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Milchbauer Klaus-Peter Dau : „Wir leben von unseren Rücklagen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Milchbauer Klaus-Peter Dau steht der Milchpreis-Krise hilflos gegenüber. „Auf Bioware umzuschwenken, wäre Harakiri“, meint er.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 12:16 Uhr

Dass Klaus-Peter Dau Milchbauer mit Leib und Seele ist, sieht man seinem Hof in Tetenhusen auf den ersten Blick an. Mitten auf dem Rasen vor dem Wohnhaus steht umgeben von Blumen eine schwarz-bunte Kunststoff-Kuh – als Symbol dafür, um was es für die gesamte Familie vom morgens bis abends geht. Bei einem Rundgang über den Hof strahlt der Landwirt. Er zeigt die Kälberbox mit den Neugeborenen, den Bereich zum Abkalben, den er dank einer Kamera auch von Sofa aus überwachen kann, die neuen, luftigen Ställe, den Melkstand – hier ist jemand stolz auf seinen Betrieb.

Klaus-Peter Dau ist niemand, der jammert. Der seit anderthalb Jahren anhaltende Sinkflug der Milchpreise aber bereitet ihm echte Sorgen: „Das ist für die Milchbauern die schlimmste Situation seit dem Krieg“, sagt er. Die Bauern bekommen teilweise nur noch 20 Cent für einen Liter Milch, mindestens 35 müssten es nach Einschätzung von Dau schon sein, um zumindest kostendeckend zu arbeiten. Das bedeutet: Mit jedem Liter Milch verliert ein Landwirt 15 bis 20 Cent. Klaus-Peter Dau hat rund 100 Milchkühe, die im Jahr 900  000 Kilo produzieren – beim derzeitigen Milchpreis bedeutet das unter dem Strich einen jährlichen Verlust zwischen 135.000 und 180.000 Euro.

Wie kann es bei diesen Zahlen angehen, dass es überhaupt noch Milchbauern gibt? „Jeder Betrieb ist anders strukturiert“, sagt der Landwirt. Einer habe eine Biogasanlage, die zurzeit die Kühe finanziert, andere setzten auf Wind. Klaus-Peter Dau baut nebenher „ein bisschen Raps und Getreide“ an. Dennoch lebt sein Betrieb zurzeit vornehmlich von den Rücklagen, die in besseren Zeiten gebildet wurden. 2014 beispielsweise gab es eine Phase, in der 40 Cent pro Liter gezahlt wurden. Aber die sind längst vorbei. Wie kommen die Bauern über die Runden? Klaus-Peter Lucht, der Vizepräsident des Landesbauernverbandes aus Mörel (Kreis Rendsburg-Eckernförde), hat mit seiner Bank vereinbart, dass er die Tilgung seiner Kredite für ein Jahr aussetzt und in dieser Zeit nur Zinsen zahlt. „Gespräche mit den Banken sind an der Tagesordnung“, bestätigt Dau. Darüber hinaus wird zurzeit gespart, wo es nur geht. Allerdings: Es geht nicht überall. „Das Futter für die Tiere muss bezahlt werden, wir verbrauchen Energie und auch der Tierarzt will sein Geld“, beschreibt Dau die Situation. Er selbst betreibt einen Familienbetrieb, in dem jeder mit anpackt. „Es wäre in dieser Situation fatal, Mitarbeiter auf dem Hof zu haben, die man bezahlen muss. Das ist bei uns glücklicherweise nicht der Fall.“

Dennoch: Als Geschäftsmann kann sich Klaus-Peter Dau genau ausrechnen, wann sein finanzielles Polster aufgezehrt ist. Als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schleswig kann er beobachten, dass die Flaute den Kollegen an die Substanz geht. Die kleineren Schweinezüchter sind so gut wie von der Bildfläche verschwunden, ein Milchbauern-Kollege hat Insolvenz anmelden müssen. Ein Patentrezept gegen die Krise sieht Dau nicht, allenfalls Stellschrauben, an denen gedreht werden könnte, um die Auswirkungen abzumildern. „Der Preisverfall hat seine Ursachen im russischen Einfuhrverbot sowie in den Absatzschwierigkeiten in China und in den Golfstaaten. Da können wir wenig tun.“

Eine Wiedereinführung der Quote hält Dau ebenso für wenig hilfreich wie die Tipps an die Milchbauern, auf Bioware umzuschwenken. „Das wäre Harakiri“, sagt er. „Die Umstellung ist mit Kosten verbunden – und die Öko-Förderung setzt erst nach zwei Jahren ein. Wer kann das schon finanziell überstehen?“

Die Verbraucher, die angeblich nach Billigware verlangen, nimmt Dau ausdrücklich in Schutz. „Die können nun wirklich nichts dafür. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass die Kunden gern auch mehr zahlen würden.“ Stattdessen möchte der Bauernvertreter die eigenen Berufsgenossen und vor allem die Meiereien in die Pflicht nehmen, die sich bei den Verhandlungen mit dem Einzelhandel ständig unterbieten. „Es ist an der Zeit, dass sich die Meiereien zusammenschließen und geschlossen auftreten.“

Die Situation für die Milchbauern ist schlecht. Dau sieht aber einen Silberstreif am Horizont, den er sehr vorsichtig beschreibt. „Es gibt ganz kleine Anzeichen dafür, dass sich der Abwärtstrend beim Preis nicht mehr ganz so schnell fortsetzt. „Der Milchbauer aus Tetenhusen ist optimistisch: „Wir werden diese Krise überstehen“, sagt er. Aber er merkt schon jetzt, dass ihn die letzten anderthalb Jahre verändert haben. „Bei Investitionen werde ich künftig noch genauer überlegen. Denn nach der Krise ist auch wieder vor der Krise. Damit müssen wir wohl leben.“

 

 

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