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Schleswiger Nachrichten

22. November 2017 | 21:14 Uhr

Schleswig : Wirbel um Bauamts-Leiterinnen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Manja Havenstein und Britta Gutknecht haben jeweils eine Halbtagsstelle – als Leiterinnen des Schleswiger Bauamtes. Sie würden gern mehr arbeiten. Der Finanzausschuss reagiert skeptisch.

von
erstellt am 19.Jun.2015 | 12:30 Uhr

Es ist ein ungewöhnliches Experiment: Seit Anfang des Jahres hat das städtische Bauamt zwei Chefinnen, die sich diese Stelle je zur Hälfte teilen. Bisher. Denn sie würden ihr Stundenkontingent gern aufstocken. Von 50 auf jeweils 60 Prozent der vollen Stelle. Die Ratsversammlung wird ihnen diesen Wunsch möglicherweise erfüllen – aber nur für wenige Monate bis Ende dieses Jahres.

Bürgermeister Arthur Christiansen unterstützt das Ansinnen seiner beiden leitenden Mitarbeiterinnen und brachte in dieser Woche einen entsprechenden Antrag im Finanzausschuss ein. Dort stieß er jedoch auf Widerstand. Der Einzige, der in der Diskussion den Antrag unterstützte, war SPD-Fraktionschef Stephan Dose, aber auch er sagte, dass in der Ratsversammlung nicht alle seine Parteigenossen zustimmen würden.

Christiansen begründete den Vorstoß mit „zusätzlichem Abstimmungsbedarf und der notwendigen gleichzeitigen Anwesenheit bei wichtigen Terminen“. So würden die Sitzungen des Bauausschusses, der in diesem Jahr bisher drei Mal tagte, oft mehrere Stunden dauern – und zwar am Nachmittag außerhalb der regulären Arbeitszeit der Bauamtsleiterinnen. Es gelinge nicht, diese Überstunden auszugleichen, sagte Christiansen und fügte hinzu: „Wenn die beiden Damen in der Woche nicht die vorgesehenen 20 Stunden arbeiten, sondern nur 16, dann können sie ihrer Führungsfunktion nicht nachkommen.“

Die Aufstockung würde im laufenden Haushalt Mehrkosten in Höhe von 5000 Euro verursachen. „In den kommenden Jahren wäre es natürlich deutlich mehr“, erläuterte Stadtkämmerer Helmut Stoltenberg. Schließlich würden die höheren Kosten erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte anfallen. Als städtische Baudirektorinnen werden Manja Havenstein und Britta Gutknecht nach der Beamtenbesoldungsgruppe A  15 bezahlt. Das entspricht dem Gehalt eines Gemeinschaftsschul-Rektors.

„Die Personalkosten fressen uns inzwischen auf“, klagte die Ausschuss-Vorsitzende Steffanie Hildebrandt (CDU). Das Argument des Bürgermeisters, im Bauamt sei derzeit besonders viel zu tun, mochte sie nicht gelten lassen: „Irgendwas ist immer.“ Von Gutknecht und Havenstein könne man erwarten, dass sie sich untereinander abstimmen. „Vielleicht ist ja ihre gleichzeitige Anwesenheit bei Terminen auch nicht immer erforderlich.“ In dieselbe Kerbe schlug Lutz Hippe (SPD). „Ich finde es gut, dass wir den Bauamtsleiterinnen Teilzeit-Arbeit ermöglichen“, sagte er, es sei aber „unfair“ vom Bürgermeister, die Kommunalpolitiker mit dem Antrag auf Erhöhung der Stundenzahl zu konfrontieren. „Das hättest Du vorher klären müssen, Arthur. So etwas muss man innerhalb der Verwaltung organisieren.“

Angesichts des Gegenwindes bot Christiansen einen Kompromiss an: Eine Erhöhung des Stundenkontingents nur bis Ende des Jahres – ohne Aussicht auf Verlängerung im kommenden Jahr. Dem stimmten SPD und Grüne zu. Die CDU-Vertreter enthielten sich. Bis zur endgültigen Entscheidung der Ratsversammlung im Juli werden die Fraktionen das Thema noch einmal erörtern. Gutknecht und Havenstein nahmen an der Finanzausschuss-Sitzung nicht teil. Gestern ließen sie lediglich mitteilen: „Wir haben die Entscheidung zur Kenntnis genommen und werden diese verwaltungsintern erörtern.“

Die 37-jährige Manja Havenstein leitet das Bauamt seit Mitte 2012. Im vergangenen Jahr war sie in Elternzeit. Seit ihrer Rückkehr in den Beruf teilt sie sich die Aufgabe mit der 41-jährigen Britta Gutknecht, die als Mutter einer dreijährigen Tochter und einer elfjährigen Ziehtochter ebenfalls nach einer Teilzeit-Beschäftigung suchte.

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