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Helios-Klinikum Schleswig : „Wir werden die Fehlerquelle finden“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Geschäftsführer Näthke ist weiter auf der Suche nach den Schuldigen für die Baupannen. Auch Kieler Ministeriums-Vertreter informierten sich über die Lage in Schleswig.

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erstellt am 16.Jan.2016 | 07:08 Uhr

Es war der falsche Putz für die Fassade, und es war der falsche Plan für die Elektrik – die neue Klinik und ihre baulichen Fallstricke sind derzeit Stadtgespräch Nr.1. Auch das Kieler Landeshaus schaut aufmerksam auf Schleswigs größte Baustelle, wo Dinge passieren, die mancherlei Irritation auslösen. Schließlich stecken von der Landesregierung 50 Millionen Euro Fördergelder in dem Projekt. Dass der gesamte Putz des Neubaus wegen nicht exakt angebrachter Ankerhaken zu Rissen führte, deshalb abgeschliffen und nun unter dem Schutz überdimensionaler Plastikplanen wieder komplett erneuert werden muss – allein das ist ziemlich ungewöhnlich. Und nun die Sache mit der Elektrik. Dass Handwerker in dem riesigen Neubau mit 35  000 Quadratmetern Bruttogesamtfläche nach nicht mehr aktuellen Bauplänen vorgingen, ist ebenfalls bemerkenswert.

Vertreter des Kieler Gesundheitsministeriums standen diese Woche selbst vor dem in Plastik gehüllten Klinik-Neubau in Schleswig. „Wir wollten uns über die Probleme und über Lösungsansätze informieren“, hieß es dazu auf SN-Nachfrage. Denn Hintergrund sei, so das Ministerium weiter, „dass die Zahlung der bewilligten Fördersumme in mehreren Schritten in Abhängigkeit vom Baufortschritt erfolgt“.

Indessen bekräftigte gestern der Geschäftsführer des Helios-Klinikums, John Friedrich Näthke: „Noch wissen wir nicht, an welcher Stelle die Fehler passiert sind, aber wir werden sie finden.“ Und sollte das Versagen am Ende nicht auf Menschen, sondern auf Computer zurückzuführen sein, werde man auch diese Fehlerquelle ausfindig machen, meinte er. Und: „Möglicherweise geht es auch auf ein Kommunikationsproblem zurück. Das Ganze ist schon sehr ärgerlich.“

Auf SN-Nachfrage, ob an den Gerüchten  aus Handwerkerkreisen etwas dran sei, dass  die Probleme nicht primär an der Elektrik gelegen hätten,  sondern  auch an  anderen Baufehlern, stellt Näthke klar:„Nein. Es war vorrangig die Elektrik.“ Dieser Handwerksbereich sei ursächlich für den Verzug verantwortlich. Zwar müssten tatsächlich nicht sämtliche Leitungen und Kabel in jedem Raum wieder herausgenommen und umgelegt werden, auch nicht alle Decken und Wände müssten aufgerissen werden – „aber es muss noch richtig viel nachgearbeitet werden“, sagte der Geschäftsführer. Dabei seien in den Fluren die Decken ohnehin so angelegt, dass man jederzeit an die Elektrik herankomme. Jedoch in vielen anderen Räumlichkeiten müsse man die Bereiche an Decken und Wänden öffnen, hinter denen sich die Anschlüsse befinden. Das sei zum Teil recht aufwändig. Zum Beispiel bei den drei Kreißsälen: „Da fehlte unter anderem die Verkabelung für den Wehen-Schreiber. Woanders ist es ein Wlan-Anschluss, der nicht dort sitzt, wo wir ihn brauchen.“ Oder auf der Intensivstation: „Da sollte die TV-Halterung an der Decke angebracht sein, tatsächlich war dort die Lüftung platziert. All das muss nun geändert und korrigiert werden.“

Zurück zur Schuldfrage: Wenn die Bau- und Projektsteuerung doch ausschließlich in den Fachabteilungen des Helios-Konzerns liegt, ist somit nicht auch die Fehlerquelle für die Baupannen bei Helios selbst zu suchen?

Näthke gegenüber den SN: „Natürlich hat es, wie bei jedem großen Klinikbau, auch während der Bauphase immer wieder Änderungen und Anpassungen gegeben. Die Frage ist nur, wer oder welches Team hat danach nicht aufgepasst und die aktualisierten Pläne weiter gegeben.“ Im Moment wird dazu „eine Unmenge von Gesprächsprotokollen gesichtet, auch im Büro auf der Schleswiger Baustelle“.

Nach dem ersten Schock Anfang Januar überwiegt trotz des Bauärgers nach Näthkes Aussage jetzt wieder die Vorfreude auf ein „wirklich tolles Krankenhaus, das wir in Schleswig bekommen“. Nur eben ein paar Monate später als gedacht.

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