zur Navigation springen

SN-Serie: So kocht die Welt : „Wir lieben es fett und süß“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nilgün Demir lebt seit ihrer Geburt im Friedrichsberg – aber sie liebt die türkische Kochtradition ihrer Familie.

Menschen aus allen Ecken der Welt bereichern seit vielen Jahren das Leben in Schleswig und der Region. Wie sie hierher gekommen sind und welche Geschichten hinter ihnen stehen, bleibt jedoch oft im Verborgenen. Deshalb stellen die SN in einer neuen Serie Frauen, Männer oder auch ganze Familien vor, die ihre Wurzeln in anderen Ländern und Kulturkreisen haben und inzwischen hier eine neue Heimat gefunden haben. Wie kann das besser funktionieren als bei einem guten – und jeweils landestypischen – Essen? Diesmal bittet die türkischstämmige, im Friedrichsberg geborene Bankkauffrau Nilgün Demir zu Tisch.

Ihre Cousine in Istanbul produziert tägliche Kochsendungen mit regionalen Gerichten für das türkische Fernsehen. Deren Verwandte ist Nilgün Demir aus dem Friedrichsberg. Sie produziert türkische Gerichte nicht fürs TV, aber eigenhändig für ihre Familie und – für die Schleswiger Nachrichten. Denn gestern Mittag waren wir bei ihr zu Gast. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Cihad, Physikstudent in Kiel, hat sie für uns ein Vier-Gänge-Menü gekocht.

„Um ehrlich zu sein“, gesteht Nilgün Demir gleich zu Beginn, „meine Mutter hat im Hintergrund auch noch mitgekocht, aber sie wollte nicht in die Zeitung. Allein hätte ich es jedoch nicht geschafft.“ Dies wohl weniger aus fehlendem Koch-Know-How, sondern aus zeitlichen Gründen. Denn die 37-Jährige ist eine Business-Woman: Sie leitet die Nospa-Filiale im Friedrichsberg und „liebt diesen Job“, wie sie sagt. Bevor es nun aber wirklich ans Essen geht, geben die Demirs noch schnell eine Vorwarnung heraus. Eine Art Kalorien-Bomben-Warning. „Unser türkisches Essen ist sehr reich an Butter und Ölen. Wir lieben es fett, scharf und süß.“

Stimmt. Das merken wir auch, macht aber nichts: „Denn das Essen schmeckt so toll – und bald auch nach mehr. Das Hauptgericht „Karni yarik“ (Auberginen mit Hack) zergeht nur so auf der Zunge, als Kontrapunkt dazu der Salat mit Walnüssen und Schafskäse. Interessant und lecker zudem als Beilage die Weintraubenblätter mit Hack (türkisch: „Sarma“) – diese aufgerollten, mundfertigen Häppchen runden das Ganze angenehm ab.

Nilgün Demir ist eine äußerst aufmerksame Gastgeberin. Bevor man selbst überhaupt feststellt, dass Teller oder Wasserglas etwas leerer werden, ist sie schon zur Stelle. „Es ist türkische Tradition, den Gast besonders zu verwöhnen“, erklärt sie. So kennt sie es aus ihrem Elternhaus.

Die Eltern von Nilgün und ihren zwei Brüdern – alle drei sind im Friedrichsberg in der Bahnhofstraße geboren und aufgewachsen – kamen damals mit der letzten großen Gastarbeiter-Welle aus der Türkei nach Schleswig. Der Vater, ein Handwerker, hat, wie sie erzählt, alles dafür getan, dass seine Kinder hier ihre schulische und berufliche Ausbildung so gut wie nur irgend möglich absolvieren. „Mein Vater war Alleinverdiener, trotzdem hat er dafür gesorgt, dass ich zusätzlichen Nachhilfeunterricht in Deutsch bekam.“

Nach der Fachhochschulreife konnte Nilgün dann ein duales Studium beginnen. Marketing- und Personalfragen – all dies habe sie immer besonders interessiert. „Ich wollte irgendwann Leitungsaufgaben und Verantwortung übernehmen“, sagt sie – was sie geschafft hat. Neben ihrem Beruf engagiert sie sich in der SPD-Ratsfraktion. Ihren Eltern ist sie für die fortwährende Unterstützung mehr als dankbar. „Wir wohnen hier gemeinsam in einem Haus und helfen uns alle gegenseitig.“ Das entspannte und innige Verhältnis untereinander begründet auch ihr Selbstbewusstsein und ihre Liebe zur türkischen Kultur: „Dazu stehe ich, obwohl ich mich gleichzeitig ebenso als Deutsche fühle.“

Inzwischen sind wir beim Dessert angelangt, das die Mutter zubereitet hat. Was es gibt? „Kadayif“, also Teigfäden mit Sirup und Walnüssen, mit einen frisch aufgebrühten schwarzen Tee in kleinen türkischen Gläsern. Ein Hoch auf die Mutter im Hintergrund. Nilgün Demir lacht: „Ja, Mama kocht wunderbar. So ein Menü wie dieses hier haben wir früher täglich bekommen.“

zur Startseite

von
erstellt am 06.Mär.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen