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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 18:44 Uhr

Windkraft: Die Diskussion ist eröffnet

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gemeinden im Kreis beschäftigen sich mit Details der Regionalplanung / Auch Bürger können sich ab 27. Dezember online einbringen

von
erstellt am 09.Dez.2016 | 18:26 Uhr



Seit wenigen Tagen ist der Entwurf der Regionalplanung für die Windkraft in der Öffentlichkeit, und damit ist auch die Diskussion eröffnet: Welche Einwendungen der Gemeinden wurden berücksichtigt, welche nicht? Ab 27.    Dezember sammelt die Landesregierung auf ihrer Homepage Anregungen und Einwendungen, die ab 30. Juni ausgewertet werden sollen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass aus dem Kreis jede Menge Änderungswünsche eingehen werden. Denn längst nicht alle Gemeinden sind mit dem zufrieden, was die Landesplaner auf den Weg gebracht haben.

„Einen dicken Hals kriege ich, wenn ich das sehe!“ Herbert Will gehört zu den Unzufriedenen. Der Bürgermeister von Jübek kann kaum fassen, dass die Landesplanung ein 273 Hektar großes Gebiet südwestlich der ohnehin schon erheblich belasteten Gemeinde zum Vorranggebiet erklären will. „Wir haben uns in der Gemeindevertretung gegen weitere Windkraftanlagen ausgesprochen.“ Bei dem Gebiet handele es sich zudem um Moor und Biotope, um schwierigen Grund zudem. Jedes Jahr müsse die Gemeinde erhebliche Summen aufwenden, um dort abgesackte Straßen und Wege auszubessern. Windkraft sei dort vollkommen fehl am Platze. Die Landesplanung indes argumentiert in diesem Fall damit, dass trotz Biotopverbund und sensiblen Bereichen an dieser Stelle Platz für Repowering geschaffen werden könnte, weil das Dorf durch den Wegfall anderer Anlagen, die außerhalb von Vorranggebieten stehen, entlastet würde. Will: „Die Damen und Herren wissen gar nicht, wo Jübek liegt. Da fehlt mir jedes Verständnis.“

Nicht gänzlich zufrieden ist auch Klaus-Dieter Rauhut, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Eggebek. Denn während im Amtsbereich einige Flächen entlang der A  7 durchaus auf Zustimmung stoßen, sind insbesondere zwei Windkraftanlagen den Bürgermeistern ein Dorn im Auge. Dabei handelt es sich um die beiden riesigen Testanlagen nördlich von Janneby, deren Genehmigung eigentlich zeitlich befristet war. „Die stehen jetzt in einem geplanten Vorranggebiet“, kritisiert Rauhut. „Das hätten wir gern anders.“

Änderungswünsche könnten sich auch in Nordhackstedt ergeben. Bürgermeisterin Anja Stoetzel: „Das Land ist unseren Vorschlägen nur teilweise gefolgt“, sagt sie. Insbesondere eine erweiterte Fläche aus Lindewitt empfinden die Nordhackstedter als Problem, da sie die Windkraft von Süden dichter an den Ort heranführen könnte.

In Hürup hingegen ist man zufrieden. Nachdem man in der Gemeinde eine Bürgerbefragung zum Thema Windkraftanlage gemacht hatte und diese ein eindeutiges Votum gegen Rotoren im Dorf erbracht hatte, fühlt sich Bürgermeister Jan-Nils Klindt nun bestätigt. Eine Fläche östlich der Gemeinde war im alten Regionalplan als Windeignungsfläche vorgesehen. Jetzt fällt sie weg, unter anderem aufgrund der Nähe zu Flensburg und einem möglichen Konflikt mit der „energie-gewerblichen Nachnutzung der ehemaligen Marinefunksendestelle“.

Ebenfalls zufrieden sind die Bürgermeister von Medelby, Günter Petersen, und Osterby, Thomas Jessen. Die Nachbargemeinden betreiben mit Holt und Jardelund einen gemeinsamen Bürgerwindpark (360 Kommanditisten) und planen einen weiteren, für den auch Vorrangflächen gewährt werden sollen. „Wir bekommen, was wir haben wollten“, sagt Petersen zu den Landesentwürfen. Jessen lobt die Vorarbeit des Landes als „sehr professionell“, weil unter anderem der Naturschutz stark berücksichtigt worden sei. Und: „Wir wollen keine Windkraft, die den Menschen erdrückt“, hebt der Bürgermeister hervor, der zugleich Geschäftsführer der Bürgerwindparkgesellschaft ist.

Ein Argument, das auch von Walter Stengel stammen könnte, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Der Bürgermeister von Böxlund war eigentlich stolz auf den Frieden, den die kleine Gemeinde im Hinblick auf die Windkraft an der dänischen Grenze erreicht hatte. Doch nun sollen an der Kreisstraße 75 zwei neue Vorrangflächen hinzukommen, so dass mehrere Wohnbereiche an der Grenzstraße von Windkraftanlagen regelrecht umzingelt würden. „So etwas einfach über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden, schafft keine Akzeptanz“, kritisiert er. „Da bekommt man das Gefühl, die Stellungnahmen, zu denen wir aufgefordert wurden, zählen gar nicht.“

 

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