zur Navigation springen

Rudolf Seiters zu Gast bei den „Immelmännern“ : „Wir haben viel Glück gehabt“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ex-Bundesminister spricht beim Kropper Aschermittwoch über die deutsche Wiedervereinigung.

Helmut Kohl spricht, und die Menschenmenge vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche jubelt dem Bundeskanzler frenetisch zu. An jenem Abend des 19. Dezember 1989 steht für Rudolf Seiters fest, dass die deutsche Einheit nicht mehr aufzuhalten war. „In dieser Nacht waren wir überzeugt, dass es keinen Sinn mehr machen würde, mit der Regierung Modrow Vereinbarungen zu treffen“, sagte der frühere CDU-Spitzenpolitiker gestern beim 19. Kropper Aschermittwoch in der Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne. Als Bundesminister für besondere Angelegenheiten im Kanzleramt war Seiters hautnah dabei, als vor einem Vierteljahrhundert Geschichte geschrieben wurde – am 30. September 1989 in der mit DDR-Bürgern überfüllten deutschen Botschaft in Prag ebenso wie bei Kohls historischer Rede in Dresden.

Die 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Militär und Gesellschaft hörten dem 78-Jährigen gestern gebannt zu, als er den Weg zur deutschen Einheit Revue passieren ließ. „Das Zeitfenster für die Wiedervereinigung war eng“, betonte der heutige Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Der Übersiedlerstrom gen Westen habe die DDR auszubluten gedroht. Und durch den sich anbahnenden Golfkrieg sei es 1990 zu neuen Spannungen zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion gekommen. „Wir haben damals viel Glück gehabt“, sagte er. „Ich halte es immer noch fast für ein Wunder, dass die Wiedervereinigung friedlich vollzogen wurde.“

Eine wichtige Lehre aus den damaligen Ereignissen sei für ihn, dass man nie vergessen dürfe, „was Europa für uns bedeutet“. In der Flüchtlingskrise zeige sich, dass Europa derzeit weit entfernt sei vom einstigen Gedanken einer Solidargemeinschaft und stattdessen geprägt von nationalen Egoismen. „Das ist beschämend“, befand Seiters. „Europa ist gerade in der Flüchtlingskrise von allergrößter Bedeutung.“

Zum Dank für seine mit viel Beifall bedachte Rede überreichte ihm Oberstleutnant Volker Jansen, stellvertretender Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“, ein Bild mit Tornados. „Ich werde das Ursula von der Leyen zeigen. Vielleicht kommt sie dann auch mal nach Kropp“, meinte Seiters. Die Verteidigungsministerin hat sich seit ihrem Amtsantritt noch kein einziges Mal im Geschwader blicken lassen.

Jansen vertrat gestern seinen Chef Michael Krah, der im Auslandseinsatz im türkischen Incirlik weilt. Von dort ließ der Oberst seine Grüße an die Gäste der traditionellen Aschermittwochsveranstaltung ausrichten. Die Mission „Counter Daesh“ sei „sehr professionell, ruhig und erfolgreich angelaufen“. Mit Stolz könne er sagen, „dass der Kampf gegen den IS zielgerichteter und effektiver durchgeführt werden kann“, ließ Krah weiter mitteilen. In Incirlik sind derzeit vier Tornados aus Jagel sowie rund 130 Soldaten aus dem Geschwader stationiert.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2016 | 07:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert