Anwohner in Hünning : „Wir bezahlen unseren Asphalt selbst“

Festes Schuhwerk wird im Lerchenweg dringend  empfohlen.
2 von 2
Festes Schuhwerk wird im Lerchenweg dringend empfohlen.

Im Silberstedter Ortsteil Hünning wollen Anwohner der Gemeinde einen Straßenbelag schenken, weil die die Nase voll haben von der Kraterlandschaft. Doch es gibt da so einige Probleme.

23-28223293_23-56994511_1417184908.JPG von
23. Juli 2014, 17:00 Uhr

Die Anwohner der Lerchenstraße im Silberstedter Ortsteil Hünning haben in der Gemeindevertretung einen Beschluss durchgesetzt: Sie dürfen ihre Straße auf eigene Kosten asphaltieren. Nun wird ein öffentlich-rechtlicher Vertrag aufgesetzt und dann kann es losgehen. Aber obwohl die Leute aus dem Lerchenweg vor zwei Jahren selbst diesen Antrag gestellt hatten und ihre Straße nach mehr als zehn Jahren wieder eine echte Straße werden könnte – echte Zufriedenheit mag sich nicht einstellen.

Der Ortsteil Hünning liegt knapp zehn Kilometer entfernt von der verwaltenden Gemeinde Silberstedt an der Treene. Der Lerchenweg gehört zu einer Ferienhaussiedlung, inzwischen aber besitzen alle Anwohner ein Wohnrecht und haben ihre Häuser schmuck zurechtgemacht. Eine echte Idylle, wenn da nicht diese Straße wäre. „Ich wäre fast von einem Stein erschlagen worden, als der Müllwagen kam“, wettert Dieter Helwich, der am Wendehammer wohnt.

Das eigentliche Problem liegt 30 Jahre zurück. Damals investierte die Gemeinde in eine Straße – allerdings nur in den Unterbau. „Die Deckschicht ließ die Gemeinde damals ganz bewusst weg“, weiß Pierre Jürgensen aus den Akten. Der 44-Jährige ist als Schachtmeister im Straßenbau vom Fach und wundert sich: „Eigentlich ist das ganz anders vorgeschrieben.“ Was die Leute aus dem Lerchenweg aber wesentlich mehr stört als der vermeintliche Regelbruch, ist der Zustand der Straße. Im Laufe der Jahre haben Autoreifen unzählige dicke Steine aus der Schicht gedreht und tiefe Löcher hinterlassen. „Es ist unmöglich, hier mit normalen Schuhen über die Straße zu gehen, die herumliegenden Steine sind eine echte Gefahr“, sind sich die Anwohner einig. Gäste werden über die Situation vorab informiert – und wenn der Müllwagen kommt, sei es ratsam, in Deckung zu gehen.

Kein Wunder, dass sich die Anwohner mit dem Wunsch nach einer Asphaltschicht an die Gemeinde wandten. Der Erfolg war mäßig und endete mit der Auskunft, „ein Stimmungsbild habe zusammen mit schriftlichen Stellungnahmen“ ergeben, dass die meisten Anwohner gar keine Asphaltdecke wollen. „Ich kenne das eigentlich so, dass die Gemeinde beschließt, eine Straße auszubauen und die Anlieger dann anteilig zahlen müssen“, wundert sich Pierre Jürgensen immer noch.

Vor zwei Jahren beschlossen die zehn Hauseigentümer im Lerchenweg, die Sache endlich selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Angebot an die Gemeinde: Wir bezahlen die Asphaltierung aus eigener Tasche. „Ich habe berufliche Verbindungen und war entschlossen, auch einige Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen“, sagt Pierre Jürgensen. Auf diese Weise hätten die Kosten deutlich unter den von der Gemeinde veranschlagten 20 000 Euro gelegen. Besonderheit bei der Absprache: Die Ausbaubeiträge werden üblicherweise nach der Grundstücksgröße errichtet. Im Lerchenweg dagegen soll jeder Hauseigentümer den gleichen Anteil tragen. „Wir wollten der langwierigen Sache ein Ende bereiten und der Gemeinde die Asphaltdecke schenken“, sagt Jürgensen.

Das erwies sich jedoch als nicht ganz einfach. Es bedurfte etlicher Sitzungen, Beratungen und bürokratischer Vorgänge, bis die Gemeindevertretung vor wenigen Tagen ihre Zustimmung zusagte.

Das müsste doch eigentlich ein Freudentag für den Lerchenweg gewesen sein. Aber die Anwohner sind im Laufe der Zeit misstrauisch geworden. „Vielleicht sollten wir erst einmal abwarten, was so alles in dem Vertrag steht, der in Silberstedt ausgearbeitet wird“, gibt Dieter Helwich zu bedenken.

Ein heikler Punkt ist auch die Finanzierung. „Ich bin mir längst nicht sicher, dass nach diesen zwei Jahren voller Überraschungen noch alle zehn Anwohner bereit sind, zu zahlen“, sagt Pierre Jürgensen. Drei Partien haben ihre Zusage erneuert. Sollte es dabei bleiben, das machen die Verbliebenen ganz deutlich, lassen sie die Finger von der Sache: zu teuer. Dann bleibt der Lerchenweg eine unansehnliche Stolperstrecke. Es sei denn, die Gemeinde ringt sich selbst noch zu einer Asphaltierung durch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen