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Tag der offenen Moschee im Friedrichsberg : „Wir diskutieren hier nicht politisch“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Musafa Kayar vom türkisch-islamischen Kulturverein führte am Tag der offenen Moschee Dutzende Besucher durch die Gebetsräume im Friedrichsberg

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erstellt am 04.Okt.2017 | 07:51 Uhr

Die Schuhe blieben vor der Tür. Die Moschee des türkisch-islamischen Kulturvereins in der Friedrichstraße durfte gestern nur auf Socken betreten werden – so wie immer. Und doch war einiges anders als sonst. Im Gebetsraum der Männer waren auch Frauen willkommen. Es wurde nicht gebetet, es wurde viel geredet. Seit 20 Jahren schon laden die Islamverbände im Land immer am Tag der deutschen Einheit ein zum „Tag der offenen Moschee“. In der Friedrichstraße nahmen gestern im Laufe des Tages mehrere Dutzend Neugierige das Angebot an. Unter ihnen war Margarete Götz aus Schleswig. „Man hört ja viel über den Islam, ich wollte mir endlich einmal selbst anschauen, wie es hier aussieht“, sagte sie und stellte – ebenso wie viele andere Besucher – auch gleich ein paar kritische Fragen. Da ging es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau ebenso wie um die Finanzierung der religiösen Arbeit und das politische Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei.

Mustafa Kayar, der Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturvereins, war um keine Antwort verlegen. Im Koran, versicherte er, habe die Frau „eine sehr hohe Stellung“. Leider habe männlicher Egoismus dazu geführt, dass dies in der Praxis nicht immer auch entsprechend gelebt werde. Die Moschee finanziere sich zu 80 Prozent durch bürgerschaftliches Engagement vor Ort und nur zu 20 Prozent durch den türkischen Staat, der zum Beispiel den Prediger bezahle und Lehrmaterial zur Verfügung stellt. Dabei gehe es auch um türkischen Sprachunterricht. „Wir wollen nicht, dass unseren Kindern unsere Muttersprache verloren geht.“ Allerdings werde in der Moschee längst nicht nur Türkisch gesprochen. Schließlich kämen auch Muslime aus anderen Herkunftsländern hier her. Kayar: „Wir Muslime in Schleswig haben eine gemeinsame Sprache – und das ist Deutsch.“

Die Politik halte man aus der Vereinsarbeit heraus, so weit es gehe. In den Predigten des Imams kämen zwar tagesaktuelle Ereignisse zur Sprache – „aber wir diskutieren hier nicht politisch“, betonte Kayar und nannte gleich ein Beispiel: Als er im März den SN ein Freitags-Interview zur umstrittenen Volksabstimmung über die türkische Verfassung gegeben habe, da habe er bewusst darauf geachtet, dass das Gespräch nicht in den Räumen der Moschee stattfand, sondern an einem neutralen Ort.

Darauf angesprochen, wie es komme, dass insbesondere manche junge Muslime abwertend auf Frauen ohne Kopftuch blickten, erklärte Kayar: „Es gibt solche Fälle, aber das sind Ausnahmen. Genauso, wie es vorkommt, dass Frauen mit Kopftuch von manchen Menschen abwertend angesehen werden.“ Er selbst sei für Toleranz. „Meine Töchter tragen kein Kopftuch – das ist ihre eigene Entscheidung.“

Margarete Götz verließ die Moschee gestern Nachmittag mit vielen neuen Eindrücken. Insgesamt aber, sagte sie, „war es alles in etwa so, wie es mir vorgestellt hatte.“

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