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Wildunfälle : Wildwechsel: Es wird wild auf den Straßen in SH

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Herbst ist da. Polizei und Jägerschaft warnen vor erhöhter Unfallgefahr im Kreis Schleswig-Flensburg.

von
erstellt am 07.Okt.2017 | 13:42 Uhr

Eigentlich war auch der 26. September ein ganz normaler Tag in der Regionalleitstelle Harrislee – dort, wo alle Anrufer aus dem nördlichen Landesteil landen, wenn sie auf dem Telefon die 110 wählen. Als die Beamten allerdings an diesem Tag nach der Schicht Bilanz zogen, wussten sie: Der Herbst ist gekommen. Und die Zeit der Wildunfälle. Innerhalb von nicht einmal 20 Stunden waren neun Unfälle aufgelaufen. Die Bilanz: keine verletzten Menschen, aber ein toter Fuchs, ein Marderhund und sieben Rehe.

Wenn es zu Wildunfällen kommt, sind meistens Rehe beteiligt, sagt Polizei-Pressesprecher Christian Kartheus, der selbst lange in der Leitstelle gearbeitet hat. In Jägerkreisen kursiert ein Prozentsatz von fast 90 Prozent. Der Grund dafür ist die hohe Population der Tiere und die Brunft – eine Zeit, in der Ricken und Böcke relativ „kopflos“ unterwegs sind und die Straßen zu jeder Tageszeit ohne Scheu überqueren. Nach Auskunft von Kreisjägermeister Hans-Wilhelm Schlüter werden im Kreisgebiet jährlich rund 7000 Rehe „der Natur entnommen“. Rund 5000 davon werden von Jägern geschossen, 2000 sterben auf den Straßen.

„Das Rehwild hat seine Brunft allerdings gerade hinter sich“, erklärt Schlüter, „dafür steht die des Damwilds bevor.“ Diese Tiere sind eine Gefahr für die Autofahrer. Als Unfallschwerpunkte gelten die Gegenden um Kappeln und Rabenkirchen. „Das liegt unter anderem an den örtlichen Gegebenheiten“, erklärt Schlüter, „gibt es auf der einen Straßenseite Wald und auf der anderen verlockende Feldfrüchte, kommt es häufig zu Wildwechsel.“

Jedes Jahr werden in Deutschland durchschnittlich 3400 Menschen durch Wildunfälle verletzt, 30 sterben sogar an den Unfallfolgen. Im vergangenen Jahr verendete bundesweit durchschnittlich alle zweieinhalb Minuten ein Reh auf den Straßen – insgesamt rund 200.000. Und in diesen Zahlen sind noch nicht einmal Fälle berücksichtigt, die nicht gemeldet wurden, weil der Schaden am Fahrzeug nur leicht war oder die angefahrenen Tiere verletzt geflüchtet sind. Der deutsche Jagdverband geht davon, dass jährlich bis zu einer halben Million heimischer Wildtiere im Straßenverkehr sterben.

Nach Auskunft von Schlüter bemühen sich die Jäger intensiv um Prävention. „Gerade jetzt werden an vielen Straßen große Schilder aufgestellt, die vor Damwild warnen.“ Der Kreisjägermeister hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass dieses Schilder wirken, wenn sie neu sind, sich die Autofahrer aber bald daran gewöhnen und die Aufmerksamkeit dann nachlässt.

Als Erfolg bezeichnet Schlüter die Initiative der Jägerschaft, das Wild mit blauen Reflektoren von den Straßen fernzuhalten. „Wo diese Reflektoren hängen, sinkt die Zahl der Unfälle.“ Schlüter appelliert an alle Autofahrer, die Warnschilder unbedingt ernst zu nehmen und gerade an Waldgebieten immer bremsbereit zu sein.

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