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Hertie-Abriss in Schleswig : „Wir wollen kein Risiko eingehen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Planung für den Abriss des Hertie-Kaufhauses ist noch immer nicht abgeschlossen. Zumindest die Entrümpelung soll im November beginnen.

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erstellt am 06.Sep.2017 | 17:10 Uhr

„Wann geht es denn nun endlich los?“ Mit dieser Frage brachte Stephan Dose, der Vorsitzende des Bauausschusses, gestern Nachmittag während der Sitzung des Gremiums das auf den Punkt, was wahrscheinlich nicht nur seine Kollegen aus den verschiedenen Ratsfraktionen wissen wollten, sondern auch die meisten Schleswiger: Nämlich, wann nun das Hertie-Haus abgerissen wird?

Zuvor hatten Alexandra Dahmen von der BIG-Städtebau aus Kiel, die sowohl den vom Land geförderten Abriss als auch die Innenstadtsanierung koordiniert, und Sadegh Firoozmand vom Hamburger Ingenieur-Büro HOL-ING ausführlich über den Planungsstand für den Rückbau des maroden Kaufhauses berichtet. Mit der vagen Aussicht, wie Dahmen vorsichtig formulierte, „dass wir wahrscheinlich im November mit den ersten Maßnahmen beginnen können. Wenn weiter alles nach Plan läuft.“ Konkret bedeutet das: Dann geht es erst einmal mit dem Entrümpeln los. Wann aber die Bagger anrollen, dazu äußerte sie sich nicht.

Dass die Schleswiger bei dem Thema langsam ungeduldig werden, nachdem der Abrisstermin bereits mehrfach nach hinten verschoben wurde, machten mehrere Ausschussmitglieder noch einmal deutlich. „Das kann ich durchaus nachvollziehen“, erklärte Alexandra Dahmen. Dennoch scheute sie sich davor, konkrete Versprechungen zu machen. „Ich weiß, dass der Rückbau die erste und dringendste Maßnahme der Innenstadtsanierung ist. Aber hier muss alles ganz genau und penibel geplant werden. Wir wollen kein Risiko eingehen“, betonte sie.

Warum, das erläuterte Sadegh Firoozmand den Ausschussmitgliedern noch einmal im Detail. „Dies hier war von Anfang an kein normales Projekt“, betonte er und nannte die drei Hauptprobleme, vor die die Abrissplaner gestellt wurden: Erstens gibt es einen Höhenunterschied von sieben Metern zwischen der Michaelisallee im Norden und dem Stadtweg im Süden des Geländes. Zweitens drückt auf dem Areal das Grundwasser nach oben. Drittens schließt im östlichen Bereich direkt eine Nachbarbebauung an das abzureißende Kaufhaus an. „Welche Schwierigkeiten damit insgesamt verbunden sind, war anfangs noch gar nicht abzusehen“, betonte der Bauingenieur.

Insbesondere das Grundwasser bereitete den Planern demnach Probleme. Am Ende sei aber eine Lösung gefunden worden: Bevor der obere Teil des Kaufhauses abgerissen wird, wird der Keller mit Sand und Flüssigboden aufgefüllt, damit er nicht nach oben schwemmt, wie Firoozmand erläuterte. Gleichzeitig wird die Nordwand des Gebäudes mit Ankern gesichert. „Wenn wir das alles nicht machen würden, könnte die Allee abrutschen.“

1,5 Millionen Euro wird der komplette Abriss des Hertie-Hauses (inklusive der Baunebenkosten) am Ende verschlingen. Darin inbegriffen ist auch der Rückbau des Nebengebäudes, in dem zuletzt ein Zeitschriftenladen untergebracht war. Allein das Ergebnis der baurechtlichen Prüfung durch die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) lässt noch auf sich warten. Noch nicht abschließend geklärt ist zudem die Frage, was aus dem ehemaligen Waschsalon wird. Dieses ebenfalls marode Gebäude gehört Apotheker Hermann Wighardt, mit dem die Stadt zurzeit über einen Verkauf verhandelt – ohne dass man bislang eine Einigung erzielt hat, wie Bürgermeister Arthur Christiansen andeutete. Ohne das Haus allerdings wären sämtliche Pläne für das Gesamtareal sinnlos: Denn an seiner Stelle soll ein Platz als neues Entree für den Stadtweg entstehen.

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