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Schleswiger Nachrichten

24. August 2017 | 09:42 Uhr

Jardelund : Wir sind die Energiewende

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Einmalig in Schleswig-Holstein: Bürger aus fünf Landgemeinden an der dänischen Grenze investieren 25,4 Millionen Euro in einen der größten Windparks Deutschlands – und bauen ein eigenes Umspannwerk.

Die Energiewende im Norden ist seit gestern um eine Facette reicher: In Jardelund wurde mit einem Festakt ein Umspannwerk in Betrieb genommen, das mit einer Summe von acht Millionen Euro ausschließlich durch Bürger aus der Region finanziert wurde – ebenso wie der Windpark, dessen Strom über die gigantische Anlage mitten in der Geestlandschaft ins Netz eingespeist werden soll. Damit wurde nicht nur ein Engpass beseitigt, der in jüngster Zeit immer wieder zum Drosseln oder Abschalten schon am Netz befindlicher Anlagen führte. Über die Kooperation mit dem Netzbetreiber Tennet wurde zugleich der Anschluss an die Höchstspannungsebene (380 KV) hergestellt, über die der im Norden produzierte Windstrom in die Ballungszentren im Süden transportiert werden soll.

Das Umspannwerk ist Teil des im Bau befindlichen Bürger-Windparks im Kirchspiel Medelby, der ebenfalls nicht mit Superlativen geizt. 360 Kommanditisten aus den Dörfern des Kirchspiels – Medelby, Holt, Jardelund, Medelby, Böxlund und Osterby – investierten 25,4 Millionen Euro in das Projekt, dessen Gesamtinvestitionssumme sich auf 127 Millionen Euro beläuft. Ab Montag gehen die 27 Anlagen sukzessive ans Netz. Ab Ende Dezember soll der Windpark dann eine Leistung von 83 MWp einspeisen. Damit zählt er zu den zehn größten bundesweit und produziert Strom für umgerechnet 60 000 Haushalte.

Thomas Jessen, Geschäftsführer der Bürgerwindpark im Kirchspiel Medelby GmbH & Co KG, hebt vor allem die große Verbundenheit der Bürger mit dem Projekt hervor. „Unter unseren 360 Kommanditisten sind junge Menschen ebenso wie ganze Familien – von den 1600 Bürgern in den Dörfern des Kirchspiels sind so sicherlich 50 Prozent mit dem Projekt direkt verknüpft.“ Sie alle glauben an das, was im Jahr 2009 als kühne Vision begann. „Wir hatten großes Interesse daran, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt und nicht Zahnärzte aus Düsseldorf bei uns Windkraftanlagen betreiben“, sagt Jessen. So entstand der Bürgerwindpark, der für die Anteilseigner nicht nur eine lohnenswerte Investition bieten – die Renditeerwartung liegt zwischen acht und 15 Prozent –, sondern auch die eigene Heimat stärken soll. Denn die Inbetriebnahme der Windkraftanlagen soll sich durch Einnahmen aus Gewerbesteuer, Einkommenssteuer und Pachtzahlungen auch in den Gemeindehaushalten niederschlagen.

Einzig die Frage des Abtransport des produzierten Stroms war zunächst ein Problem. Doch auch in diesem Punkt setzten die Menschen im Kirchspiel ein Zeichen – das Motto, sagt Jessen, hieß: „Wir warten nicht auf die Politik und nicht auf die Schleswig-Holstein Netz AG, sondern wir bauen unser eigenes Umspannwerk.“ Das von den Kommanditisten des Windparks eigens geschaffene Tochterunternehmen UW Jardelund GmbH wurde mit der Errichtung und dem Betrieb des Umspannwerks beauftragt. Mit dem Bau wurde Anfang Juli 2013 begonnen.

Werner Dopatka, Geschäftsführer der UW Jardelund GmbH: „Durch die hohe Gesamtleistung des Bürgerwindparks wurde die Planung des Netzanschlusses zu einer großen Herausforderung.“ Das lokale elektrische Netz ist an wind- oder sonnenstarken Tagen bereits überlastet, so dass bestehende Anlagen gedrosselt oder abgeschaltet werden müssen. „Vor diesem Hintergrund ist die konsequente Entscheidung des Bürgerwindparks, ein eigenes Umspannwerk zu bauen, auch gut für die Endverbraucher, die nicht mit zusätzlichen Entschädigungszahlungen belastet werden müssen.“

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erstellt am 27.Sep.2014 | 07:45 Uhr

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