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Nach Brandkatastrophe in London : Wikingturm in Schleswig: „Hochhäuser sind immer sensibel“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für große Wohngebäude in Schleswig gibt es Einsatzpläne. Der Brandschutz im Wikingturm soll verbessert werden.

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 06:40 Uhr

Schleswig | Die dramatischen Bilder von der Brandkatastrophe in einem Londoner Hochhaus gehen seit Mittwoch um die Welt. Und wohl überall fragt man sich angesichts der Hilfslosigkeit sowohl der Bewohner als auch der Feuerwehr: Kann das auch bei uns passieren? „In dieser Form sicherlich nicht. Aber natürlich: Hochhäuser sind immer sehr sensibel, wenn es um Feuer geht“, sagt der Schleswiger Wehrführer Sönke Schloßmacher am Donnerstag auf Nachfrage des sh:z.

Der Grenfell Tower in London brannte wie eine Fackel.
Der Grenfell Tower in London brannte wie eine Fackel. Foto: Guilhem Baker/dpa
 

Er ist in dieser Hinsicht gleich zweifacher Fachmann: erstens in seiner Funktion als Schleswiger Wehrführer, und zweitens als Hausmeister des Wikingturms, Schleswigs höchstem Wohngebäude. Dass es auch in der Stadt – wie im Falle des Londoner Hochhauses – brennbare Fassadenelemente gibt, schließt er aus. „Da gibt es strenge Auflagen, und die Materialien wurden allesamt untersucht“, sagt Schloßmacher. Dennoch seien die Schleswiger Feuerwehrkameraden besonders eingewiesen worden, wie sie sich bei einem Brand in einem Hochhaus zu verhalten haben. Zudem gebe es für sämtliche dieser Gebäude Einsatzpläne, auf denen Details wie etwa die Lage von Gashähnen und Hauptstromschaltern aber auch Fluchtwegen eingezeichnet sind.

„Da, wo viele Menschen auf engem Raum leben, müssen wir natürlich besonders vorbereitet sein. Deswegen rücken wir dann, wenn es heißt, dass es in einem Hochhaus brennt, immer auch mit möglichst großer Truppe aus“, sagt der Wehrführer, der gleichzeitig aber auch betont: „Im Fall der Fälle kann in diesen hohen Gebäuden natürlich auch richtig etwas passieren. Gerade bei Wind kann es einen sogenannten Kamin-Effekt geben, wie bei einer Fackel.“ Auch wenn die Schleswiger Hochhäuser allesamt so gebaut seien, dass die Flammen möglichst nicht so leicht von einem Stockwerk auf das nächste übergreifen können.

Neun Stockwerke hoch und damit eines der höchsten Wohngebäude Schleswigs: das Hochhaus in der Mozartstraße 24.
Neun Stockwerke hoch und damit eines der höchsten Wohngebäude Schleswigs: das Hochhaus in der Mozartstraße 24. Foto: Sven Windmann
 

Das gelte auch für den 88 Meter hohen Wikingturm, der allein schon 246 Wohneinheiten beherbergt – und der zumindest mit seinen Stockwerken (27) und seinem Baujahr (1971, Erstbezug 1977) sehr dem Londoner Grenfell Tower ähnelt. „Das habe ich gleich gedacht, als ich gestern die schrecklichen Nachrichten im Fernsehen sah. Das hat mich dann doch etwas aufgeschreckt“, sagt Uwe Kiesling, Geschäftsführer der Kieler Kiesling Immobilien GmbH, die den Wikingturm bereits seit 1982 verwaltet. Wie Sönke Schloßmacher betont auch er, dass insbesondere die Fassade des Gebäudes sicher sei. „Die besteht aus Beton und Aluminium, da kann nichts brennen“, sagt Kiesling.

Dennoch weiß auch Kiesling, dass man im Innern des Turmes in Sachen Brandschutz noch nachlegen muss. Das war das Ergebnis einer Brandschau des Kreises im April 2013. Passiert ist seitdem aber noch nichts. Denn insbesondere die Eigentümer der Wohnungen sträuben sich dagegen – schließlich müssen sie die Kosten dafür übernehmen. Anfangs war von einer Investitionssumme von bis zu 2,5 Millionen Euro die Rede, ein überarbeitetes Brandschutzkonzept aus dem Jahr 2015 geht von etwa 1,8 Millionen Euro aus. Das jedoch fiel ebenfalls bei den Eigentümern durch, so dass zurzeit – wie Uwe Kiesling erklärt – ein weiteres Gutachten von einem Hamburger Ingenieur-Büro erarbeitet wird. „Dabei soll geprüft werden, ob es noch ein wenig günstiger gehen kann – ohne aber den Sicherheitsstandard herabzusenken“, betont der Hausverwalter, der hofft, nun endlich zu einem Konsens mit den Eigentümern zu kommen. „Ich bin guter Dinge, dass das klappt.“

Das Hauptproblem des Wikingturmes wird man allerdings nicht lösen können: Denn das Gebäude hat nur einen Treppenaufgang. Beim Bau in den 1970er-Jahren war das noch Standard, inzwischen werden bei Häusern dieser Kategorie längst zwei Treppen gefordert. „Dennoch“, so Kiesling, „ist der Wikingturm auch heute schon sicher. Von dem, was in London passieren konnte, sind wir weit weg.“ Jede Wohnung verfügt über Rauchmelder, es gibt Entrauchungs-Einrichtungen in den Fluren und Löschleitungen auf allen Etagen. „Das funktioniert alles einwandfrei. Wir hatten in all den Jahren ja schon zwei, drei Wohnungsbrände und es ist nichts Dramatisches passiert. Aber einiges soll und muss moderner werden und nachgerüstet werden, wie etwa die Rettungsweg-Anzeige und das innerhäusige Alarmierungssystem.“ Das koste Geld, sagt Kiesling, aber es gehe hier um die Sicherheit.

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