Ostseefjord-Schlei GmbH : „Wir nehmen eine Vorreiterrolle ein“

Setzen auf nachhaltigen Tourismus: Max Triphaus und Imke Gessinger von der Ostseefjord-Schlei GmbH mit einem der Picknickkörbe, die man – gefüllt mit regionalen Produkten – in der Schleswiger Touristinfo mieten kann.
Setzen auf nachhaltigen Tourismus: Max Triphaus und Imke Gessinger von der Ostseefjord-Schlei GmbH mit einem der Picknickkörbe, die man – gefüllt mit regionalen Produkten – in der Schleswiger Touristinfo mieten kann.

Die Schlei-Ostsee-Region wurde als erstes „nachhaltiges Reiseziel“ des Landes zertifiziert.

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01. März 2018, 07:00 Uhr

Vor etwa zwei Jahren hat die Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS) das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. „Auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin sind wir erstmals darauf aufmerksam geworden“, sagt OFS-Geschäftsführer Max Triphaus. „Seitdem haben wir konsequent daran gearbeitet.“ Offenbar mit Erfolg: Gestern wurde die Schlei-Ostsee-Region im Rahmen einer Fachtagung in Lübeck als erstes „nachhaltiges Reiseziel“ in Schleswig-Holstein zertifiziert.

„Wir nehmen damit eine echte Vorreiterrolle im Land ein“, betont Triphaus, der in der Auszeichnung gleich mehrere Vorteile sieht. „Sie steht für Glaubwürdigkeit und hat somit gleichzeitig positive Auswirkungen auf unser Marketing, weil sie einfach für ein gutes Image sorgt.“ Dafür hat man bei der OFS – finanziell unterstützt durch die Aktivregion Schlei-Ostsee – in den vergangenen Monaten allerdings auch einiges an Arbeit investieren müssen. So habe das Unternehmen Tour-Cert, das die Zertifikate vergibt, hohe Anforderungen an die Bewerberregionen.

Unter anderem war das Einbinden von Tourismus-Betrieben ein wichtiger Faktor. Diese mussten etwa eine positive Ökobilanz vorlegen, nachweisen, dass sie in erster Linie auf regionale Produkte setzen oder Elektromobilität fördern. Auch das Thema Personalmanagement spielte dabei eine Rolle. „Nun sind 30 Betriebe aus der ganzen Region mit im Boot, und wir hoffen, dass noch viele dazukommen“, sagt Imke Gessinger, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei der OFS.

Um aber die Partner von der Idee auch überzeugen zu können, hat die Tourismusorganisation anfangs erst einmal vor der eigenen Haustür gekehrt. Was bieten wir an Produkten aus der Region an? Bestellen wir unsere Waren im Internet oder bei regionalen Anbietern? Setzen wir konsequent auf LED-Beleuchtung in unseren Häusern? Muss man alle Dokumente immer ausdrucken? Und wenn ja, in Farbe – oder reicht Schwarz-Weiß? Diese und viele weitere Fragen wurden bei mehreren Workshops gestellt und im Anschluss beantwortet. „Erst dann sind wir an die Betriebe herangetreten. Denn auch in diesem Punkt geht es um Glaubwürdigkeit. Ich kann ja nicht Leute für etwas begeistern, was ich selbst nicht praktiziere“, so Triphaus.

Nun also hat die Schlei-Ostsee-Region das Zertifikat mit dem grünen „N“ erhalten. Davon sollen die Urlauber aber mehr haben als nur ein gutes Gefühl. Deshalb gibt es ab den Osterferien einen Bonuspass, der alle teilnehmenden Betriebe auflistet. Sollten Touristen dort übernachten, essen oder einkaufen, erhalten sie dafür jeweils einen Stempel. Hat man schließlich fünf, acht oder gar zwölf davon gesammelt, gibt es Geschenke, zum Beispiel Segeltaschen vom „Schleiwerk“ der Schleswiger Werkstätten oder Kissen aus Seegras.

„Das alles soll es natürlich nicht gewesen sein. Nachhaltigkeit ist immer ein Prozess. Und wir sehen gerade wegen der detaillierten Überprüfung und des strukturellen Vorgehens bei der Zertifizierung noch Potenzial in vielen Bereichen“, sagt Gessinger, die auch deshalb hofft, dass sich noch viele weitere Betriebe aus der Region der Initiative anschließen. „Denn“, so fügt Max Triphaus an, „nachhaltiger Tourismus ist gefragt und wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen“.

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