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Rumänen im Friedrichsberg : „Wir haben noch nie vom Staat gelebt“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nicoleta und Cristian Chifan arbeiten in „Gosch’s Gasthof“ – und begeistern Chef Siegfried Petersen mit ihrem Fleiß.

von
erstellt am 20.Feb.2014 | 17:00 Uhr

Nicoleta und Cristian Chifan haben ein klares Ziel. „Wir wollen in Bukarest ein Restaurant eröffnen – ein deutsches Restaurant.“ Während die bald 26-jährige Rumänin das sagt, leuchten ihre Augen. Und ihr bulliger Ehemann Cristian (22) nickt zustimmend. Die Chifans wissen, was sie wollen. Für ihren Chef Siegfried Petersen sind sie ein Glücksfall. Wenn der Inhaber von „Gosch’s Gasthof“ über seine beiden südosteuropäischen Angestellten spricht, kommt er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „Dieser Fleiß, diese Arbeitsmoral – das ist unbeschreiblich.“

Seit zwei Jahren arbeitet das rumänische Ehepaar in der Küche des Friedrichsberger Restaurants. Nach Ansicht von „Siggi“ Petersen sind Nicoleta und Cristian Chifan vor allem eines: ein Musterbeispiel für gelebte europäische Integration. Für die Debatte über die befürchtete Welle von Armutsflüchtlingen aus Bulgarien und Rumänien findet der 52-Jährige drastische Worte: „Das ganze Geschnacke finde ich einfach nur zum Kotzen.“

Die Vorurteile gegenüber Zuwanderern vom Balkan sind natürlich auch den Chifans nicht entgangen. Man dürfe aber nicht alle in einen Topf werfen, sagt Cristian. Und seine Frau stellt klar: „Wir haben hier noch nie vom Staat gelebt.“ Ihr sei aber bewusst, dass das gerade bei vielen Sinti und Roma anders sei.

Nicoleta Chifan, die wie ihr Mann aus dem Dracula-Land Transsilvanien (Siebenbürgen) stammt, hat in Rumänien ursprünglich Geografie und Tourismusmanagement studiert. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft zog es sie und ihren Cristian aber nach Deutschland – in die Gastronomie. In Laboe arbeiteten sie zunächst zwei Jahre als Saisonkräfte, bis sie der Weg nach Schleswig führte. „In Deutschland ist alles viel besser. Sicherer und sauberer. Rumänien ist 100 Jahre zurück“, findet Nicoleta Chifan.

„Ich habe Nicoleta ein halbes Jahr angelernt. Sie ist ein Naturtalent“, sagt Siegfried Petersen. „Sie kocht die Speisekarte hoch und runter.“ Selbst genießt die zierliche Frau die deutsche Küche, isst zum Beispiel gerne Leber. Cristian Chifan ist als Minijobber in „Gosch’s Gasthof“ angestellt, kümmert sich in der Küche vorwiegend um Salate. „Er kann aber auch Fässer schleppen“, sagt sein Chef und fügt hinzu: „Wir beuten unsere Angestellten nicht aus.“ 7,50 Euro netto pro Stunde zahlt Petersen. Das sei viel in der Gastronomie, betont er. Hinzu kommt Trinkgeld.

Die beiden Zuwanderer legen jeden Cent auf die hohe Kante. Anfangs sind beide von Selk aus mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren – auch im Winter. Mittlerweile wohnen die Chifans im Friedrichsberg. Um ihren Traum vom eigenen Restaurant verwirklichen zu können, nehmen sie große Entbehrungen in Kauf. So lebt der gemeinsame Sohn Lucas Theodor (2) vorerst bei der Oma in Rumänien. Der Ehrgeiz des Ehepaares spiegelt sich auch darin wieder, dass beide bei der täglichen Arbeit nebenbei an ihren bereits respektablen Deutsch-Kenntnissen feilen und sich sogar ans Platt wagen. „Du kannst mi mol fix an de Mors kleien“, zitiert Nicoleta Chifan lachend einen Spaß aus der Küche.

Im Laufe des Gesprächs rutschen sie und ihr Mann unruhig auf dem Stuhl hin und her. Die Zeit drängt. Bald kommen die ersten Gäste, alles muss vorbereitet werden. Nicoleta und Cristian Chifan verabschieden sich in die kleine Küche des unter Denkmalschutz stehenden Gasthofes, beginnen mit dem Schnippeln der Kräuter und schieben die Pfannen mit den Bratkartoffeln auf den Herd.

Siggi Petersen plant, sich in drei Jahren zur Ruhe zu setzen. Dann wollen sich auch seine rumänischen Angestellten von „Gosch’s Gasthof“ verabschieden und in ihr Heimatland zurückkehren. Ob Petersen die Chifans irgendwann mal in ihrem eigenen Restaurant besuchen wird? Die Antwort gibt Nicoleta: „Sie haben das versprochen, Chef!“

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