieser Job war wahrlich nichts für schwache Nerven. Bei Windböen bis Stärke Sieben ging es für eine Handvoll Männer gestern in einem kleinen Arbeitskorb hoch hinaus. Auf bis zu 70 Meter wurden sie mit einem Lkw-Kran hinaufgefahren, um die Fassade des Domturms noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. „Das war schon eine wackelige Angelegenheit und wir alle haben ordentlich unsere Höhentauglichkeit getestet“, erklärte Alexander Wesch, als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. „Aber das muss jetzt nochmal sein.“

Gemeinsam mit dem Architekten des Büros Dr. Krekeler aus Brandenburg an der Havel drängten sich mit Andreas Protz vom Material-Prüflabor FEAD aus Berlin und Statiker Peter Hegewaldt vom Ingenieurbüro HAZ aus Kassel zwei weitere Experten auf der kleinen Arbeitsbühne. Sie alle sind damit beauftragt, nicht nur die Schäden an der Turmfassade zu lokalisieren und ihre Ursache zu erkennen. Gemeinsam sollen sie bis Sommer auch ein Konzept erstellen, aus dem hervorgeht, wie man Schleswigs 112 Meter hohes Wahrzeichen renovieren kann – und was das kostet.

Zu letzterem Punkt wollte Wesch gestern noch keine konkrete Aussage treffen. Nur so viel: „Es wird eine richtige und große Baumaßnahme werden. Keine kleine Sache.“ Wie diese aussehen könnte, da wurde der Architekt, der in den vergangenen Monaten bereits mehrfach in Schleswig vor Ort war, schon etwas deutlicher. So könne er sich schon vorstellen, dass ganze Teile der Domturm-Fassade komplett abgerissen und neu gemauert werden. Das mache gerade bei der Westseite Sinn, die vom Wetter besonders stark beansprucht wird. Zumal diese erst in den 1950er Jahren vor den eigentlichen Kern des Turmes gesetzt wurde. Aufwendige und kleinteilige Restaurationen lohnten sich – auch mit Blick auf die Kosten – in diesem Fall eher nicht.

Damals, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, hat man es insbesondere beim Anmischen des Mörtels offenbar nicht immer ganz genau genommen. Denn dieser ist, wie bereits berichtet, offenbar der Hauptverursacher für die Misere an der Fassade. Er verträgt sich nicht mit den Ziegeln, hat sich durch Nässe immer weiter ausgebreitet und dadurch nach und nach die Steine aufplatzen lassen. „Wir haben uns in den letzten Monaten eine Theorie und ein Gesamtbild erarbeitet. Jetzt gilt es, dies alles zu festigen, damit wir im Sommer ein stimmiges Konzept für die Sanierung vorlegen können“, erklärte Wesch.

Der Termin gestern sei dafür noch einmal wichtig gewesen. Denn dabei habe man festgestellt, dass im oberen Teil des Turmes der Mörtel nicht ganz so hart ist wie im unteren. „Wir hatten zwar schon Fotos, die eine Drohne gemacht hat. Es ist aber immer gut, wenn man selbst noch einmal einen Blick drauf hat, die Steine und Fugen anfasst, dagegen klopft, neue Foto macht“, sagt Wesch. Das sei auch für die endgültigen Sanierungsmaßnahmen durchaus von Interesse. Denn man könne nicht dem ganzen Bauwerk von oben bis unten ein einheitliches Konzept überstülpen.

Frühestens im Herbst 2016, so vermutet der Architekt, könnten die ersten Bauarbeiter am Domturm anrücken. Dann würde wahrscheinlich zunächst ein Gerüst aufgestellt. Allein das dauere bei einem Bauwerk dieser Dimension fast ein halbes Jahr. Ob dann der gesamte Turm oder zunächst nur Teile saniert werden, hänge davon ab, wie die Finanzierung geregelt wird. „Fest steht aber, dass dies hier insgesamt kein einfacher Fall ist. Es handelt sich um ungewöhnliche Schäden. Deswegen haben wir alle uns viel Zeit genommen, den Ursachen auf die Spur zu kommen und waren lange vorsichtig mit den Prognosen. Erst jetzt wissen wir langsam, woran wir sind.“

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