Schüler im Praktikum : „Wir fühlen uns pudelwohl“

Kristin Reimer und Mika de Lamboy staunen, welche verantwortungsvollen Aufgaben sie bei „Jesse und Parnter“ bekommen.
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Kristin Reimer und Mika de Lamboy staunen, welche verantwortungsvollen Aufgaben sie bei „Jesse und Parnter“ bekommen.

Büro statt Klassenzimmer: Die Zwölftklässler aus Domschule und A.P.-Møller-Schule lernen in dieser Woche das Berufsleben kennen – und staunen, wie viel Verantwortung sie übernehmen dürfen.

shz.de von
24. Januar 2015, 07:47 Uhr

Mika de Lamboy sitzt im Büro der Unternehmens - und Personalberatung Jesse und Partner am Wikingturm und telefoniert mit Pharma-Unternehmen. Kristin Reimer kontaktiert unterdessen Werbefirmen und interviewt potenzielle Kunden. Die beiden Domschüler aus der zwölften Klasse absolvieren gerade ihr Wirtschaftspraktikum. Nicht ohne Stolz berichteten sie von ihren vielseitigen Aufgaben und von der Verantwortung, die sie seit dem ersten Tag übernehmen durften. „Unsere Kollegen hier sind wirklich bemüht um uns“, sagt Kristin, und Mika ergänzt: „Wir fühlen uns pudelwohl!“

Ein Wirtschaftspraktikum in der zwölften Klasse – das gibt es an der Domschule in diesem Schuljahr zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder. Acht Tage lang erhalten die Jugendlichen Einblicke ins Berufsleben – noch bis zum Mittwoch kommender Woche. An der dänischen A.P.-Møller-Schule hingegen gehört das fünftägige Wirtschaftspraktikum schon seit jeher zum Jahresprogramm der zwölften Klasse. An beiden Schulen müssen die Jugendlichen selbstständig nach Praktikumsplätzen suchen.

Lynn Mielke aus der A.P.-Møller-Schule wurde im Ingenieurbüro Newe in Fahrdorf fündig. In ihrer Arbeitswoche durfte sie bereits einen Positionsplan erstellen und die Traglast einer Statik berechnen. Obwohl ihr die Arbeiten sehr gefallen, sagt sie: „Ich kann mir ein Ingenieurs-Studium noch nicht wirklich vorstellen, weil das Praktikum zu kurz war und man nicht genügend Einblicke in den Beruf bekommen hat.“

Ein ganz anderes Berufsfeld hat Kirsten Ulbrich gewählt. Ihr Praktikumsplatz ist bei der Ostseefjord Schlei GmbH. „Den Beruf als Kauffrau für Tourismus und Freizeit kann ich mir gut vorstellen“, sagt sie. Ihr Praktikum findet sie sehr eindrucksvoll, jedoch würde sie es vorziehen, den Beruf auf internationaler Ebene auszuüben, weil sie als Schülerin des sprachlichen Profils der Domschule mehr mit Fremdsprachen arbeiten möchte.

Auch die Banken wecken bei den Schülern großes Interesse. Stephanie Rieks aus der A.P.-Møller-Schule entschied sich für die VR-Bank. Dort darf sie bereits am Service-Schalter aushelfen und lernt dabei viel über den Umgang mit Kunden.

Auch die Arbeitgeber waren beeindruckt von dem Engagement der Schüler. Michael Jesse, Geschäftsführer von Jesse und Partner, sagt über seine beiden Praktikanten: „Beim Bewerbungsgespräch haben sie mit ihrer Kommunikationsstärke überzeugt. Später bewiesen sie ihren guten Einsatz, ihre offene, ehrliche Art in Kundengesprächen und zeigten großes wirtschaftliches Interesse.“

Allerdings sind sich die Schüler in einer Sache einig: Die Zeit ist viel zu kurz, um einen richtigen Einblick in die verschiedenen Berufe zu bekommen. Außerdem beklagen sie, dass sie im Unterricht nicht richtig vorbereitet würden. Kirsten betont jedoch, dass sich ihre Schule bemühe, indem sie Angebote zur Berufs- und Studienorientierung anbiete und nennt dabei insbesondere den Berufsinformationstag am nächsten Freitag in der Domschule.

Kristin und Mika sind derselben Meinung. Sie können aus dem Wirtschafts- und Politikunterricht zwar einige Elemente anwenden, finden aber, dass die Berufsvorbereitung in nur einem Fach nicht ausreichend ist. Lynn und Stephanie kritisieren: „Die Schule bereitet uns nicht gut vor.“ Und Lynn findet: „Ich glaube, ich bin noch nicht bereit für das Berufsleben.“

Doch durch das Praktikum sammeln die Schüler die Praxiserfahrung, welche die Schulen nicht vermitteln können und die doch so wichtig für das zukünftige Berufsleben ist. Die Schüler werden vor unbekannte Aufgaben gestellt, die es ohne Vorkenntnisse zu lösen gilt. Außerdem bietet das Praktikum eine willkommene Abwechslung zum normalen Schulalltag und lässt den Schülern die Freiheit sich in verschieden Berufsfeldern auszutesten.


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