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Harter Winter in Schleswig : Winterschlaf mitten auf der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Peter Reith saß die vergangenen zwei Wochen an Bord seines Wohnschiffes „Aquarius“ im Eis fest – und zwar ganz alleine.

von
erstellt am 04.02.2014 | 07:45 Uhr

Schleswig | Übertreiben wolle er nun wirklich nicht, betont Peter Reith. Aber zumindest ein wenig habe er sich in den vergangenen zwei Wochen gefühlt wie in der Arktis. Denn so lange hat er festgesessen auf seinem Schiff, im Eis, mitten in der Schlei – und zwar ganz alleine.

Seit September vergangenen Jahres gehört Reiths „Aquarius“, ein 1910 gebautes ehemaliges Wasserbunkerboot, zum Schleswiger Stadtbild dazu. Seitdem liegt das 30 Meter lange Motorschiff vor der Freiheit vor Anker (wir berichteten). Als jedoch vor zwei Wochen der starke Ostwind dafür sorgte, dass die Schlei über die Ufer trat, ergriff Reith die Flucht und ließ sich vor Winning, im Mündungsbereich der Au, mit seiner „Aquarius“ nieder. Wenige Tage später zog der Winter ein und verwandelte die Schlei in eine Eislandschaft – eben Reiths kleine Arktis.

„Ich liebe diese Momente jedes Jahr aufs Neue“, sagt der 52-Jährige, „wenn man mit dem Schiff im Eis festsitzt, das ist wie Winterschlaf.“ Dieses Mal sei es jedoch eine ganz besondere Erfahrung gewesen. Denn seine Lebensgefährtin Heike Sommer ist zu einem zweimonatigen Familienurlaub in den USA, und auch Michael Deye, der immer mal wieder für mehrere Wochen mit an Bord lebt, ist zur Zeit in seiner niedersächsischen Heimat. „Ich konnte also mal richtig runterfahren“, schwärmt Reith. Zwei Wochen so ganz alleine, das habe schon ein bisschen was von Kloster.

Gestern hatte der Zimmermeister erstmals wieder festen Boden unter der Füßen. Ein „außerhäusiger“ Termin zwang ihn dazu, sich – bei einsetzendem Tauwetter – eine Fahrrinne ins bereits brüchige Eis zu schlagen, um mit seinem kleinen Beiboot an Land zu gelangen. Ein durchaus abenteuerliches Unterfangen, wie Reith zugibt. Und in erster Linie für Kinder nicht unbedingt zum Nachahmen zu empfehlen. „Aber ich habe in sowas Übung. Kein Problem“, betont er.

Mit derselben Routine und Gelassenheit hat er auch die vergangenen 14 Tage an Bord der „Aquarius“ überstanden. Langweilig sei ihm nicht geworden. Maschinen reparieren, Kochen, Bücher lesen, Klavier spielen: Irgendetwas sei ihm immer eingefallen. Und da er – dank eines präzisen Wetterberichtes – gut vorbereitet war auf den Wintereinbruch, habe er auch genügend Wasser und Lebensmittel an Bord. „Ich lasse es mir gut gehen. Ich habe vorher einmal richtig eingekauft. Das würde auch noch für sechs weitere Wochen reichen“, sagt der überzeugte Vegetarier. Auch an Vitaminen mangele es ihm nicht. „Da setze ich auf lange haltbares Gemüse, wie etwa Kohlköpfe.“ Für Strom sorgen übrigens eine  Solaranlage und ein kleines Windrad, Dank großer Holzvorräte hat er zudem immer eine  warme Stube.

Bis mindestens nächsten Herbst möchte Reith, der die „Aquarius“ 1996 kaufte und in Eigenarbeit zum Wohnschiff umbaute, noch vor den Toren Schleswigs ankern. „Wir fühlen uns hier pudelwohl“, betont er.

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