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Theater-Neubau : „Wir müssen es wenigstens versuchen“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beim SPD-Ortsverein hat Bürgermeister Arthur Christiansen seine Idee für einen Theater-Neubau im Lollfuß vorgestellt. Auch Generalintendant Peter Grisebach war dabei – und äußerste sich ausgesprochen skeptisch.

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erstellt am 05.Apr.2014 | 07:39 Uhr

Sollte irgendwo in der Stadt Euphorie ausgebrochen sein, weil das Theater im Lollfuß nun vielleicht doch noch zu retten ist, an diesem Abend war davon nichts zu spüren. Als Bürgermeister Arthur Christiansen seine Idee auf der SPD-Mitgliederversammlung in der Strandhalle vorstellte, begegnete ihm vor allem Skepsis. „Wir müssen es wenigstens versuchen“, sagte er. Vorher hatte er erklärt, wie genau sein Plan funktionieren könnte und welche Fallstricke lauern.

Zunächst soll das alte Theater weitgehend abgerissen werden. Nur die Fassade und der Eingangsbereich bleiben stehen – und die Schale, also das Fundament, des großen Saales. Das Nachbargebäude Lollfuß 51 mit dem Foyer verschwindet komplett. Das Haus der Generalintendanz soll stehen bleiben. Es steht unter Denkmalschutz, und diese Tatsache ist ein wichtiges Detail in Christiansens Plan. Er hofft auf EU-Fördermittel für die Sanierung dieses Gebäudes.

Diese Hoffnung ist vage. Demnächst startet zwar ein Förderprogramm für den ländlichen Raum, das für dieses Gebäude passen könnte, aber noch kennt niemand die genauen Bestimmungen. Der Zuschuss wäre wichtig, um eine andere Bedingung zu erfüllen: Es geht um die 6,9 Millionen Euro aus dem kommunalen Investitionsfonds (KIF), die für einen Neubau auf dem Hesterberg zur Verfügung gestanden hätten. Dieses Geld hatten die Kreise, Städte und Gemeinden im Land unter der Voraussetzung bewilligt, dass auch das Land Schleswig-Holstein sich beteiligt. Auf dem Hesterberg wäre das Grundstück des bisherigen Volkskunde-Museums dieser Beitrag gewesen. Nun setzt Christiansen darauf, dass die kommunalen Spitzenverbände die EU-Fördermittel, die durch den Landeshaushalt fließen, als Landesbeitrag anerkennen.

Ob das reichen wird, um die Millionen KIF-Mittel zu bekommen, weiß der Bürgermeister selbst noch nicht. Er sorgt sich insbesondere um die Zustimmung der Landkreise, deren Vertreter ohnehin schlecht gelaunt sind, weil sie Mindereinnahmen durch die bevorstehende Reform des kommunalen Finanzausgleichs befürchten. Vor diesem Hintergrund empfand es Christiansen als Schlag ins Kontor, dass der Dithmarscher Landrat Jörn Klimant vom Amt des Landestheater-Aufsichtsratsvorsitzenden zurückgetreten ist. Sein gewichtiges Wort werde im Landkreistag jetzt fehlen.

Überhaupt rücken die Vorgänge um Klimants Rücktritt ein weiteres Problem für Schleswigs Theaterpläne in den Blick: die Uneinigkeit unter den 17 Gesellschaftern des Landestheaters. Mehrere Städte halten sich schon bereit, Schleswigs Rolle als Produktionsstandort zu übernehmen. Es kann also niemand garantieren, dass das neue Lollfuß-Theater, wenn es im Jahr 2019 oder noch später eingeweiht wird, eine Hauptspielstätte des Landestheaters sein wird oder ob die Schauspieler nur gelegentlich aus Rendsburg oder Itzehoe anreisen.

Generalintendant Peter Grisebach jedenfalls machte den Schleswigern auf der SPD-Versammlung nur wenig Hoffnung: „Die Idee zur Rettung kommt zwei Jahre und neun Monate zu spät“, sagte er. Er wiederholte, was er schon oft gesagt hat: Die Zeit laufe ihm davon, der Hesterberg sei die letzte Chance für Schleswig gewesen, die Rücklagen seiner GmbH reichten nur noch bis 2017. Er sei gezwungen, nun massiv Arbeitsplätze abzubauen. „Wir haben verbrannte Erde, darüber können wir nicht hinwegsehen.“ Christiansens verzweifelter Kampf erinnere ihn an Don Quijote.

Manche SPD-Mitglieder wie der frühere Ratsfraktionschef Klaus Mangold fragten daraufhin, ob es überhaupt noch sinnvoll sei, das Theaterprojekt weiter zu verfolgen. Christiansens Antwort: „Es ist nicht aussichtslos, es ist anspruchsvoll.“ Um das Landestheater vor der Pleite zu retten, schwebt ihm ein „Rettungsschirm“ vor. Wer den spannen soll, ist offen.

In den nächsten Monaten will Christiansen aus der Idee ein tragfähiges Konzept machen. Die Baukosten schätzt er auf 18 Millionen Euro. „Natürlich wird es teurer als auf dem Hesterberg“, sagte er. Sechs Millionen Euro soll ein privater Investor beisteuern, der einen Teil des Neubaus errichtet und dann an das Landestheater vermietet. Welche langfristigen Kosten dadurch entstehen, ist noch völlig offen. Der städtische Anteil soll auf fünf Millionen Euro begrenzt werden. Auf die Frage, ob denn die CDU – wie schon beim Hesterberg – einen Rückzieher machen werde, antwortete Christiansen: „Ich weiß es nicht. Aber ich habe zu den Zusagen aller Fraktionen Aktenvermerke angefertigt, und die hebe ich gut auf.“

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