zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 07:00 Uhr

"Wir fördern die Selbstständigkeit"

vom

Die Unternehmensgruppe Medigna konzentriert ihre Dienstleistungen für alte Menschen am Gallberg / Bald ergänzt Tagespflege das Angebot

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

schleswig | Pflege-Einrichtungen haben es nicht leicht. Mit ihrem Ruf stehts nicht zum Besten. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen das Pflegepersonal zu Lasten der alten Menschen überfordert war. Um so aufdringlicher wirkt manchmal die Selbstdarstellung der Dienstleister: Worte wie Würde, Respekt und Zuneigung dem Klienten gegenüber sind da schnell gebrauchte Vokabeln.

Vor diesem Hintergrund ist die Leistung der Schleswiger Unternehmensgruppe Medigna besonders bemerkenswert. Denn bei Karen und Thorsten Hoffmann sowie ihren Mitarbeitern decken sich tatsächlich Anspruch ("Würde ist das erste Grundrecht") und Realität. Erst vor wenigen Tagen erhielt der ambulante Bereich von Medigna in allen Prüfpunkten durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) die Note 1,0. Karen Hoffmann erinnert sich: "Die MDK-Leute kamen unangekündigt, sie haben uns wirklich auf den Kopf gestellt und so sind wir alle ein bisschen stolz auf diese Bewertung." Schon im letzten Jahr hatte es eine gute Note gegeben, damals noch mit leichten Einschränkungen.

Denkbar ist, dass auch die Struktur von Medigna beim Qualitätssiegel eine Rolle spielte. Denn aufgebaut ist die Unternehmensgruppe nach transparenten Kriterien. Da gibt es die ambulante Pflege mit aktuell rund 470 Klienten in und um Schleswig. Dann am Gallberg 39a die Pflegestation mit 15 Betten sowie 30 Wohneinheiten für "betreutes Wohnen". Eine weitere Ergänzung ist im Werden: Auf dem Nachbargrundstück entsteht derzeit ein menschenfreundlich durchkonzipiertes Haus für die Tagespflege mit 18 Plätzen. Im Obergeschoss werden die sieben Mitarbeiter der Medigna-Verwaltung, derzeit im Schwarzen Weg untergebracht, ihren Platz finden. Nach dem Umzug (Thorsten Hoffmann: "Noch in diesem Herbst") wird am Gallberg Schleswigs wohl modernstes Pflegezentrum seinen Platz gefunden haben.

Dieser wichtige Beitrag zur altersgeneigten demografischen Entwicklung der Stadt - mit Investitionen im siebenstelligen Bereich - ist Karen und Thorsten Hoffmann nicht in den Schoß gefallen. Der Medigna-Geschäftsführer hatte zuvor seine kaufmännischen und Marketing-Erfahrungen als Restaurantleiter einer großen Kette gesammelt. Und Karen Hoffmann lernte "Pflege" von der Pieke auf in der bereits bestehenden Schleswiger Medigna, in der sie 2003 die Pflegedienstleitung übernahm. Zwei Jahre später wagten die beiden dann den Schritt in das Unternehmertum. "Und das haben wir", sagt die Chefin, "bis heute nicht bereut". Zwar nimmt die formal-bürokratische Seite des Berufs immer mehr zu, aber ihre "Leidenschaft zur Pflege" lassen sich beide dadurch nicht austreiben.

Inzwischen sind sie Vorgesetzte von rund 100 Mitarbeitern. Und auch, wenn es "immer schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu finden", hat sich doch Medigna als attraktiver Arbeitgeber herumgesprochen. Überschaubare Arbeitsgruppen spielen da eine wichtige Rolle. So sind drei Teams jeweils für einen Stadtteil zuständig; außerdem steht männlichen Klienten auf Wunsch auch ein Männer-Team zur Verfügung. Dadurch fällt es manchem Pflegebedürftigen eher leicht, Hilfe anzunehmen.

Im Rahmen der ambulanten Pflege wird zudem allen Medigna-Klienten ein Notruf-System angeboten, das, am Handgelenk befestigt, ohne Umstände aktiviert werden kann. Auch heute noch landen solche Notrufe - in letzter Zeit gab es nur sehr wenige - immer wieder bei den Hoffmanns persönlich, sodass dann umgehend geholfen werden kann.

Auch die Schwerstpflege (vier Betten auf der Pflegestation) und die Palliativ-Pflege (zwei Fachkräfte) sind solche Bereiche, in denen Nervenkraft und Persönlichkeit der Medigna-Eigner gefordert werden.

Derzeit allerdings sind Karen und Thorsten Hoffmann überwiegend fröhlich gestimmt. Voller Elan und Zukunfts-Optimismus führen sie den Besucher durch den Rohbau Gallberg 41, in dem schon bald die Tagespflege in hellen Räumen stattfinden wird. Ruhe- und Schlafzonen zeichnen sich ab, Unterhaltungsangebote sind vorgesehen. Wie durchdacht ihr Konzept in dem Neubau daherkommt, lässt sich auch am Friseursalon erkennen. Da werden nicht etwa die alten Menschen hingebracht und abgeliefert, sondern diese sind vielmehr aufgefordert, den Salon im Souterrain selber aufzusuchen. Das entspricht der Philosophie von Karen Hoffmann: "Wir fördern Selbstständigkeit, solange es geht."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen