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Winderatter See : Wilde Rinder greifen Spaziergängerin an

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Margret Dickreuter wird auf dem Stiftungsland am Winderatter See von einer Herde Rinder angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

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erstellt am 11.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ist stolz auf ihr geschütztes Gebiet rund um den Winderatter See. Auf einem fünf Kilometer langen, öffentlichen Wanderweg kommen die Spaziergänger in direkten Kontakt mit der Natur, heißt es in einer Werbebroschüre. Margret Dickreuter hätte dieser Kontakt beinahe das Leben gekostet. Die 58-Jährige aus der Nähe von Niesgrau wurde auf dem Wanderweg von freilaufenden Dexter-Robustrindern angegriffen und schwer verletzt. Seit fast zwei Wochen wird sie nun schon in der Flensburger Diako behandelt. Die Bilanz des Kontakts mit der Natur: Vier Rippen, Brustbein und Schlüsselbein gebrochen, ein Lungenflügel eingefallen, eine 20 Zentimeter lange, klaffende Fleischwunde am Oberschenkel und ungezählte Hämatome am ganzen Körper.

Nach dem Besuch eines Apfelfestes hatte sich Margret Dickreuter entschieden, mit ihrem zweijährigen Australian Shepherd „Jonna“ einen Spaziergang um den See zu machen. Ihren Hund nahm sie, wie am Eingang zu dem 35 Hektar großen Gelände vorgeschrieben, an die Leine. Über die Rinder, die in dem Naturschutzgebiet das ganze Jahr über weiden, machte sie sich zunächst keine Gedanken. Auch als die Tiere plötzlich auf dem Wanderweg standen, war das für sie noch kein Grund zur Besorgnis, schließlich wohnt sie seit Jahrzehnten auf dem Lande. Erst als die Tiere sie umzingelten, merkte sie, dass in der Herde eine besondere Stimmung herrschte.

 

Das Opfer: Margret Dickreuter.
Das Opfer: Margret Dickreuter.

„Sie waren unruhig – so etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt Margret Dickreuter. Sie verhielt sich ruhig, den Hund eng neben sich und suchte nach einem Ausweg. Dann tat sich eine Lücke in der Barriere der schwarzen Leiber auf. Margret Dickreuter machte drei Schritte in Richtung eines Gatters – aber plötzlich stieß eines der Rinder mit gesenktem Kopf zu, traf sie am Hals. Es war wie ein Signal zum Angriff. Die Situation hat sich bei ihr eingebrannt: „Die Tiere sind über mich rübergerannt, haben mich durch die Gegend gekegelt. Es war einfach furchtbar.“

Der Hund, den sie beim ersten Stoß losgelassen hatte, umrundete bellend die Rinder – so rettete sich Margret Dickreuter in einen kleinen Tümpel. Und wenig später gelang ihr trotz der schweren Verletzungen die Flucht. In einem nahe gelegenen Haus fand sie Hilfe. Der Rettungswagen brachte sie ins Krankenhaus, wo sie auf der Intensivstation behandelt wurde.

Margret Dickreuter schwärmt auch nach ihrem furchtbaren Erlebnis von den Naturschutzgebieten. „Es ist wunderschön dort. Und ich halte solche geschützten Bereiche auch für wichtig. Aber so etwas darf einfach nicht passieren. Ich weiß inzwischen von vielen Vorfällen, in denen Rinder gegen Spaziergänger aggressiv geworden sind – auch am Winderatter See.“

Zum Konzept der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die ihren Sitz in Molfsee hat, gehört das so genannte Stiftungsland – geschützte Gebiete, die teilweise nur einen halben Hektar groß sind, sich aber auch über mehrere Quadratkilometer erstrecken können. Die weidenden Robustrinder spielen dabei eine wichtige Rolle – ebenso wie die Wanderwege, die für jedermann zugänglich sind. „Wilde Weide“ nennt die Stiftung solche Gebiete.

„Ich sehe ein, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Vorfall am Winderatter See einen bitteren Nachgeschmack hat“, bekennt Pressesprecherin Nicola Brockmüller. Dass es weitere Vorfälle mit aggressiven Rindern gegeben habe, sei ihr „so nicht bekannt“. Aber es gibt offenbar dennoch Überlegungen bei der Stiftung, das Konzept zu überdenken. Erste Maßnahme: Der Wanderweg am Winderatter See wurde bis auf weiteres im nördlichen Teil (Husby) gesperrt. Im Bereich Ausacker wird gebeten, die Weiden nicht mit Hunden zu betreten. „Wir werden uns nun mit allen Beteiligten zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen“, sagte Nicola Brockmüller.

Massige Rinder und Spaziergänger – passt das überhaupt zusammen? Sind da gefährliche Situationen nicht programmiert? Matthias Lehmann hat das Land um den Winderatter See von der Stiftung gepachtet. Es sind seine Rinder, die Margret Dickreuter so schwer verletzt haben. „Es tut mir sehr leid was da passiert ist“, sagt er und verweist auf die Instinkte der Tiere. „Leider gibt es immer wieder Spaziergänger, die ihre Hunde hier frei laufen lassen. Die Mutterkühe betrachten Hunde als Gefahr und versuchen, ihre Kälber zu schützen.“ Es sei durchaus möglich, so Lehmann, dass die Rinder noch in Alarmstellung waren, als sie Margret Dickreuter mit ihrem angeleinten Hund begegneten.

Margret Dickreuter: „Es ist mir ziemlich wurscht, warum die Tiere sich so verhalten haben. Ich will nur, dass es anderen Spaziergängern nicht so ergeht wie mir.“

 

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