Zu viel Geld, zu wenig Leistung : „Wir kündigen, um zu bleiben“

Auslöser für die Krise des Landestheaters:  Im Frühjahr wurde die marode Schleswiger Spielstätte abgerissen.
Auslöser für die Krise des Landestheaters: Im Frühjahr wurde die marode Schleswiger Spielstätte abgerissen.

Kreis Schleswig-Flensburg beendet Mitgliedschaft beim Landestheater , erklärt aber seine Verbundenheit. Bedingung für eine Rückkehr ist die Reduzierung der Beiträge.

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22. Juli 2015, 07:45 Uhr

Der Kreis Schleswig-Flensburg hat einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Bei einem Zusammentreffen zwischen Landrat und den Vorsitzenden der im Kreistag vertretenden Fraktionen wurde am Montagabend beschlossen, den Gesellschaftervertrag mit Landestheater und Sinfonieorchester mit Wirkung zum 31. Juli 2019 zu kündigen. Bis dahin muss der Kreis noch jährlich seinen Anteil von 330  000 Euro bezahlen.

Wie viel Wert Verwaltung und Politik im Kreis darauf legen, nicht als Totengräber des Theaters dazustehen, sondern weiterhin Verhandlungsbereitschaft zu demonstrieren, zeigt die Pressemittelung zum Thema. Das mehr als zwei Seiten lange Schreiben beginnt mit einer Anklage gegen Dithmarschen. Mit Bedauern hätten die Fraktionsvorsitzenden den Beschluss des Kreises Dithmarschen zur Kenntnis genommen, den Vertrag zu kündigen. „Damit beendet der Kreis Dithmarschen die bisherigen Suche nach gemeinsamen Problemlösungen und setzt neue finanzielle Bedingungen, die eine sichere Existenz des Landestheaters als Solidargemeinschaft nicht gewährleisten können“, heißt es.

Der Kreis Schleswig-Flensburg hatte sein Verhalten zuvor von den anderen Gesellschafter abhängig gemacht: Sollte jemand kündigen, dessen Beitrag mehr als 1,5 Prozent beträgt, zieht der Kreis Schleswig-Flensburg nach. So lautete sinngemäß ein Beschluss des Kreistages, der am 24. Juni in nicht-öffentlicher Sitzung nahezu einstimmig gefasst wurde. Das ist mit dem Austritt der Dithmarscher geschehen. Folgerichtig geht nun auch der Kreis Schleswig-Flensburg diesen Weg.

Während allerdings Dithmarschen einen echten Schlusspunkt gesetzt hat und in Zukunft nur noch einzelne Vorstellungen ankaufen will, hat die Kündigung des Kreises Schleswig-Flensburg andere Gründe. Das wird im Schlusssatz der Pressemitteilung mit einer etwas verqueren Formulierung dokumentiert: „Wir kündigen, um zu angemessenen Konditionen zu bleiben.“

Ein endgültiger Ausstieg klingt anders – und der ist offenbar auch nicht vorgesehen. Die Fraktionsvorsitzenden sehen nach dem Abschied Dithmarschens eine „wirtschaftlich auskömmliche Fortsetzung des Landestheaters“ nicht mehr gewährleistet – und schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass man selbst künftig weniger zahlen will. Für die Kürzungen wird als Grund der „veränderte Status des Theaterstandorts Schleswig“ angeführt. Mario de Vries, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion, formuliert es so: „Schleswig ist kein Produktionsstandort mehr und auch nicht mehr Sitz der Generalintendanz. Es wird in Zukunft kein Musiktheater mehr in Schleswig aufgeführt werden können. Die Theaterversorgung wird schlechter und rechtfertigt nicht mehr die über 300  000 Euro, die der Kreis jährlich aufwendet.“

Auf der anderen Seite wird in der Stellungnahme eindringlich darauf hingewiesen, dass man dennoch zur Idee des Landestheaters als Solidargemeinschaft stehe und deshalb nach Lösungen suchen wolle, um die Struktur dauerhaft zu stützen. Die Reduzierung des eigenen Beitrags stehe dem nicht im Wege. „Im Gegenteil: Der Korrekturwunsch setzt auf das kooperative Ausloten des Machbaren, auf Abwägung von Möglichkeiten aller über den Gesellschaftsvertrag verbundenen Partner.“ Der Kreis Schleswig-Flensburg hat sich durch die vorsorgliche Kündigung des Vertrages in eine gute Verhandlungsposition manövriert und stellt in Aussicht, in den Gesellschafterverbund zurückzukehren, wenn der finanzielle Beitrag zu seiner Zufriedenheit reduziert wird.

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